Meldungen

Aus Wissenschaft und Forschung

 

 

 

Hohe Bedeutung der Evidenzbasierten Medizin

05.03.2012

Der Leiter des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg, Dr. rer. nat. Gerd Antes, wurde von der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg als Pionier der wissenschaftlich fundierten Medizin ausgezeichnet und zum Honorar-professor ernannt.

Das Ziel klinischer Studien ist es, therapeutische Maßnahmen (Arzneimittel, nicht-invasive Eingriffe, Operationen u.a.) auf ihre Wirksamkeit und ihren gesicherten Nutzen für den Patienten zu überprüfen. Eine wesentliche Voraussetzung dazu ist die (möglichst prospektive) Registrierung klinischer Studien in offiziellen Studienregistern (WHO-Primärregistern). In Deutschland erfüllt diese Aufgabe das „Deutsche Register Klinischer Studien“ (DRKS) in Freiburg. Die Verantwortlichen klinischer Studien publizieren darüber hinaus ihre Ergebnisse in verschiedenen wissenschaftlichen Journalen. Diese wiederum werden durch das Deutsche Cochrane Zentrum ausgewertet und in Bezug auf eine bestimmte medizinische Fragestellung in systematischen Über-sichtsarbeiten (Metaanalysen) zusammen-gefasst. Damit stellen die Institutionen DRKS und Cochrane-Zentrum eine wesentliche Basis für die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen zur Entwicklung von Therapie-Leitlinien und zur sachgerechten Information über die klinische Studienlage dar.

Seit Anfang diesen Jahres hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie mit ihrem Urologischen Studienregister dem DRKS angeschlossen. In Kürze sind auf der neu gestalteten Internetseite www.dgu-studien.de die aktuellen, registrierten Studien aus dem Bereich der Urologie für Ärzte, Patienten, Sponsoren und alle anderen Interessierten einzusehen und nach verschiedenen Parametern recherchierbar. Unter derselben Adresse können auch neue urologische Studien beim DRKS eingegeben und registriert werden.

Weitere Informationen:
https://drks-neu.uniklinik-freiburg.de/drks_web
http://www.cochrane.de

 

 

Neues Mikrofluidsystem zur sensitiven Detektion zirkulierender Tumorzellen

02.03.2012

Bereits im Frühstadium einer Krebserkrankung befinden sich einzelne Krebszellen im Blut. Solche zirkulierenden Tumorzellen (CTC), die auch Kristalli-sationspunkte für Metastasen darstellen können, sind von hoher medizinischer und diagnostischer Bedeutung und daher schon seit langem Objekt hochauflösender Analysetechnologien.

Der Nachweis zirkulierender Tumorzellen ist allerdings eine große Herausforderung, denn es gilt, 1 bis 10 Zellen pro Milliliter Blut zu finden – und das in Anwesenheit großer Mengen roter Blutkörperchen und anderer Zellen. Konventionelle Methoden können dies nicht leisten. Wissenschaftler der University of Washington (Seattle, USA) haben nun ein mikrofluidisches System vorgestellt, mit dem 1 ml Blut innerhalb von nur 20 min effektiv untersucht werden kann.

Zunächst wird das Blut mit fluoreszierenden Antikörpern markiert, die spezifisch an die gesuchten Tumorzellen binden. Anschließend wird die Probe durch ein System von Mikrokanälchen geleitet. Dabei passiert sie sukzessive eine 2-Nanoliter-fassende Zone, die von einem Laser bestrahlt wird. Falls markierte Zellen anwesend sind, bringt der Laser den Marker zum fluoreszieren. So wird unterschieden, ob das jeweilige Aliquot eine (oder mehrere) der gesuchten Zellen enthält oder nicht. Fluoresziert das entsprechende 2-Nanoliter-Aliquot, wird es automatisch in ein eigenes Kanälchen weitergepumpt und so vom nicht-fluoreszierenden Volumen abgetrennt. Die positiven Aliquots gelangen in eine Filtrationskammer. Rote Blutkörperchen und der Hauptteil der Blutzellen passieren den Filter, die größeren Tumorzellen werden zurückgehalten und können anschließend – auch lebend – analysiert werden.

Experimente mit manipuliertem Blut, das mit einer bekannten Zahl von Krebszellen, in diesem Fall Brustkrebszellen, versetzt war, ergab eine Wiederfindungsrate von 93 % - und keine einzige falsch-positive Anzeige. Auch reale Blutproben von Patientinnen wurden untersucht und die Resultate mit denen eines klinisch etablierten Systems verglichen. Dabei erwies sich das neue mikrofluidische System als signifikant sensitiver. Das neue Verfahren eröffnet interessante Potenziale für die Früherkennung, Therapieüberwachung und Nachsorge von Tumorarten, die Zellen mit identifizierbaren Oberflächenmarkern aufweisen.

Weitere Informationen:
http://depts.washington.edu/chem/people/faculty/chiu.html

 

 

Magnetische Nanopartikel für Diagnostik und Therapie von Krebs

27.02.2012

Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus sieben europäischen Ländern sind Radiologen des Universitätsklinikums Jena an einem EU-Projekt namens multifun beteiligt, das die Anwendung von multifunktionellen magnetischen Nanopartikeln zur Detektion und Bekämpfung von Tumorerkrankungen erforscht. Versehen mit speziellen Antikörpern sollen Eisenoxidteilchen die Krebszellen spezifisch erkennen und sich zielgerichtet anlagern, so dass auch kleinste Metastasen im MRT sichtbar werden. Zum anderen sollen die Partikel durch äußere Magnetfelder für eine Überhitzung der Zellen therapeutisch genutzt werden.

Das auf vier Jahre angelegte Projekt wird mit 9,8 Mio EURO von der EU gefördert.

Weitere Informationen:
http://www.multifun-project.eu

 

 

MiRNA-Profile zur Prognose von Prostatakarzinomen

24.02.2012

MicroRNAs haben einen relevanten Einfluss auf die Aggressivität des Prostatakarzinoms. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 200.000 EURO geförderten Projekt führt eine interdisziplinäre Forschergruppe der Klinik für Urologie und der Institute für Pathologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Universität Rostock in Kooperation mit dem Berliner Forschungsinstitut für Urologie (BFIU) umfangreiche Analysen von miRNAs im Prostatakarzinom durch. Ziel ist es, das Wachstumsverhalten dieses Tumortyps besser vorhersagen und damit den Patienten in Zukunft eine maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können.

MiRNAs kommen in pathologisch unterschiedlichen Prostatageweben sehr heterogen vor. Es gibt miRNAs, die eine Tumorentstehung eher unterdrücken, und solche, die Tumorentstehung und wachstum eher fördern. Die Berliner Arbeitsgruppe konnte bereits zeigen, dass bestimmte Expressionsmuster in urologischen Tumoren wiederkehren und mit dem biologischen Verhalten des Karzinoms in Zusammenhang stehen. Die Wissenschaftler wollen nun Proben von Patienten mit unterschiedlichen Rezidivverhalten vergleichend auf ihre miRNA-Profile untersuchen. Die Studie gliedert sich dabei in eine Identifizierungsphase, in der relevante miRNAs gefunden werden sollen, eine Validierungsphase, in der die Ergebnisse an einem größeren Kollektiv überprüft werden, und eine Verifizierungsphase, in der die gewonnenen Erkenntnisse an einem Kollektiv eines anderen Klinikums bestätigt werden sollen. In einer statistischen Auswertung wollen die Forscher ihre Ergebnisse schließlich auf Vorhersagekraft prüfen und arbeiten diese gegebenenfalls in bereits bestehende Vorhersagemodelle ein.

Weitere Informationen:
stiftung-urologie.de

 

 

Physiotherapie verkürzt die Zeit der Inkontinenz nach Prostata-OP

22.02.2012

In einem systematischen Review analysierten Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln 25 randomisierte, kontrollierte klinische Studien mit insgesamt über 2.500 Prostatakarzinompatienten zu Wirksamkeit von Physiotherapietraining auf das Kontinenzverhalten nach radikaler Prostat-ektomie. Demnach belegen die Studien, dass ein gezieltes Schließmuskel- und Beckenbodentraining das Risiko und die Dauer einer Inkontinenz post-OP signifikant senkt.

