Neuer bispezifischer Antikörper CC-1 gegen Prostatakrebs

18.10.2019

Bispezifische Antikörper sind Immunglobuline mit zwei verschiedenen Bindungsstellen. Im Falle des bispezifischen PSMAxCD3 Antikörpers CC-1 richtet sich eine Bindungsstelle gegen das Prostata-spezifische Membran-antigen (PSMA), das auf der Oberfläche bösartiger Zellen des Prostatakrebses präsentiert wird. Mit dem anderen Arm heften sie sich an ein Oberflächenantigen von T-Zellen. Durch Bindung des Antikörpers an beide Bindungsstellen kommt es zu einer Aktivierung der Immunabwehr. Darüber hinaus weist CC-1 die Besonderheit auf, auch an die Blutgefäße des Tumors zu binden und vermittelt dadurch eine zweifache Antitumorwirkung.

Eine ernsthafte Nebenwirkung bislang verfügbarer bispezifischer Antikörper ist eine überschießende Aktivierung des Immunsystems: Diese verursacht das so genannte Zytokin-Freisetzungs-Syndrom (CRS). Bei einem CRS können ver-schiedenste Beschwerden auftreten, hierzu gehören insbesondere Fieber und Kreislaufstörungen. Tritt ein CRS auf, erfolgt üblicherweise eine Behandlung mit Tocilizumab, einem Antikörper, der die überschießende Reaktion des Immun-systems abschwächt.

Die Tübinger Wissenschaftler haben CC-1 in vielerlei Hinsicht optimiert, um eine unerwünschte Immunaktivierung möglichst zu vermeiden. Zudem wurde in der Studie Tocilizumab erstmals bereits vorbeugend gegeben, um zu verhindern, dass ein CRS überhaupt auftritt. Durch diese Maßnahmen sollen die Nebenwirkungen für die Patienten verringert werden, so dass wirklich effiziente Dosen verabreicht werden können.

Die innovative Phase I Studie, die erstmals den bispezifischen Antikörper CC-1 im Menschen untersucht, wird durch Mittel des Helmholtz Validierungsfonds sowie des DKTK ermöglicht. Als erstes Zentrum wird Tübingen den Antikörper verabreichen, im Verlauf werden zahlreiche weitere DKTK Standorte an der Studie teilnehmen.

Teilnehmen können erwachsene Patienten mit einem Prostatakarzinom, das auf eine Hormon-ablative Therapie nicht mehr anspricht (kastrationsresistentes Prostata-karzinom) und die bereits drei vorhergehende Therapien erhalten haben. Vor Beginn der Antikörpertherapie wird untersucht, ob die Patienten alle Anforderungen für die Studie erfüllen. Hierzu gehören z.B. eine ausreichende Funktion von Leber und Niere sowie des blutbildenden Systems. Die Antikörper-gaben erfolgen dann als Dauerinfusion über insgesamt sieben Tage. Während dieser Zeit müssen die Patienten zur Überwachung in der Klinik bleiben. Vor der ersten Antikörperinfusion erfolgt einmalig die vorbeugende Gabe von Tocilizumab. Im Anschluss an die Antikörperinfusion erfolgen regelmäßige ambulante Kontrollen des Patienten. Im Falle eines klinischen Ansprechens auf die Therapie kann diese bis zu sechsmal wiederholt werden.

Ärzte und interessierte Patienten können sich per E-Mail an kketi@med.uni-tuebingen.de wenden.