Prognostischer Marker für die fortschreitende chronische Nierenerkrankung gefunden

18.06.2018

Ein bislang großes Problem einer chronischen Nierenkrankheit (Grad 1-5) war, dass man kaum unterscheiden konnte, bei welchen Patienten eine leichtgradige Nierenfunktionseinschränkung stabil bestehen bleibt und somit weitgehend unkritisch ist und bei welchen Patienten hingegen die Funktion des Organs rasant abnimmt und früher oder später zur Dialysepflichtigkeit führt.

Nach Lehrbuch ist das klassische Bild einer fortschreitenden chronischen Nieren-krankheit (CKD) zwar durch eine höhergradige Eiweißausscheidung im Urin (Albuminurie/Proteinurie) und Nieren-funktionsverlust gekennzeichnet, aber bei vielen Patienten, z.B. bei Patienten mit Zystennieren oder Diabetes mellitus, kommt es oft gar nicht zu einer Albumin-urie/Proteinurie, häufig nicht einmal bis zum Erreichen des Endstadiums der Nierenkrankheit, wenn die Patienten nicht mehr ohne Nierenersatztherapie (Dialyse oder Transplantation) leben können. Aus dem Universitätsklinikum des Saarlands kommt nun eine neue Entdeckung: Ein Biomarker, mit dessen Hilfe Nierenpatienten identifiziert werden können, bei denen die Erkrankung voranschreitet und die einer intensiven Therapie bedürfen.

Das pathomorphologische Korrelat einer fortschreitenden Nierenkrankheit ist die tubulointerstitielle Fibrose, deren Entstehungsmechanismen intensiv erforscht wurden. Es sind u.a. DKK (Dickkopf)-Proteine, die die Signalkette, die zur Fibrose führt, anstoßen. Das profibrotische Glykoprotein DKK3 wird unter Stress-bedingungen von bestimmten Nierenzellen (renalen Tubuluszellen) abgesondert. In tierexperimentellen CKD-Modellen und bei Patienten mit einer sicher nachgewiesenen chronischen Nierenkrankheit fand sich eine starke Korrelation zwischen der DKK3-Konzentration im Urin und der Ausprägung einer tubulointerstitiellen Fibrose. Die neuen Daten der Homburger Arbeitsgruppe, zeigten nun, dass DKK3 auch als Marker der CKD-Progression verwendet werden könnte. Evaluiert wurde der Marker an 575 Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen verschi-idener Ursachen, an 96 Teilnehmern der STOP-IGAN-Studie und an 481 Teilnehmern einer Querschnittsstudie in der Allgemeinbevölkerung. Der mediane DKK3-/Kreatinin-Quotient war bei CKD-Patienten signifikant höher als in der Allgemeinbevölkerung (431 vs. 33 pg/mg). Außerdem korrelierten die DKK3-Konzentrationen im Urin signifikant mit der CKD-Progression.

Ein Frühmarker wie DKK3 würde helfen, die Patienten, die einer Therapie bedürfen, frühzeitig zu erkennen, und die Einleitung einer effizienten nephrologischen Primär-prävention zu ermöglichen. Sollte sich DKK3 als Marker für die CKD bestätigen, würde dies entscheidenden Einfluss auf das zukünftige Behandlungsprozedere von Patienten mit chronischer Nierenkrankheit haben.

Weiterlesen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25530442

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25738250

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25943757

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27699213