Patienten mit regelmäßigem Training konnten die Parameter Inkontinenz, Fatigue, Muskelkraft, Lebensqualität und Fitness signifikant gegenüber Patienten ohne Training verbessern. Dabei gilt, je früher ein Patient mit den Übungen beginnt, desto besser verläuft die Regeneration. Daher sollte bereits schon 2 Tage nach Entfernung des Katheters mit dem Training begonnen werden. Das angestrebte Therapieziel Kontinenz wird nach der vorliegenden Studienlage allerdings oft erst nach etwa 6 Monaten regelmäßigen Trainings erreicht.

Die Autoren unterstreichen den therapeutischen Vorteil professionell angeleiteter Physiotherapie gegenüber selbständig durchgeführten Übungen. Zur Wirksamkeit weiterer Therapiemethoden, wie Biofeedback oder Elektrostimulation, konnten die Wissenschaftler noch keine Angaben machen. Auch bezüglich der Übungsauswahl im Hinblick auf die Effektivität seien weitere Untersuchungen nötig.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21989678

 

 

Hormonausscheidung als mögliche Alternative zu Hormonablation?

16.02.2012

Bei einem neuen therapeutischen Ansatz bei Prostata- und Mammakarzinom könnten Enzyme, die für den Abbau lipophiler Zellinhaltsstoffe zuständig sind, eine entscheidende Rolle spielen. Die UDP-Glykosyltransferasen sind in der Lage, fettlösliche Substanzen zu hydrophilisieren und dadurch ausscheidbar zu machen. Diese Eigenschaft wollen Forscher der Flinders University in Adelaide nun für die Steroidhormone Testosteron und Östrogen ausnutzen.

In ihrer Studie möchten die Forscher Möglichkeiten untersuchen, wie die endogene Expression von insgesamt fünf UGT-Enzymen in den Tumorzellen selbst gesteigert werden kann. Durch eine Konzentrationserhöhung der Enzyme soll eine dauerhafte Absenkung der Konzentration der Steroidhormone und dadurch eine Unterdrückung des Hormon-bedingten Wachstums von Prostata- bzw. Mammakarzinomzellen erzielt werden.

Weitere Informationen:
http://www.flinders.edu.au/medicine/sites/clinical-pharmacology/research-home/drug-and-xenobiotic-metabolism.cfm

 

 

Fasten erhöht die Wirksamkeit von Chemotherapeutika

09.02.2012

Wissenschaftler der University of Southern California in Los Angeles untersuchten die Auswirkungen von Nahrungsentzugsstress auf die Sensibilität von Tumorzellen gegenüber Chemotherapeutika. Dabei wurden an verschiedenen Krebsformen erkrankte Mäuse sowie deren Zellen untersucht und dabei analysiert, wie sie auf kurze, intensive Fastenperioden und dabei verabreichte Chemotherapeutika reagieren. Es zeigte sich, dass Medikamente besonders gut wirken, wenn die Zellen ausgehungert sind. So konnte die Chemotherapie beispielsweise Neuroblastome bei den Mäusen deutlich häufiger und langfristiger eindämmen, wenn die Mäuse vor und nach der Behandlung keine Nahrung zu sich nehmen durften.

Normale Zellen regulieren bei Nährstoffmangel verschiedene Zellprozesse herunter, die etwa für Wachstum und Teilungsvorgänge notwendig sind. Diese stressbedingte Reaktion fällt bei Tumorzellen genau gegensätzlich aus: Diese reagieren in Mangelsituationen sogar mit stärkerem Wachstum und erhöhter Genreplikation. Damit verbrauchen diese Zellen die Energiereserven umso schneller und sind zudem besonders anfällig gegenüber Chemotherapeutika, die oxidativen Stress verstärken und irreparable DNA-Schäden verursachen. Der synergistische Effekt von Nährstoffmangel und Chemotherapeutikum verzwanzigfachte entschprechend auch die Wirkung auf Tumorzellen in den beschriebenen Zellkulturversuchen.

Ob eine Übertragung der Erkenntnisse aus den Mausversuchen auch auf den Menschen möglich ist, müssen zukünftig erst kontrollierte klinische Studien zeigen.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22323820

 

 

IQWiG beurteilt Zusatznutzen von Cabazitaxel und Abirateron

21.01.2012

Cabazitaxel (Handelsname Jevtana®) ist seit März 2011, Abirateron (Handelsname Zytiga®) seit September 2011 für Männer mit metastasiertem Prostatakarzinom zugelassen, bei denen eine Hormontherapie nicht mehr wirkt und der Krebs während oder nach der Therapie mit Docetaxel weiter fortschreitet. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in zwei frühen Nutzenbewertungen gemäß AMNOG überprüft, ob Cabazitaxel, bzw. Abirateron gegenüber der bisherigen Standardtherapie einen jeweiligen Zusatznutzen bieten.

Bei der Behandlung von Patienten, für die eine weitere Therapie mit Docetaxel nicht infrage kommt, stellt das IQWiG im Falle von Abirateron einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen fest. Das Überleben wird verlängert und Krankheitsfolgen, wie z.B. Knochenbrüche infolge von Metastasen, werden hinausgezögert. In der Behandlung mit Cabazitaxel profitieren vor allem Patienten, die 65 Jahre oder älter sind durch Verbesserung der Überlebenschancen. Allerdings treten z.T. schwere Nebenwirkungen auf. Das IQWiG sieht dennoch insgesamt einen beträchtlichen Zusatznutzen. Bei Patienten, die noch mit Docetaxel behandelt werden können, ist weder für Abirateron noch für Cabazitaxel ein Zusatznutzen belegt.

Für beide Therapeutika stellt das Vorgehen zur Ableitung einer Gesamtaussage zum Zusatznutzen einen Vorschlag des IQWiG dar. Über den Zusatznutzen beschließt der G-BA.

Weitere Informationen:
https://www.iqwig.de/projekte-ergebnisse.915.html

 

 

IQWiG betont Bedeutung von Studienregistern

19.01.2012

Es gibt verschiedene Formate, in denen Ergebnisse klinischer Studien berichtet und dokumentiert werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) berichtet nun über die Qualität und Aussagefähigkeit publizierter Studiendaten in Abhängigkeit vom Publikationsorgan.

Untersucht wurden Publikationen in Fachzeitschriften, in Studienregistern und in Studienberichten, die bei Zulassungs-behörden eingereicht werden. Das IQWiG hat für diese Erhebung die Nutzenbewertungen von Arzneimitteln herangezogen, die zwischen 2006 und 2011 erarbeitet wurden.

Den höchsten Informationsgehalt haben demnach Studienberichte, die zum Zweck der Zulassung von den Herstellern erstellt und bei den Behörden eingereicht werden. Diese Berichte sind allerdings in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Weniger gut schneiden Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Ergebnisberichte in Studienregistern ab. Diese Formate weisen dabei unterschiedliche Stärken und Schwächen auf: Artikel in Fachjournalen enthalten häufiger vollständigere Informationen über die Methodik, also etwa über die Zuteilung der Teilnehmer zu den Vergleichsgruppen oder zur statistischen Auswertung der Daten. Berichte aus Studienregistern berichten dagegen detaillierter über die Outcomes.

Die IQWiG-Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich Ergebnisberichte aus Studienregistern und Artikel in Fachjournalen optimal ergänzen können. Die Kombination der beiden Formate könnte auch einen gewissen Ausgleich dafür schaffen, dass detaillierte Studienberichte häufig nur Behörden zugänglich sind. Auf jeden Fall sollten Wissenschaftler für die Erstellung systematischer Übersichtsarbeit immer auch auf die Daten in Studienregistern zugreifen. Das setzt allerdings die Verfügbarkeit von Registerdaten voraus, die allerdings nicht immer gegeben sei. Bei den herangezogenen Nutzenbewertungen lagen Ergebnisberichte aus Studienregistern nur für ein Drittel der untersuchten Studien vor.

