Immunstatus wichtig für Erfolg einer Chemotherapie beim Harnblasenkarzinom

14.01.2021

Bei Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, der noch nicht gestreut hat, wird die Blase i.d.R. operativ entfernt. Vorab sollen die Erkrankten laut Leitlinie zusätzlich eine Chemotherapie erhalten. Ziel dieser Vorbehandlung ist es, den Tumor bereits vor der Operation zu verkleinern und so das Rückfallrisiko sowie die Metastasen-Bildung zu mindern. Allerdings nimmt bei etwas mehr als der Hälfte der Betroffenen die Größe des Tumors durch die Chemotherapie nicht ab. Diese Patienten profitieren also nicht von der Vorbehandlung, sondern verlieren im Gegenteil wertvolle Zeit, in der der Tumor weiter wachsen und Metastasen bilden kann.

 

Ein internationales Forschungsteam hat nun einen Weg gefunden, die Patienten, die von einer Chemotherapie profitieren, von denen, die es nicht tun, zu unterscheiden. Der Schlüssel dazu fand sich im Immunsystem der Betroffenen noch vor Beginn der Behandlung: Nur wenn das Tumorgewebe zwei spezifische immunologische Komponenten, CXCL11 und CXCR3alt, in großen Mengen aufwies, zeigte die anschließende Chemotherapie Wirkung. Diese beiden Komponenten lassen sich im Labor unkompliziert aus der vorhandenen Biopsie messen, so dass es möglich ist, bereits zum Zeitpunkt der Diagnose den Erfolg einer Chemotherapie abzuschätzen. Ist es unwahrscheinlich, dass die Vorbehandlung anschlägt, könnte man auf die Chemotherapie verzichten und den Blasenkrebs direkt operativ entfernen. Ein solches personalisiertes Vorgehen würde den Patientinnen und Patienten nicht nur die Nebenwirkungen einer unwirksamen Behandlung ersparen.

 

Die Forschungsgruppe will nun als nächstes untersuchen, ob sich T-Zellen von Patienten, deren eigenes Immun-system weniger stark gegen den Blasenkrebs vorgeht, mithilfe eines zelltherapeutischen Ansatzes aktivieren lassen: Dazu möchte das Team die T-Zellen der Betroffenen außerhalb des Körpers mit einem künstlichen CXCR3alt-Rezeptor ausstatten und anschließend wieder in den Körper einschleusen. Diesen Therapieansatz wird das Team auch für andere Krebsarten erforschen. Zusätzlich plant es, die personalisierte Gabe der Chemotherapie bei Blasenkrebs voranzubringen. Dazu soll die Vorhersagekraft der beiden Immunkomponenten CXCL11 und CXCR3alt mithilfe einer pros-pektiven Validierung überprüft werden, die unabhängige Gruppen von Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs an verschiedenen europäischen Krankenhäusern untersucht. Sollte sich die Verlässlichkeit der Vorhersage bestätigen, könnte die Analyse des Immunstatus in Zukunft regulär als Entscheidungsgrundlage für die Blasenkrebs-Behandlung genutzt werden.

 

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https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33441425/