„Sichere“ IL-15- Antikörper-Konjugate für effektivere Krebsimmuntherapien

20.12.2019

Wissenschaftlern des Deutschen Krebs-konsortiums (DKTK) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ist es erstmals gelungen, immunstimulierende Zytokine so an krebsspezifische Antikörper zu koppeln, dass sie die Immun-abwehr gegen den Krebs aktivieren, aber keine gefährlichen überschießenden Immunreaktionen verursachen.

Zytokine wie Interleukine oder Interferone sind körpereigene Proteine, die als Botenstoffe das Immunsystem zur Bekämpfung von Infektionen und Tumoren stimulieren. Seit Jahrzehnten versucht man, die immunstimulierenden Eigenschaften von Zytokinen zur Krebsbehandlung einzusetzen. Durch Kopplung an Antikörper, die gegen krebsspezifische Proteine gerichtet sind, ist es in den letzten Jahren gelungen, Zytokine gezielt in Tumoren einzuschleusen. Ein Problem bei der klinischen Entwicklung solcher Immunzytokine sind jedoch die durch unkontrollierte Immunaktivierung ausgelösten starken Nebenwirkungen. Die Forscher konstruierten daher eine neue, optimierte Form von Immunzytokinen (MICs): An einen Antikörper, der ein Oberflächenmolekül auf einer Tumorzelle erkennt, koppelten sie ein gentechnisch verändertes Interleukin IL-15. Der Clou dabei: erst wenn der Antikörper an die Krebszelle bindet, bindet auch das angekoppelte veränderte IL-15 an T-Killerzellen und aktiviert diese erst dann.

Selbst bei hohen Dosen der MICs beobachteten die Forscher kaum eine ungezielte und somit unerwünschte Aktivierung von Killerzellen, welche da-gegen bei unveränderten Immunzytokinen auch bei kleineren Dosen bereits auftraten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass man therapeutisch nun auch höhere und damit wirkungsvollere Dosen verabreichen kann, ohne mit drastischen Nebenwirkungen rechnen zu müssen. In Mäusen und Zellkulturexperimenten war die Anti-Tumorwirkung der neuen Zytokin-Antikörper-Konjugate so vielversprechend, dass bereits mehrere Pharmafirmen Interesse an dem inzwischen patentierten Verfahren angemeldet haben. Mit der Biotechfirma ABL Bio wurde zuletzt ein erster Lizenz- und Kooperationsvertrag für die Herstellung von zwei MICs abge-schlossen.
Mit dem neuen Verfahren lässt sich prinzipiell jeder krebsspezifische Anti-körper mit dem „sicheren“ IL-15 ausrüsten und potenter machen. Eine Behandlung mit solchen Immunzytokinen sei dadurch bei ganz unterschiedlichen Krebserkran-kungen denkbar. Als nächstes werden sich die Forscher mit dem Industriepartner ABL Bio auf die Herstellung der ersten beiden MICs in klinischer Qualität konzentrieren und deren Eigenschaften im Detail charakterisieren. Anschließend sollen klinische Studien folgen.

Weitere Informationen:

www.dktk.org