Schließlich verweist der IQWiG-Artikel auch noch auf ein weiteres schwerwiegendes Problem: Die selektive Publikation von Studienergebnissen. Dabei werden "negative" Ergebnisse oft nicht veröffentlicht, was insgesamt zu einer verzerrten Darstellung, dem sog. publication bias, von klinischen Daten führt.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22214759

 

 

Spermien aus Stammzellen

05.01.2012

Einem deutsch-israelischen Wissen-schaftlerkonsortium ist es gelungen, in vitro Spermien aus Stammzellen von Mäusehoden zu gewinnen. Forscher des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev in Be'er Scheva arbeiten bereits seit rund zehn Jahren in mehreren Arbeitsgruppen zusammen. Gefördert wurde die vorliegende Arbeit von der deutsch-israelischen Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung.

Die Forscher isolierten Stammzellen aus den Hoden junger, noch unfruchtbarer Mäuse und kultivierten diese in einem dreidimensionalen Zellkulturmodell mit Agar-Agar als Struktur-gebendes Medium. Das Gewebe rekonstruierte sich so, dass die Umgebungsbedingungen denen im Hoden sehr nahe kamen. Bis sich Spermien gebildet hatten, dauerte es etwa 30 Tage. Das entspricht der Zeit, die auch im Mäuseorganismus benötigt wird. Ob die Spermien den natürlich gebildeten Spermien entsprechen, ist allerdings noch nicht untersucht, da bislang noch keine Fertilisationsexperimente mit den generierten Keimzellen durchgeführt wurden.

Sollte sich das Verfahren bewähren, stünde als nächstes die Übertragung auf den Menschen an. Mit der Methodik könnte in Zukunft eigentlich unfruchtbaren Männern zu Spermien für eine künstliche Befruchtung verholfen werden.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22057383

 

 

Peniskarzinomregister der DGU

21.12.2011

Am Peniskarzinom erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 600 Männer. Bei dieser selten auftretenden Tumorentität mangelt es an standardisierten Behandlungsschemata und Studienkonzepten für neue Therapien. Oft wird heute der Peniskrebs erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert. so dass dann Teilamputation oder Amputation des erkrankten Organs drohen.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. möchte mit der Etablierung eines bundesweiten Peniskarzinomregisters mehr klinische Forschung initiieren und neue Therapiefortschritte generieren. In einem Internetforum können sich sowohl Therapeuten als auch Betroffene informieren und austauschen. Das Register unter der Leitung von Prof. Hakenberg wurde vor zwei Jahren von der Urologischen Klinik und Poliklinik der Medizinischen Universitätsklinik Rostock in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft eingerichtet. Ziel ist es, anhand aller relevanter Daten über Diagnostik, Therapie und Krankheitsverläufe von möglichst vielen Patienten Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten der unterschiedlichen Behandlungsstrategien zu ziehen und neue Therapien für das Peniskarzinom zu entwickeln.

Weitere Informationen:
http://www.urologie.uni-rostock.de/peniskarzinom
www.urologie.uni-rostock.de/peniskarzinom/peniskarzinom.htm

 

 

Ärzte brauchen mehr Zeit für die Forschung

21.12.2011

Die zunehmende Komplexität neuer therapeutischer Methoden und technischer Möglichkeiten stellt insbesondere Mediziner vor neue Anforderungen. Hinzu kommt das limitierte Zeitkontingent der Ärzte, die sich neben der Versorgung von Patienten auch um die Ausbildung von Studierenden kümmern.

Betroffene Mediziner und Grundlagenforscher der Berliner Charité-Universitätsmedizin setzen sich in einem aktuell erschienen Artikel kritisch mit der Spaltung zwischen medizinisch forschenden Wissenschaftlern und praktizierenden Ärzten auseinander und beleuchten verschiedene Förderprogramme an vier Universitäten rund um den Globus, die mögliche Lösungsansätze des Problems bieten.

Eine von der DFG geförderte Graduiertenschule an der Charité in Berlin bietet ein spezielles Ausbildungsprogramm für Mediziner an, bei dem diese einerseits die nötige Zeit und andererseits die finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung für ihre medizinisch relevanten Forschungsvorhaben erhalten. In speziellen Kursen lernen Ärzte auch die Herausforderungen und Möglichkeiten anderer Disziplinen kennen und verstehen. Ingenieure, Biologen und Physiker müssen die Probleme von Ärzten verstehen. Umgekehrt sollten Mediziner die heutigen biologischen und technischen Analyseoptionen kennen. Nur so können gemeinsame Projekte entstehen und umgesetzt werden.

Neben der Inititative an der Charité stellen die Autoren auch erfolgreiche Programme zur Ausbildung forschungsinteressierter Mediziner an der amerikanischen Stanford University, der britischen Oxford University und der australischen Monash University vor. Diese werden in dem Artikel vergleichend gegenübergestellt und diskutiert.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22158370

 

 

Viagra gegen Herzinsuffizienz

19.12.2011

Wissenschaftler aus Bochum und Rochester berichten über eine Studie an Hunden mit diastolischer Herzinsuffizienz (DHI), bei denen sich die Herzkammer nicht ausreichend mit Blut füllt. Die Forscher konnten zeigen, dass Sildenafil die versteiften Herzwände wieder elastisch machte.

Sildenafil hemmt die Phosphodiesterase 5A, was zu einem erhöhten cGMP-Spiegel führt. cGMP aktiviert die Proteinkinase-G, wodurch bestimmte Proteine phosphoryliert werden. Im Corpus cavernosum bewirken diese eine Erschlaffung der glatten Gefäßmuskulatur, wodurch der Gefäßdurchmesser vergrößert wird, mehr Blut fließen kann und letztlich die Erektion zustande kommt. Die Bochumer und Rochester Forscher stellten nun in ihren Untersuchungen fest, dass auch das Herzmuskelprotein Titin über diesen Mechanismus phosphoryliert wird. Titin dient in den Sarkormeren des Herzmuskels der Stabilisierung von Myosinfilamenten und trägt zur strukturellen Steifigkeit der Herzwände bei. Die Aktivität der Proteinkinase-G lässt das Titin erschlaffen, wodurch die Herzwände bei DHI wieder dehnbarer werden. Der Effekt tritt bereits innerhalb von Minuten nach Einnahme von Viagra auf.

Etwa die Hälfte aller Herzinssuffizienzpatienten über 60 Jahre leiden an einer DHI. Gegen die ursächliche Versteifung der Herzmuskelwände gab es bislang kein geeignetes Medikament. Zur Zeit wird in der klinischen Studie RELAX des „Heart Failure Network“ die Wirksamkeit von Sildenafil bei DHI beim Menschen getestet.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22144574

 

 

Neuer Therapieansatz bei Membranoproliferativer Glomerulonephritis

15.12.2011

Wissenschaftlern um den Jenaer Infektionsbiologen Peter Zipfel ist es erstmals gelungen, eine erfolgreiche Therapie für die bisher als unheilbar eingestufte membranoproliferative Glomerulonephritis zu entwickeln und anzuwenden. Zusammen mit Kollegen in Berlin, Heidelberg, Münster und Shanghai setzte das Team  vor einer Nierentransplantation zunächst eine Immuntherapie ein.

Membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN) ist eine schwerwiegende Nierenerkrankung, die häufig zu Nierenversagen führt und eine langwierige Dialyse erfordert. Sie kann durch genetische Defekte oder z.B auch durch dauerhafte Entzündungsreaktionen ausgelöst werden. In den meisten Fällen jedoch bleibt die Ursache der Krankheit unbekannt. Bislang konnte MPGN nicht behandelt werden, und selbst nach einer Nierentransplantation waren die Heilungschancen für die Patienten gering. Auf der Suche nach den Ursachen der Krankheit analysierten die Wissenschaftler in Jena Blutproben von MPGN-Patienten. Dabei fanden sie eine Kombination von zwei bisher unbekannten Antikörpern, die sich beide gegen das eigene Immunsystem richten. Diese Autoantikörper führen zu einer dauerhaften Aktivierung des Komplementsystems. Normalerweise bildet dieses als Bestandteil des unspezi-fischen Immunsystems einen ersten Schutz vor Infektionen. Die nun gefundenen Autoantikörper sorgen jedoch dafür, dass das Komplementsystem dauerhaft aktiv ist und dadurch die Nieren schädigt.

