Zur Evolution des Hodens: RXFP2 und INSL3 zeichnen für Hodenabstieg bei Säugetieren verantwortlich

28.06.2018

Wale ohne Beine, Menschenaffen ohne lange Schwänze – im Laufe der Evolution kommt es immer wieder zum Verlust von anatomischen Merkmalen. Beweise für deren einstiges Vorhandensein liefern Fossilien. Wie sich allerdings Weichteile evolutionär entwickelt haben, ist ungleich schwerer herauszufinden, da diese nur äußerst selten in Fossilien erhalten sind. Ein interdisziplinäres Forscherteam hat nun am Beispiel des Hodens eine neue Methode entwickelt, um die evolutionäre Entwicklung von Weichteilen zu untersuchen: Die Forscher verfolgten die Evolution der Gene, die für ihre Bildung verantwortlich sind – in diesem Fall die Gene für die Entwicklung der Hoden.

Während der Embryo-Entwicklung entstehen die Hoden in der Bauchhöhle nahe der Nieren, wandern aber bei fast allen Säugetieren mit zunehmenden Alter in den Unterbauch oder sogar in einen Hodensack. Eine Ausnahme bilden hier einige afrikanische Arten wie z.B. Elefanten, Rüsselspringer, Seekühe oder Borstenigel – bei diesen Spezies bleibt der Hoden an der ursprünglichen Position und es erfolgt kein Hodenabstieg. Bisher war ungeklärt, ob bei diesen afrikanischen Arten der Prozess des Hodenabstiegs verloren ging oder ob alle anderen Arten diese Eigenschaft im Laufe der Evolution erlangt haben. Die Entwicklung ist auch deshalb umstritten, weil nicht vollständig verstanden ist, wie die afrikanischen Arten mit anderen Säugetieren verwandt sind.

Um die Evolution des Hodenabstiegs zu klären, wurde die DNA von 71 Säugetieren analysiert. Die Forscher stellten fest, dass die besagten afrikanischen Säugetiere nicht-funktionelle Überbleibsel von zwei Genen besitzen, RXFP2 und INSL3, welche bei den anderen Säugetieren für den Hodenabstieg benötigt werden. Diese „molekularen Rudimente“ deuten darauf hin, dass der Prozess des Hodenabstiegs auch bei den Vorfahren der afrikanischen Säugetiere stattfand und im Laufe der Evolution dann verloren ging. Wichtig ist, dass diese Schlussfolgerung unabhängig von laufenden Kontroversen über die evolutionären Beziehungen zwischen bestimmten Säugetieren Bestand hat.

Da immer mehr DNA-Sequenzen von verschiedenen Arten verfügbar sind, bietet die Suche nach „molekularen Rudimenten“ neue Möglichkeiten, um Fragestellungen zur Evolution anatomischer Merkmale zu lösen!

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https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29953435