Urologie Heidelberg entwickelt zukunftsweisende OP-Plattform

09.03.2018

In der Chirurgie werden bereits viele hochpräzise Geräte eingesetzt, wie z.B. minimalinvasive Instrumente, hochauflösende Kameras oder Medizinroboter. Bisher fungieren viele Geräte nur als herstellerspezifische Insellösungen. Es obliegt also allein der Erfahrung des Operateurs, die unterschiedlichen Informationsquellen im Blick zu haben und die technischen Geräte im Operationsaal möglichst schnell, sicher und passend einzusetzen. Im OP der Zukunft soll dies anders aussehen: eine intelligente und benutzerorientierte Plattform soll alle wichtigen Funktionen und Daten bündeln und diese übersichtlich und einheitlich u.a. auf einem Bildschirm darstellen. Während des Eingriffs informiert ein digitaler Assistent den Chirurgen, damit dieser die bestmögliche Behandlung für seinen Patienten einsetzen kann. Dies erhöht die Patientensicherheit und sorgt für verbesserte Abläufe im OP.

Vor diesem Hintergrund hat die Urologische Universitätsklinik Heidelberg das Projekt „OP 4.1“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebs-forschungszentrum (DKFZ), sowie den Unternehmen SAP, SIEMENS, STORZ und mbits entwickeln die Mediziner in Anlehnung an die „Industrie 4.0“ in den kommenden zwei Jahren einen Prototypen für ein digitales OP-System. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi Deutschland) fördert das Konsortialprojekt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bis zum Jahr 2020 im Rahmen des Technologieprogramms Smart Service Welt II.

Als Basis für OP 4.1 und integraler Bestandteil der Plattform dient die "SAP Cloud Platform", die u.a. Kernfunktio-nalitäten wie sichere Authentifizierung und Single-Sign-On ermöglicht. Im Rahmen der weiteren Forschung sollen vier Starter-Apps entwickelt werden, auf die durch verschiedene Interaktionsformen, z.B. Spracheingabe im Operationssaal, aus einem sterilen Umfeld heraus zugegriffen werden kann. Der Prototyp OP 4.1 soll auch eine Business-Plattform beinhalten, so dass zukünftige, Software-basierte Lösungen schnell auf freigegebene Gerätedaten zugreifen können und die Nutzung auch entsprechend abgerechnet werden kann. Zudem soll der Plattform-Prototyp offen und technisch erweiterbar sein und die Integration weiterer medizintechnischer Funktionen ermög-lichen. Dies alles soll nicht zuletzt auch die Markteintrittshürde für große und kleine innovative Unternehmen aus der Medizintechnik senken, die mit ihren Produkten bisher noch keinen Zugang in den klinischen Alltag gefunden haben.

So wird es in einigen Jahren möglich sein, das Operationsgebiet auf einem Bildschirm mit einer 3D-Grafik aus dem Computertomographen (CT) virtuell zu verknüpfen oder noch während der Operation die Belastbarkeit der betrof-fenen Gewebe zu berechnen. Durch diese Darstellung von Patientendaten und möglichen Risikostrukturen in Echtzeit während des chirurgischen Eingriffs soll bei minimalinvasiven Operationen, wie z.B. Nierenteilresektionen, eine optimale Therapie erreicht werden. Die neue Plattform OP 4.1 soll so vor allem den Chirurgen dabei unterstützen können, unter Berücksichtigung der verfügbaren Informationen zum richtigen Zeitpunkt die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Weitere Informationen:

http://www.op41.de