Zusammen mit Ärzten der Berliner Charité setzten die Forscher die gewonnenen Erkenntnisse in eine neuartige Therapie um. Bei einer achtjährigen MPGN-Patientin wurden die Autoantikörper durch den Austausch des Blutplasmas eliminiert und gleichzeitig deren Neubildung medikamentös unterdrückt. Diese Behandlung führte zu einem deutlichen Rückgang der Autoantikörper und drosselte dadurch die Aktivität des Komplementsystems. Somit war es dann möglich, der Patientin erfolgreich eine gesunde Niere zu transplantieren. Auch zwei Jahre nach der Transplantation ist die Patientin gesund und ihr Zustand ist stabil.

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Infektionsbiologen und Medizinern konnten grundlagenwissenschaftlich gewonnne Erkenntisse erfolgreich in die klinische Anwendung transferiert werden. Dank des neuen Verfahrens können in Zukunft weitere, meist jugendliche MPGN-Patienten vor einer lebenslangen Dialyse bewahrt werden.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22168663

 

 

Moderne interventionelle 3D-Bildgebung im Urogenitaltrakt

23.11.2011

Urologen der Universitätsmedizin Mannheim setzen eine neue 3D-Bildgebung für minimal-insvasive Eingriffe bei der Behandlung von Harnsteinen ein. Andere denkbare Einsatzfelder des neuen Verfahrens sind z.B. Nierenbiopsien und die Behandlung von Abszessen im Bereich des Harntraktes.
Die interventionelle Bildgebung kombiniert zwei medizintechnologische Verfahren: Zum einen liefert ein auf die Bedürfnisse der Urologie angepasster radiologischer C-Bogen von Siemens Bilder aus dem Körperinnern. Eine Computersoftware (Syngo DynaCT) errechnet zum anderen aus diesen Bildern 3D-Darstellungen.

Weitere Informationen:
http://www.umm.de/73.0.html?&cHash=213575a256&tx_ttnews

 

 

Nachlese zum 3. Symposium urologische Forschung der DGU

21.11.2011

Vom 17. bis 19. November 2011 veranstaltete die Arbeitsgruppe urologische Forschung - zum ersten Mal in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Uropathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie - das 3. Symposium urolo-gische Forschung der DGU in Jena unter dem Schwerpunktthema "Hochdurchsatzanalysen für die Urologie. Größer - schneller: besser?"

Die Hochdurchsatzverfahren verändern derzeit dramatisch viele Bereiche der biologischen und medizinischen Forschung. Eingeladene Referenten mit verschiedenen wissenschaftlichen Expertisen konnten hier einerseits die technischen Möglichkeiten und Grenzen dieser modernen molekularen Analyseverfahren vorstellen. Andererseits wurde auch kritisch der Stellenwert dieser Techniken für die urologische Forschung aufgezeigt und diskutiert, ob und in welcher Form die einzelnen Arbeitsgruppen sie selbst einsetzen können und welche Voraussetzungen aus klinischer Sicht sowie bezüglich der Gewebe- und Datenbanken erfüllt sein müssen. Neben molekularen Verfahren und Studien zu den sog. "Omics" fanden auf dieser Veranstaltung auch klinische Beiträge adäquate Berücksichtigung.

Nach 2009 in München und 2010 in Mainz konnten die AuF und die lokale Symposiumsleitung unter PD Dr. med. Kerstin Junker und Prof. Dr. rer. nat. Helge Taubert in diesem Jahr in Jena einen weiteren Zuwachs an Teilnehmern registrieren: 119 Teilnehmer hörten und diskutierten insgesamt 54 wissenschaftliche Präsentationen in Form von Vorträgen und Postern sowie 21 Übersichtsvorträge renommierter, z.T. internationaler Wissenschaftler unter-schiedlicher Disziplinen.

Auch auf dem 3. AuF-Symposium wurden wissenschaftliche Preise an hervorragende Präsentationen von Medizinern und Naturwissenschaftlern vergeben. Mit je 500 EURO wurden die folgenden Referenten ausgezeichnet:

  • Dr. med. Matthias Heck, Urologische Klinik und Poliklinik München (TU)
  • Rudolf Ascherl & Dr. rer. nat. Kerstin Boll, RNomics Group, Fraunhofer Institut Zelltherapie und Immunologie Leipzig
  • Dipl.-Biol. Elke Nolte, Urologische Klink Erlangen
  • Dipl.-Biol. Elke Schneider, Urologische Klinik und Poliklinik Mainz

Alle Abstracts der wissenschaftlichen Beiträge erscheinen in der Januar-Ausgabe 2012 der Zeitschrift "Der Urologe": http://www.springerlink.com/content/6j365x2854l2ng36/fulltext.pdf. Darüber hinaus sind die Abstacts über das Programmheft des 3. Symposiums online unter der Adresse http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/Programmheft_3.AuF-Symposium2011-web.pdf abrufbar.

Das 4. Symposium urologische Forschung der DGU findet vom 08. bis 10. November 2012 unter dem Thema „Individualisierte Medizin – Möglich, sinnvoll, machbar?“ in Berlin statt. Über alle wichtigen Informationen und Termine zu dieser Veranstaltung werden wir Sie rechtzeitig informieren.

Weitere Informationen:
http://www.dgu-forschung.de/symposium.html

 

 

 

Studien zu MRT-gesteuerter Prostatabiopsie

08.11.2011

Die Abteilungen Urologie und Radiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf untersuchen in zwei wissenschaftlichen Studien die Aussagefähigkeit verschiedener Prostatabiopsieverfahren. Im Fokus der beiden Studien steht ein MRT-gestütztes Verfahren, das eine weit größere Zielgenauigkeit der Biopsien verspricht als im aktuellen Standardverfahren.

In den letzten Jahren mehren sich Hinweise auf einen Benefit der Multiparameter-MRT in der zuverlässigen Diagnostik aggressiver Prostatatumoren. Weltweit besteht nur an wenigen Kliniken die technische Möglichkeit, direkt im MRT zu biopsieren.

Ziel des ersten Studienprojektes ist der Vergleich der Biopsieverfahren mit Ultraschall und mit MRT. Diese Studie wird durch die Charlotte und Alfred Pierburg-Stiftung finanziert. Das zweite Studienprojekt untersucht die Genauigkeit der MRT-gesteuerten Prostatabiopsie im Vergleich zu einer ultraschall-unterstützten Biopsie nach einer Zusammenführung der Bilder von Ultraschall- und MRT. Patienten mit erhöhtem PSA-Wert, aber negativer erster Ultraschallbiopsie, werden an dieser Studie teilnehmen. Diese Studie wird durch die Karlheinz-Wolfgang-Stiftung für Bildung und Gesundheit aus Düsseldorf finanziert.

Das MRT ist im Gegensatz zum Ultraschall in der Lage, Tumoren exakt zu lokalisieren. Der derzeitige Leitlinien-gemäße Ultraschall-Standard in der Prostatakarzinomdiagnostik ist mit vielen Nachteilen behaftet: Zum einen besteht die Gefahr der Überdiagnose von Tumoren, die keine Gefährdung darstellen, zum anderen verfehlt die Biopsienadel aufgrund der fehlenden Zielgenauigkeit manchmal Tumorgewebe. Folge sind wiederholte Biopsien, wenn der Marker „PSA-Wert“ erhöht bleibt. Im schlimmsten Fall bleibt ein Tumor unentdeckt.

Warum wird das möglicherweise überlegene Verfahren bislang nicht eingesetzt? Eine Untersuchung oder Therapie kann sich in der klinischen Praxis erst durchsetzen und Eingang in Behandlungsleitlinien finden, wenn es fundierte Studien gibt, die im direkten Vergleich eine Überlegenheit zum bisherigen Vorgehen zeigen. Diese Studien in aussagefähiger Größenordnung fehlen zurzeit. Die nun im Universitätsklinikum Düsseldorf geplanten wissenschaftlichen Untersuchungen werden das herkömmliche Verfahren, das MRT-gestützte Verfahren und ein Kombinationsverfahren miteinander vergleichen. An den beiden Studien sollen in einem Zeitraum von 2 Jahren insgesamt rund 680 Probanden teilnehmen.

Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de/home/en/about-hhu/further-links/pressebereich/pressemeldungen/news-detailansicht/article/zwei-studien-zur-ueberlegenheit-gezielter-mrt-biopsie.html

 

 

Alternativer Weg zur Telomer-Verlängerung in Tumorzellen

01.11.2011

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum berichten über einen zu Telomerase alternativen Weg einiger Krebszellen zur Verlängerung ihrer Chromosomenenden.

Bei gesunden ausdifferenzierten Körperzellen ist deren Teilungsaktivität dadurch begrenzt, dass ihre als Telomere bezeichneten Enden ihrer Chromosomen bei jeder Zellteilung sukzessive kürzer werden und nach einer bestimmten Zahl von Teilungen eine Verdopplung der Chromosomen nicht mehr erlauben (Definition der zellulären Mortalität). Krebszellen setzen sich darüber hinweg, indem sie das während der Embryonalentwicklung in Stammzellen aktive Enzym Telomerase reaktivieren. Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Krebsarten lässt sich jedoch gar keine aktive Telomerase nachweisen. Da sich diese Zellen trotzdem unaufhörlich teilen, müssen sie einen alternativen Weg zur Verlängerung ihrer Chromosomen nutzen.

Zusammen mit Münchener Kollegen konnten die DKFZ-Forscher nun klären, wie ein als APB bezeichneter Protein-komplex die abgenutzten Chromosomen in den Telemorase-negativen Tumorzellen verlängert, bzw. "verlängern lässt": Der APB-Komplex lockt DNA-Reparaturproteine an, die normalerweise kleine Mutationen der Zelle beseitigen. Diese bauen dann die verkürzten Enden der Chromosomen wieder auf.

Da der APB-Mechanismus in normalen Körperzellen nicht vorkommt, ergeben die vorliegenden Daten neue Ansätze für spezifische Tumortherapien.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22045732

 

 

Neue modulare Struktur von DFG-Förderprogrammen

16.10.2011

Seit Mitte Oktober 2011 bietet die DFG mit ihrem überarbeiteten Merkblattportfolio einheitliche Möglichkeiten, Förderung für ihre Projekte passgenau zu beantragen, sich umfassend online anhand von neu strukturierten Formularen und Merkblättern zu informieren und zunächst in der Sachbeihilfe den Antrag elektronisch zu stellen.

Was bleibt, sind die Programme der DFG, die mit unterschiedlichen Programmzielen und Ausrichtungen den Rahmen für einen Antrag bilden. Was neu ist, sind Module, die den Programmen wie Bausteine zugeordnet sind. Wer sich also für ein Programm entschieden hat, kann die verfügbaren Module ganz nach Bedarf zusammenstellen. Ein Modul unterliegt dabei immer den gleichen Randbedingungen, egal ob es in einer Forschergruppe oder für eine Sachbeihilfe beantragt wird.
Für folgende DFG-Programme wurde die Modularisierung bereits eingeführt:

  • Sachbeihilfe,
  • Heisenberg-Programm,
  • Emmy Noether-Programm,
  • Forschergruppen,
  • Schwerpunktprogramme.

Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs folgen in einem zweiten Schritt.

Die entsprechenden Programmbeschreibungen, Merkblätter und Formulare stehen in übersichtlicher, einheitlicher und nutzerfreundlicher Form auf der Webseite www.dfg.de in der Rubrik Förderung unter „Förderung auf einen Blick“ bereit. Dort navigiert die Seite zunächst zu den Programmen, um dann die einzelnen, möglichen Module unter „Formulare und Merkblätter“ aufzuzeigen.

Die Antragstellung erfolgt nun seit Mitte Oktober anhand dieser neuen Struktur. Die entsprechenden Merkblätter und Formulare sind dann für die Sachbeihilfe auch in elan, dem System zur elektronischen Antragstellung der DFG, verankert. Wissenschaftlern, die gerade an einem Antrag arbeiten, steht zu Informationszwecken noch bis zum 31. Dezember 2011 das Merkblatt 1.02 zur Verfügung. Anträge in Papierform nach dem alten Muster nimmt die DFG-Geschäftsstelle nur noch bis zum 01. Februar 2012 entgegen.

Grundlage für die neue Struktur ist die Entscheidung zur Modularisierung, die der DFG-Hauptausschuss im Dezember 2009 getroffen hat. Der Hintergrund: Die Förderoptionen der DFG übersichtlich darzustellen und historisch gewachsene Inkonsistenzen zu beseitigen. Eine übersichtliche Darstellung soll es Antragstellenden zukünftig besser ermöglichen das geeignete Förderprogramm sowie einen schnelleren Zugang zur optimalen Förderung durch die DFG zu finden.

Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/foerderung/antragstellung/programme_und_module/index.html

 

 

Analgetikum hemmt Prostatakrebs

15.10.2011

Wenn Prostatakrebszellen in die Knochen metastasieren, verschlechtern sich die Überlebenschancen der Patienten dramatisch. Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin und der Urologischen Klinik des Universitäts-klinikums Bonn berichten über einen Therapieansatz, mit dem sich die Lebenszeit um mehr als ein Jahr verlängern lässt. Das Präparat Re-188 HEDP wurde früher nur zur Schmerzbehandlung eingesetzt, hat aber nach den Erkenntnissen der Forscher auch eine Tumor-hemmende Wirkung.

In der konservativen Therapie werden Prostatakarzinom-Patienten mit Knochenmetastasen mit einer Kombination aus antihormoneller Therapie und Chemotherapie sowie mit einem Knochen-stärkenden Präparat behandelt. Wenn die konservativen Therapieformen nicht mehr greifen wird in der Schmerztherapie von Knochenmetastasen das hochenergetisch ß-Strahlen emittierende Rhenium-Präparat Re-188 HEDP eingesetzt.

In der aktuellen Studie behandelten die Ärzte 60 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom und Knochenmetas-tasen. Etwa ein Drittel erhielt eine Re-188 HEDP-Injektion innerhalb von zwei Monaten und eine zweite Gruppe zwei Behandlungen. Eine dritte Gruppe bekam sogar drei bis acht Verabreichungen im Abstand von zwei Monaten. Die Überlebenszeit der Patienten konnte bei einer Therapie um etwa 4 Monate gesteigert werden, bei zwei um rund 10 Monate und bei drei und mehr Therapien sogar um bis zu 15 Monate.

Die Wirkung des radioaktiven Rhenium-präparates Re-188 HEDP beruht darauf, dass es sich im stoffwechselaktiven Randbereich des normalen Knochens um die Metastase herum anreichert. Es erfolgt dadurch eine innere Bestrahlung aus unmittelbarer Nachbarschaft der Metastase. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Laufe mehrerer Behandlungen zwiebelschalenartig jeweils die oberste Schicht der Metastase inaktiviert wird. Insbesondere Patienten mit erhöhtem Knochenstoffwechsel sind den Wissenschaftlern zufolge für eine Rheniumtherapie geeignet. Sie wollen nun anschließend überprüfen, ob die Rheniumtherapie eventuell in Kombination mit anderen Präparaten bereits standardmäßig auch schon früher eingesetzt werden kann, um die Lebensspanne der Patienten noch weiter zu verlängern.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21976530

 

 

Sildenafil verbessert Immunreaktion gegen Tumoren

13.10.2011

Viele Tumoren rufen chronische Entzündungen hervor, die wiederum die gezielten Angriffe des Immunsystems gegen den Krebs unterdrücken. Wissenschaftler im Deutschen Krebs-forschungszentrum und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zeigten nun an melanom-kranken Mäusen, dass der Wirkstoff Sildenafil (Viagra®) die Hemmung der spezifischen Immunabwehr aufhebt. Krebs erkrankte Mäuse, die mit dem Medikament behandelt wurden, überlebten mehr als doppelt so lange wie unbehandelte Artgenossen.

Das körpereigene Immunsystem tritt bei fast jeder Krebserkrankung in Aktion: Auf der einen Seite greifen die Immunzellen die Tumorzellen gezielt an, auf der anderen Seite ruft fast jeder Krebsherd in seiner Umgebung eine chronische entzündliche Immunreaktion hervor, die die gezielte krebsspezifische Immunab-wehr unterdrückt.

