BiTEs für eine optimierte Immuntherapie von Tumoren

05.03.2018

Therapieansätze, die sich die Körperabwehr zu Nutze machen, gewinnen in der Krebsbehandlung zunehmend an Bedeutung. Zu diesen neuen Verfahren gehören auch bispezifische Antikörperfragmente, sog. BiTEs (bispecific T cell engagers). Diese künstlich hergestellten Antikörper, bestehen aus den Bindungsregionen zweier Antikörper, die jeweils unterschied-liche Zielstrukturen erkennen. Eine der beiden Bindungsstellen bleibt bei allen BiTEs gleich und ist für das Eiweiß CD3 reserviert, das auf T-Zellen vorkommt. Die zweite Bindungsregion wird variiert und ist tumorspezifisch. Durch die BiTE-vermittelte Verbindung wird die T-Zelle zur Tumorzelle gelenkt und löst in den Krebszellen den programmierten Zelltod aus.

Gegen bestimmte Formen von Leukämie sind BiTE-Antikörper bereits im Einsatz und auch wirksam, jedoch bislang nicht gegen solide Tumoren wie z.B. Haut- oder Darmkrebs. Dazu kommt, dass die BiTEs bisher als Dauerinfusion verabreicht werden. Dabei treten mitunter schwerwiegende, teilweise lebensbedrohliche Nebenwirkungen auf. Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Virotherapie am NCT Heidelberg haben nun einen alternativen Ansatz entwickelt, um die BiTE-Behandlung sicherer zu machen und den Therapieerfolg zu steigern.

Die Forscher verwendeten im murinen Modell die genetische Information für die BiTE-Antikörperfragmente und nutzten als Vehikel abgeschwächte Masern-Viren, die in der Lage sind, sich in den jeweils verwendeten Tumorzellarten zu ver-mehren. Infolge der Infektionen wurden die BiTEs dann von den Krebszellen selbst exprimiert. Der große Vorteil dieses Vorgehens ist, dass dabei keine BiTEs in die Blutbahn gelangen und die genannten Nebenwirkungen dadurch vermieden werden. Darüber hinaus stimuliert das Virus an sich und die Virus-Vermehrung im Tumor zusätzlich das körpereigene Immunsystem und macht dieses zusätzlich auf den Krebs aufmerksam.

In den Exprimenten verlängerte die Behandlung mit BiTE-Viren das Überleben der verwendeten Mäuse signifikant. Dabei profitierten auch die Mäuse mit Haut- und Darmkrebs. Bei einigen Tieren konnten die Wissenschaftler sogar eine Heilung feststellen. Darüber hinaus wurden – im Gegensatz zur systemischen Therapie – hier keinerlei Toxizität gefunden. Die Forscher hoffen, dass das neue Therapiekonzept eine effektive Strategie auch in der Behandlung von Tumoren im Menschen darstellen wird. Weitere dafür erforderliche Untersuchungen wollen die Forscher noch in diesem Jahr beginnen.

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https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29437789