Duftrezeptor OR10H1 als therapeutisches Target beim Harnblasenkarzinom

29.05.2018

 Ein Forscherteam um Prof. Hans Hatt vom Lehrstuhl für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum hat in der menschlichen Blase einen Riechrezeptor gefunden, der für die Therapie und Diagnose von Blasenkrebs nützlich sein könnte. Die Bochumer Forscher zeigten, dass der Riechrezeptor mit der Bezeichnung OR10H1 auf Sandelholzduftstoffe, wie z.B. Sandranol, reagiert. In Kooperation mit Wissenschaftlern um Prof. Wolfgang Schulz von der Universitätsklinik Düsseldorf untersuchten sie anschließend, wie sich kultivierte Blasenkrebszellen verhalten, wenn OR10H1 durch Sandranol aktiviert wird.

Nach Zugabe von Sandranol, aber auch von Santanol, dem Hauptbestandteil des natürlichen Sandelholzöls, veränderten die Blasenkrebszellen ihre Form, sie wurden runder. Außerdem teilten sie sich seltener und waren weniger beweglich. Insgesamt wurde in den Zellkulturexperimenten das Tumorwachstum mit Sandelholzduft signifikant gehemmt. Dieser Effekt wurde noch dadurch verstärkt, dass durch die Rezeptoraktivierung Interleukine und ATP freisetzt werden und dadurch natürliche Killerzellen des Immunsystems im Gewebe aktiviert werden.

Das Team analysierte zudem, ob sich der Rezeptorüberschuss im Blasenkrebs-gewebe auch im Urin bemerkbar macht. Dort fanden die Wissenschaftler RNA-Spuren des Rezeptors – und zwar vermehrt in Urinproben von Blasenkrebspatienten im Vergleich zu Proben von gesunden Menschen. Die Wissenschaftler leiten aus diesen Befunden ab, dass sich OR10H1 möglicherweise als Urin-gebundener Biomarker für das Harnblasenkarzinom eignen könnte.

In einer ähnlichen Studie zeigten die Bochumer Zellphysiologen bereits, dass ein anderer Duftrezeptor, nämlich OR2B6, in Brustkrebsgewebe vorkommt. In gesundem Gewebe ist er nicht vorhanden, sondern findet sich außerhalb der Nase lediglich in geringen Mengen in Lungen- und Bauchspeicheldrüsen-Krebszellen. Der Duftrezeptor OR2B6 habe daher das Potenzial, als spezifischer Biomarker für Brustkrebs Anwendung zu finden, so die Autoren.

Beide Arbeiten bestätigen die bisherigen Forschungsergebnisse des Bochumer Teams, dass Duftrezeptoren außerhalb der Nase in gesunden wie kranken Zellen des Körpers vorkommen und besonders in Tumorzellen in großer Menge vorhanden sein können. Sie könnten in Zukunft nicht nur für die Diagnose von Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen, sondern vor allem auch für neuartige Ansätze in der Tumortherapie.

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www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29867524https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29497600