Medizinische Epigenetik – Von grundlegenden Mechanismen zu klinischen Anwendungen: DFG fördert SFB 992 der Freiburger Urologie für weitere 4 Jahre

29.05.2020

Sprecher des nun mit weiteren 14 Millionen € geförderten SFB 992 ist Prof. Dr. Roland Schüle, Wissenschaftlicher Direktor der Klinik für Urologie und Leiter der Zentralen Klinischen Forschung am Universitätsklinikum Freiburg. Zudem arbeiten weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von unterschiedlichen Instituten und Abteilungen der Universität, des Universitätsklinikums Freiburg sowie des Max Planck Instituts für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg im Rahmen dieses SFBs in einem Konsortium zusammen, das Fragenspek-tren ausgehend von der Identifizierung von grundlegenden epigenetischen Prinzipien, der Validierung von epigenetischen Markern in Krankheitsmodellen bis hin zur Translation von epigenetischen Prinzipien in der klinische Anwendung adressiert. Die zentralen Projekte des Sonderforschungsbereichs stellen Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung/Bioinformatik für die Erzeugung und Analyse von epigenetischen Profilen und eine Plattform für rationales Wirkstoffdesign für Inhibitoren der epigenetischen Zielenzyme zur Verfügung.

 

Die postgenomische Ära in den modernen biomedizinischen Wissenschaften wird geprägt von bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Epigenetik. Die Epigenetik versteht sich dabei als ein Forschungsfeld, das sich mit Mechanismen der Vererbung beschäftigt, die über die genetische Festlegung in der DNA hinausgehen. Es handelt sich dabei um dynamische Veränderungen, bei denen wechselnde äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Ernährung, Stress oder Medikamente, epigenetische Veränderungen hinterlassen, die das Potential haben, weiter vererbt zu werden. Die Analyse und Interpretation dieser epigenetischen Muster kann zum besseren Verständnis der Entstehung von Krankheiten beitragen und neue Wege der Diagnose und Behandlung aufzeigen.

 

Das Verständnis der humanen Physiologie und Pathologie erfordert grundsätzliche Einsichten in die Struktur von Chromatin (der physiologischen DNA-Vorlage) und in die Kontrolle epigenetischer Regulationsmechanismen. Die DNA-Sequenz allein ist unzureichend, um alle Aspekte der vererbbaren Physiologie und Pathologie zu erklären, und die jüngsten Fortschritte in der epigenetischen Forschung haben richtungweisende Einblicke in normale und gestörte Entwicklungsprozesse geliefert. Technologische Innovationen erlauben nun auch die genomweite Kartierung von epigenetischen Signaturen, wie z.B. DNA-Methylierungsprofile oder Histonmodi-fikationsspiegel. Darüber hinaus sind neue Ansätze zur Bekämpfung von pathologischen Störungen durch Wirkstoffinhibitoren von chromatinmodifizierenden Enzymen realisiert worden. Eine verbesserte Diagnose und Behandlung von menschlichen Krankheiten erfordert daher eine Translation von epigenetischen Kontrollmechanismen und genomweiten Chromatin-Profilen hin zur klinischen Anwendung.

 

Weitere Informationen:

 

https://www.sfb992.uni-freiburg.de