Das Forschungsteam aus Heidelberg und Mannheim untersuchte in der vorliegenden Studie die chronische Entzündung im Zusammenhang mit schwarzem Hautkrebs. Dazu arbeiteten sie mit Mäusen, die aufgrund einer genetischen Veränderung spontan Melanome entwickelten, die denen des Menschen sehr ähnlich sind. In der Umgebung der Tumoren sowie in den von Metastasen befallenen Lymphknoten der Tiere wiesen die Forscher entzündliche Botenstoffe wie Interleukin-1ß oder Interferon-γ nach. Die Immunbotenstoffe lockten dadurch sog. mds-Zellen (myeloid derived suppressor cells) an, welche die T-Zellen, die die wichtigsten krebs-spezifischen Akteure des Immunsystems darstellen, unterdrücken.
Was genau geschieht, wenn T-Zellen unter den Einfluss der mds-Zellen geraten? Brachten die Wissenschaftler mds-Zellen in der Kulturschale mit T-Zellen aus der Milz einer gesunden Maus in Kontakt, so stellten diese ihr Wachstum ein. Außerdem drosselten die T-Zellen die Menge eines wichtigen Aktivierungsmoleküls. Beides Hinweise darauf, dass die krebsspezifischen T-Zellen tatsächlich aktiv von den mds-Zellen unterdrückt wurden.

Im Tierexperiment erhielten die Melanom-Mäuse den Wirkstoff Sildenafil. Sildenafil hatte in anderen Tiermodellen bereits mehrfach die Immunabwehr gegen Tumoren verbessern können. Von den Mäusen, die den Wirkstoff mit dem Trinkwasser erhielten, lebten nach rund sieben Wochen mehr als doppelt so viele wie von ihren untherapierten Artgenossen. In den behandelten Tieren hatte sich tatsächlich sowohl die Anzahl der krebsspezifischen T-Zellen als auch die Menge der Aktivierungsmoleküle wieder normalisiert – Sildenafil neutralisiert also erfolgreich die chronische Entzündung in der Umgebung des Melanoms und bekämpft die immunsupprimierende Wirkung der mds-Zellen.

Die Forscher postulieren die Möglichkeit, dass Sildenafil auch bei melanomkranken Menschen die immunsupprimierenden Effekte der Entzündung unterdrücken und so die Immunabwehr gegen den Krebs verbessern kann. Dieser Effekt könnte auch bei anderen Tumorarten von therapeutischem Interesse sein und möglicherweise bestehende Immun-therapiestrategien optimieren helfen.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21969559

 

 

Genetische Grundlagen männlicher Testosteronspiegel

07.10.2011

Zwischen Männern gleichen Alters lassen sich oft erhebliche Unterschiede im Testosteronspiegel beobachten. Für diese Unterschiede gab es bisher keine schlüssige Erklärung.

Durch die Auswertung gesammelter Daten von über 14.000 Männern konnte ein internatinales Wissenschaftlerkonsortium bisher nicht bekannte genetische Faktoren identifizieren, die einen Einfluss auf die Regulation männlicher Testosteronspiegel haben. Die entdeckten Gen-Polyphormismen mit Auswirkungen auf die Hormonkonzentration im Blut könnten auch von Interesse bei der Beurteilung und Prognose von Prostatakarzinomerkrankungen haben.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21998597

 

 

Neuer Therapieansatz für rasch progressive Glomerulonephritis

25.09.2011

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald sind gemeinsam mit einer Forschergruppe aus Paris der Heilung einer der rasch progressiven Glomerulonephritis (RPGN) einen bedeutenden Schritt näher gekommen.

Mit Zellkulturexperimenten in Greifswald und Tierexperimenten in Paris konnten die Forscher zeigen, dass die Podozyten muriner Glomeruli bei der rasch progressiven Glomerulonephritis (RPGN) durch HB-EGF über den EGF-Rezeptor zu unkontrolliertem Wandern anregt werden. Dabei aktivieren die Podozyten einen benachbarten Zelltyp, mit dem sie gemeinsam eine typische halbmondförmige Zellwucherung verursachen. Wurde der EGF-Rezeptor in den Podozyten ausgeschaltet oder beispielweise mit der Substanz Erlotinib gehemmt, konnte die abnorme Zellwucherung eingedämmt und damit der Verlust der Nierenfunktion verhindert werden.

In beantragten EU-Projekten will das Forscherteam aus Paris und Greifswald zusammen mit Kollegen aus Zürich und Aachen die Ergebnisse möglichst bald in die Klinik übertragen.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21946538

 

 

Unterdrückung regulatorischer T-Zellen als Therapiestrategie gegen Krebs

23.09.2011

Krebszellen tarnen sich vor Angriffen des körpereigenen Immunsystem. Dazu umgeben sie sich mit speziellen Immunzellen, den regulatorischen T-Zellen, deren eigentliche Aufgabe es eigentlich ist, die Aktivitäten des Immunsystems zu stabilisieren. Die früher auch unter dem Begriff T-Suppressorzellen geführten regulatorischen T-Zellen unterdrücken Abwehrreaktionen und "beruhigen" scharf geschaltete T-Effektorzellen. Dadurch unterbinden sie u.a. auch fehlgeleitete Immunreaktionen, wie dies z.B. bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist. Eine Arbeitsgruppe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig hat nun eine Methode entwickelt, mit der sich gezielt die fehlgeleiteten regulatorischen T-Zellen ausschalten lassen, ohne andere wichtige Immunzellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Forscher haben damit einen Weg eröffnet, wie der Tumor für die körpereigene Abwehr wieder angreifbar wird.

Die Strategie der Forscher war es, gezielt die regulatorischen T-Zellen im Tumor auszuschalten, ohne andere T-Zellen zu beeinflussen. Im Tierexperiment haben sie dazu transgene Mäuse erzeugt, deren regulatorische T-Zellen einen bestimmten Rezeptor exprimierten, der sie anfällig für ein bestimmten Giftstoff machte. Injiziert man den Mäusen dann dieses Toxin, dockt es an den Rezeptor an und die regulatorischen T-Zellen sterben ab. So wird der Tumor enttarnt und ist für die körpereigene Abwehr angreifbar. Im Experiment konnten allein über dieses Verfahren Tumoren deutlich zurückgebildet werden. Eine zusätzliche Impfung der Mäuse mit Bestandteilen der Melanomzellen steigerte die Reaktion des Immunsystems und damit den Abbau des Tumors nochmals.

Die Ergebnisse im Mausmodell deuten darauf hin, dass Strategien zur gezielten Ausschaltung von regulatorischen T-Zellen erfolgreiche Therapieansätze beim Kampf gegen Krebs darstellen.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20924102

 

 

Multispektrale Fluoreszenz-Kamera-System macht Krebszellen während der OP sichtbar

19.09.2011

Mit Laserlaserlicht und drei Kameras machen Wissenschaftler von TU München, Helmholtz Zentrum München und Universität Groningen auch kleine Krebszellherde sichtbar, die ein Chirurg bei einer Operation leicht übersehen kann. Die Technologie wurde erstmals an neun Patientinnen getestet, die an Eierstockkrebs erkrankt waren. Zukünftig soll die Technologie auch minimalinvasiv anwendbar sein und weitere Krebsarten detektieren können.

Vor der OP wurde den Patientinnen Fluoreszenz-markierte Folsäure appliziert, die an spezifisch auf Tumorzellen im Eierstock exprimierten Folsäure-Rezeptoren andockt und darüber von den Zellen internalisiert wird. Während der OP können die Zellen dann spezifisch mit Laserlicht einer definierten Wellenlänge zur grünen Fluoreszenz angeregt und von gesunden Zellen unterschieden werden.

Vorraussetzung für die Übertragung dieses Verfahrens auf andere Tumorentitäten ist das dortige Vorhandensein Tumor-spezifischer Rezeptoren, über die man Fluoreszenz-markierte Moleküle andocken und in die Tumorzellen einschleusen kann.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21926976

 

 

Hinweise auf eine neue Kombinationstherapie bei Prostatakrebs

14.09.2011

Durch Kombination einer neuartigen molekularen Therapie mit der bereits seit Jahrzehnten etablierten Strahlentherapie wollen Pathologen und Strahlentherapeuten am Uniklinikum Dresden eine neue Behandlungsmethode für das Prostatakarzinom entwickeln.

