EVI-1 und Mediatorkomplex beim letal verlaufenden Prostatakrebs

24.04.2018

Bislang ist es noch weitgehend unklar, warum ein Großteil der Prostatakrebs-patienten einen langsamen und damit gut kontrollierbaren Verlauf zeigt und ein kleinerer Anteil eine schnell fortschrei-tende, meist tödlich endende Krankheit. Daher suchen Forscher nach den Ursachen für die unterschiedliche Entwicklung dieser Erkrankung, um zum einen das Fortschreiten des Prostata-krebses frühzeitig gut einschätzen und zum anderen die Grundlage für moderne Therapieansätze legen zu können.

Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam aus Bonn und Lübeck – ua. auch im Rahmen des Eisenberger-Projekts von Dr. Isabella Syring – hat hierzu Gewebe von Prostatakrebspatienten in unterschied-lichen Stadien und mit unterschiedlichem Krankheitsverläufen untersucht. Ziel war es, molekulare Merkmale im Gewebe von Patienten, die einen guten klinischen Verlauf zeigten, mit den Merkmalen von Patienten zu vergleichen, die an der Erkrankung verstorben sind.

Die Wissenschaftler wählten dabei verschiedene Herangehensweisen: Zum einen wurden Gene und Proteine untersucht, die als Stammzellen für die Selbsterneuerung von normalem Gewebe eine Rolle spielen. Dabei zeigte sich, dass das Stammzell-Gen EVI-1 bei der Selbsterneuerung von normalen Prostata-zellen eine wichtige Rolle spielt, aber vor allem auch in den Krebsstammzellen des Prostatakarzinomgewebes von Patienten mit letalem Verlauf weiterhin angeschaltet ist. Das Forscherteam geht davon aus, dass Krebsstammzellen eine wichtige Rolle beim Fortschreiten des Tumors und bei der Bildung von Metastasen spielen.

Zum anderen wurde ein erst vor wenigen Jahren entdeckter Mediatorkomplex untersucht, für dessen Entdeckung 2006 der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin an Andrew Z. Fire und Craig C. Mello vergeben wurde. Dieser stellt in normalen Zellen einen wichtigen Trans-kriptionsfaktor dar. Die Forscher konnten unter Verwendung von großen moleku-laren Datenbanken zeigen, dass der Mediatorkomplex auch bei verschiedenen Krebserkrankungen eine zentrale Rolle spielt. So gelang es den Wissenschaftlern, nachzuweisen, dass unterschiedliche Anteile dieses Proteinkomplexes bei verschiedenen Krebsarten charakteris-tische Veränderungen aufweisen. Durch weiterführende Experimente fanden die Forscher für das Prostatakarzinom heraus, dass hier bestimmte Proteinkinasen bei der Entstehung des Tumors mit oft tödlichem Verlauf eine starke Aktivität aufweisen. Diese Aktivität konnte durch selbst hergestellte spezifische Blocker in Zellkultur-Experimenten aufgehoben werden. Damit hoffen die Forscher, einen weiteren wichtigen Schlüssel zum Entstehen und Fortschreiten des Prostatakarzinoms gefunden und eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung zielgerichteter Medikamente gegen diese Krankheit geschaffen zu haben.

Weiterlesen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27050271 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27678455

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27617580

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27974704