FOXA2 als Biomarker für die Diagnostik von Dottersacktumoren identifiziert

10.02.2021

Keimzelltumoren werden in Seminome und Nicht-Seminome unterteilt. Beide entstehen aus einer gemeinsamen Vorläuferläsion, der sog. „Keimzellneoplasie in situ“ (GCNIS). Dabei handelt es sich um Krebsvorläuferzellen, die auf das Ursprungsgewebe – hier die Hoden – begrenzt sind. Seminome ähneln in ihrem Aussehen, ihrem Genexpressionsprofil und der Epigenetik sehr stark den GCNIS-Zellen. Die Nicht-Seminome hingegen besitzen ihre eigene Stammzellpopulation, das Embryonale Karzinom. Dieses ist in der Lage in Zellen aller Gewebearten, auch in extraembryonale Gewebe, zu differenzieren und sich so u.a. auch zu sog. „Dottersacktumoren“ entwickeln können. Klinisch haben Patienten mit Dottersacktumoren eine schlechte Prognose, da diese Tumoren einen hohen Anteil an der Keimzelltumor-verbundenen Sterblichkeit besitzen und häufig eine Resistenz gegenüber übliche Cisplatin-basierten Chemotherapie ausbilden.

 

Forscher*innen aus Düsseldorf und Göttingen verfolgen im Rahmen von zwei Forschungsprojekten das Ziel, die bislang nahezu unverstandenen molekularen und (epi)genetischen Mechanismen zu bestimmen, welche die Differenzierung von Embryonalen Karzinomen in Dotter-sacktumoren steuern und damit potentielle neue Biomarker für die pathologische Diagnostik von Dottersacktumoren zu identifizieren.

 

In Kooperation konnten die Wissen-schaftler*innen nun durch die vergleichende Analyse von Dottersacktumor- und Embryonalen Karzinom-Geweben und -Zelllinien im Hinblick auf deren Unterschiede auf DNA-, RNA- und Protein-Ebene zeigen, dass der Pionier- und Transkriptionsfaktor FOXA2 einen Schlüsselfaktor in der Dottersacktumor-Entwicklung darstellt. Dabei interagiert FOXA2 vermutlich mit einem weiteren Transkriptionsfaktor (SOX17), um die Genexpession typischer Dottersacktumor-assoziierter Gene und Signalwege zu regulieren und damit die Differenzierung eines Embryonalen Karzinoms in einen Dottersacktumor zu induzieren.

 

Die Forscherteams konnten inzwischen an über 350 verschiedenen Keimzelltumor-Geweben zeigen, dass sich der immunhistochemische Nachweis des FOXA2-Proteins als vielversprechender Biomarker in der Routinediagnostik eignen könnte. Durch den FOXA2-Nachweis sei es möglich, nicht nur eindeutig Dottersacktumoren von den anderen Keimzelltumortypen zu unterscheiden, sondern auch kleine Dottersacktumor-Anteile in gemischten Keimzelltumoren nachzuweisen, die sonst möglicherweise unentdeckt bleiben und die Therapie nachteilig beeinflussen würden.

 

Basierend auf diesen Erkenntnissen und zukünftiger weiterführender Forschung, erhoffen sich die Wissenschaftler*innen, die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Dottersacktumor-Patienten verbessern zu können und so die mit diesen Tumoren verbundene Sterblichkeit zu senken.

 

Weiterlesen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33448076/