Vorarbeiten des Dresdener Pathologen Dr. Michael Muders wiesen als molekularen Angriffspunkt auf einen an an der Oberfläche von Tumorzellen exprimierten Marker namens Neuropilin-2 hin, welcher die zellulären Schutzmechanismen gegenüber Stresssituationen entscheidend mit beeinflusst. In einem von der Wilhelm Sander Stiftung mit 150.000 EURO geförderten Projekt wollen die Forscher die Rolle von Neuropilin-2 und seinem Liganden VEGF-C während der Strahlentherapie genauer untersuchen. Dabei werden einerseits Gewebeproben von Patienten immunhistochemisch ausgewertet. Andererseits wird die Funktionalität von Neuropilin-2 unter Bestrahlung an Zellkulturmodellen analysiert, bei denen die Expression des Tumormarkers experimentell hoch-, bzw. runterreguliert wurde. Schließlich werden die Untersuchungen auf ein Mausmodell übertragen, bei dem die Tiere verschiedene Prostatakarzinome mit unterschiedlich starker Neuropilin-2-Expression aufweisen.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21492075

 

 

Immunzytochemischer Urintest zum effektiven Screening agressiver Blasentumoren

13.09.2011

Urologen und Pathologen der Asklepios Klinik St. Georg haben einen neuen Test entwickelt, um insbesondere agressive Urothelkarzinome schnell und sicher zu erkennen.

Die Hamburger Forscher um die Urologen Tauber und Brunken und den Pathologen Vierbuchen übertrugen ein immunzytochemisches Screeningverfahren vom Gebärmutterhalskrebs auf das Harnblasenkarzinom. Dabei untersuchten sie mit Antikörper-Färbungen bei 82 Patienten die Spülflüssigkeiten nach Blasenspülungen auf das Vorhandensein des Tumorsuppressor-Gens p16INK4a, welches Einfluss auf die Regulation der Zellteilung ausübt. Es zeigte sich, dass durch p16INK4a-Nachweise vor allem sehr aggressive Formen des Blasenkrebses sicherer zu identifizieren waren als mit anderen Diagnoseverfahren. Neben der hohen Nachweissicherheit ist der Test zudem sehr kostengünstig, was ihn interessant für die Entwicklung eines automatisierten Screening-Verfahrens beim Harnblasenkarzinom macht.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21847682

 

 

MikroRNAs als mögliche Progrnostikatoren der Aggressivität von Prostatakarzinomen

13.09.2011

Ein erheblicher Anteil an Prostatakarzinomen muss wegen des langsamen Wachstums und des geringen Metastasierungspotenzials nicht behandelt werden. Der andere Teil erweist sich unter Umständen jedoch als sehr aggressiv und führt ohne Eingriff schnell zum Tod des Patienten. Die Abschätzung, wie sich der Tumor verhalten wird, ist derzeit schwierig. In einem Kooperationsprojekt sind Prof. Bernd Wullich an der Uniklinik Erlangen und Prof. Friedrich Grässer am Uniklinikum des Saarlandes auf der Suche nach Biomarkern, die eine frühzeitige Prognose des Wachstumsverhaltens der Tumoren ermöglichen. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert diese Untersuchungen in einer zweiten Projektphase mit noch einmal 200.000 EURO. Ziel ist die Identifizierung von individuellen Biomarkern, die das Wachstumsverhalten von Prostatakarzinomen voraussagen zu können.

Dabei stehen mikroRNAs (miRNAs) im Mittelpunkt der Forschung. MikroRNAs sind u.a. beteiligt an der Abwehr von Virusinfektionen und bei der Zelldifferenzierung. Darüber hinaus scheinen sie auch das Wachstum von Zellen zu beeinflussen. In manchen Fällen führt die gesteigerte Produktion bestimmter miRNAs zum Zellwachstum, bei anderen miRNAs kann derselbe Effekt durch deren Hemmung erzielt werden. Ungeklärt ist bislang auch, auf welche Abschnitte im Erbgut die miRNAs Einfluss nehmen.

Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen sind vielversprechend. In der erstzen Projektphase haben die Arbeitsgruppen um die Professoren Wullich und Grässer die in gesundem und mäßig bösartig verändertem Prostatagewebe vorkommenden mikroRNAs erfasst und beschrieben. Neben einigen schon bekannten miRNAs konnten neue, bislang nicht mit der Entstehung von Prostatakrebs in Verbindung gebrachte miRNAs sowie einige ihrer Zielstrukturen im Erbgut identifiziert werden. In der aktuellen zweiten Projektphase weiten die Forscher ihre Analysen auf sehr aggressive Tumore aus. Sie wollen herausfinden, inwieweit spezifische Muster bei der Produktion von miRNAsin den Krebszellen eine Vorhersage erlauben, ob die Krankheit harmlos oder aggressiv verläuft. Dazu setzten sie prostata-spezifische Biochips in das Tumorgewebe ein. Außerdem soll die Funktion der in den Tumoren veränderten Eiweiße näher untersucht werden.

Da miRNAs relativ leicht in Gewebe eingebracht oder durch geeignete Methoden stillgelegt werden können, eröffnen sich neben verbesserten Diagnoseverfahren potenziell auch neue Therapieansätze für Prostatakrebs.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21400514
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21593139

 

 

Erste Aktualisierung der S3-Prostatakarzinom-Leitlinie

12.09.2011

Zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung wurde die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ bereits überarbeitet. Aktualisierungen der Leitlinie wurden u.a bei den Themen Früherkennung, der Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms oder der Behandlung von Knochenmetastasen vorgenommen. Aber auch neue Themen wurden bearbeitet, darunter der Stellenwert der Protonentherapie, die Prävention von Kiefernekrosen bei Behandlung von Knochenmetastasen sowie bildgebende Verfahren.

Da bereits während der Aktualisierungsarbeiten weiterer Überarbeitungsbedarf identifiziert wurde, will die Leitliniengruppe das Projekt der „lebendigen Leitlinie“ kontinuierlich fortführen und beantragte beim onkologischen Leitlinienprogramm bereits Mittel für weitere modulare Aktualisierungen für die nächsten vier Jahre.

Die Erstellung sowie die laufende Aktualisierung der interdisziplinären S3-Prostatakarzinom-Leitlinie erfolgte unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Kooperation mit dem ÄZQ im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe e.V. (DKH). Dabei haben folgende beteiligte Organisationen mitgewirkt: der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V., die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), der Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDST), die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN), die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG), sowie der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS).

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http://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/S3_LL_PCAS3_PCa_Aktualisierung_2011_110912f.pdf

 

 

miRNA-Signaturen im Blut zur Früherkennung von Prostatakrebs

05.09.2011

In einem kooperativen Forschungsprojekt unter der Federführung von Humangenetikern der Universität Homburg/Saar wurden aus Patientenblut isolierte micro-RNAs hinsichtlich ihrer Eignung zur Diagnostik schwerer Krebserkrankungen untersucht.

Die Forscher haben dabei nicht nur einzelne miRNAs untersucht, sondern gleich ganze Gruppen, welche dann eine spezifische Signatur ergaben. Die untersuchten Tumoren von Prostata, Lunge und Magen-Darm-Trakt waren alleine aufgrund der miRNA-Signaturen sowohl gegenüber gesunden Kontrollgruppen als auch untereinander diagnostisch gut zu unterscheiden.

Darüber hinaus bergen miRNA-Signaturen die Möglichkeit, als prognostische Marker zu dienen, um bei einzelnen Patienten die Wirkung von Medikamenten besser vorhersagen zu können. Damit würden miRNA-Signaturen zur Entwicklung einer „personalisierten Medizin“ beitragen, deren Ziel es u.a. ist, anhand individueller genetischer Merkmale eine optimale Therapie für den einzelnen Patienten zu erreichen.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21892151

 

 

Radioaktive Antagonisten für Bildgebung und Bestrahlung von Tumoren

01.09.2011

Radioaktiv markierte Substanzen werden in der Tumortherapie zur Bildgebung und Radiotherapie eingesetzt. Bisher ging man davon aus, dass sog. agonistische Substanzen in die Tumorzelle eindringen und sich dort anreichern müssten, um eine gezielte Wirkung zu erreichen.

Ein internationales Forscherteam aus Freiburg, Bern und La Jolla/Kalifornien berichtet nun über einen neu entwickelten antagonistischen Wirkstoff, der sich an der Oberfläche von Tumorzellen akkumuliert, ohne in diese einzudringen. Dieses Verfahren könnte effektiver sein als das mit den bisher verwendeten Agonisten, da sich die Anreicherung der Antagonisten im Gesamttumor als wesentlich stärker erwies.

Laut beteiligter Wissenschaftler handelt es sich hier um einen regelrechten Paradigmenwechsel: Antagonisten galten bisher als ungeeignet für die Markierung und Zerstörung von Tumoren, weil sie an der Zelloberfläche bleiben und ihre Radioaktivität nicht ins Zellinnere abgeben. Tests an Patienten zeigten nun, dass ein speziell entwickelter Antagonist Tumore nicht nur besser abzubilden vermag als die gängigen Agonisten, sondern sich auch weniger im normalen Gewebe anreichert. Künftig könnte so mit einer einfachen Injektion Krebs bekämpft werden, ohne gesundes Gewebe zu stark zu beeinträchtigen.

Zwar wurden die Antagonisten in der publizierten Studie lediglich bei neuroendokrinen Tumoren eingesetzt. Einsatzmöglichkeiten bei anderen Tumoren seien aber zu erwarten.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21852357

 

 

Neue Prostatektomie-Technik erhöht Kontinenzrate

19.08.2011

Urologen der Hamburger Martini-Klinik um PD Dr. Thorsten Schlomm haben eine neue Operationsmethode entwickelt, bei der es bei Prostatektomien gelingt, die Funktionsfähigkeit des Musculus sphincter urethrae besser zu erhalten.

Im Rahmen einer durchgeführten Studie wurden innerhalb eines Jahres insgesamt 691 Patienten von drei Operateuren prostatektomiert, davon 406 Patienten mit der neuen Technik. Über 80 Prozent der nach der neuen Methode operierten Patienten waren bereits eine Woche nach dem Eingriff wieder kontinent. Lediglich bei 0,9 Prozent der Operierten kam es zu einer dauerhaften und relevanten Beeinträchtigung der Kontinenz.

Mit der neuen OP-Technik entfallen im Wesentlichen die post-operativen Kontinenzprobleme, was für die Patienten eine verbesserte Lebensqualität schon kurz nach dem Eingriff bedeutet.

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http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21458913

 

 

Testosteron schützt vor Entzündungskrankheiten

26.07.2011

Jenaer Pharmazeuten zeigen einen Einfluss von Testosteron auf die Disposition zu entzündlichen und allergischen Reaktionen.

Dass an Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Asthma mehr Frauen als Männer leiden ist seit längerem bekannt, nur waren die Ursachen dafür bisher unklar. Die Jenaer Forscher isolierten Monozyten aus dem Blut männlicher und weiblicher Probanden und untersuchten die Aktivität von Enzymen, die für die Biosynthese proinflammatorischer Leukotriene verantwortlich sind. Dabei stellten sie fest, dass die Enzyme Phsopholipase D und, in dessen Folge, 5-Lipoxygenase in männlichen Immunzellen nahezu doppelt so aktiv sind als in den weiblichen. Interessanterweise verringerte sich die hohe Aktivität der Enzyme in den weiblichen Zellen signifikant unter Zugabe von aktivem 5a-Dihydro-Testosteron.

Die Studie bestätigt die multifokalen Effekte von Testosteron, in diesem Falle die Rolle des männlichen Sexualhormons bei der Modulation von Immunantreaktionen. Das Ergebnis könnte auch für die Therapieentwicklung bei entzündlichen Erkrankungen in der Urologie von Interesse sein.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21693622

 

 

Konformationszustand von Spleißfaktoren reguliert Proteinexpression

14.07.2011

Aus DNA entsteht mRNA, die als Matrize für die Bildung von Protein dient - so das zentrale Dogma der Molekularbiologie. Um Protein bilden zu können, muss zunächst das erste mRNA-Produkt, die prae-mRNA, im Prozess des Spleißens zur eigentlichen mRNA verkürzt werden. Das Entfernen von Introns aus der prae-mRNA stellt einen essentiellen Schritt bei der Proteinbiosynthese dar. Fehlregulationen in diesem Prozess sind Ursache vieler Krankheiten, u.a. vieler Tumorerkrankungen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums und der TU in München haben jetzt aufgedeckt, wie ein Protein namens U2AF den Prozess des Spleißens unterstützt.

Spleißen erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Faktoren. Der Spleißfaktor U2AF spielt dabei eine wichtige Rolle. U2AF kommt in der Zelle in zwei Konformationszuständen vor, die einem bestimmten Gleichgewicht zueinander stehen. Die offene Raumstruktur ist in der Lage an bestimmte Basensequenzen nahe der Schnittstelle zwischen Intron und Exon an die prae-mRNA zu binden, wodurch der Vorgang des Spleißens aktiviert und das Intron schließlich ausgeschnitten wird. Die RNA-Basensequenz des Introns bestimmt dabei die Bindungsaffinität des U2AF und damit die Tendenz für dessen offene, aktive Konformation. Die Wissenschaftler sprechen bei dieser Art der Aktivitätsregulation von Konformationsselektion. Möglicherweise spielen ähnliche Mechanismen der Gleichgewichtsverschiebung zwischen einer geschlossenen, inaktiven und einer offenen, aktiven Konformation eine wichtige Rolle bei der Regulation vieler anderer Signalwege in der Zelle.

Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21753750

 

 

SNPs prognostizieren familiäres Prostatakrebrisiko

12.07.2011

Wissenschaftler eines internationalen Forschungskonsortiums untersuchen genetische Variationen im Erbgut von Prostatakarzinompatienten und gesunden Probanden auf mögliche Dispositionen, die ein familiäres Prostatakrebsrisiko vorhersagen können. Die jüngsten Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Journal Nature Genetics veröffentlicht. Dem Verbund gehören weltweit 48 Institutionen an. Die deutschen Forschungsbeiträge stammen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sowie aus dem Universitätsklinikum Ulm und der Medizinischen Hochschule Hannover.

In mehrstufigen Genom-weiten Assoziationsstudien zum Prostatakrebsrisiko untersuchten die Forscher verschiedene Genvarianten, sog. single nucleotide polymorphisms (SNPs) tausender Patienten und Kontrollpersonen. In den vorangegangenen ersten zwei Untersuchungsreihen konnten bereits 16 verdächtige SNPs gefunden werden. In der aktuell publizierten dritten Stufe wurden 1.536 weitere Kandidaten-SNPs an 4.574 Prostatakrebspatienten und 4.164 gesunden Probanden überprüft. Die dabei zu Tage tretenden Korrelationen mit Prostatakrebs wurden nochmals an insgesamt 51.311 genetischen Proben verifiziert. Anschließend errechneten die Forscher, ob und welche Genvarianten bei Patienten häufiger auftreten als bei Gesunden. So wurden nun sieben zusätzliche Genvariationen identifiziert, die erstmals mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko in Zusammenhang gebracht werden konnten. Die sieben SNPs liegen alle in DNA-Abschnitten, die auch Gene enthalten, für die die Wissenschaftler eine Rolle bei der Krebsentstehung als plausibel erachten. Allerdings konnte für keine der neuen Genvarianten ein Zusammenhang zur Malignität eines Prostatakarzinoms festgestellt werden.

Jede einzelne SNP-Genvariante geht für sich betrachtet nur mit einer geringfügigen Erhöhung des Prostatakrebsrisikos von wenigen Prozent einher. Erst die gleichzeitige Berücksichtigung aller Varianten ermöglicht es, Personengruppen mit deutlich erhöhtem Risiko zu erkennen. Eine Untersuchung des Erbguts auf solche Risikovarianten könnte daher in Zukunft Prävention und Früherkennung von Prostatakrebs verbessern.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21743467

 

 

Kinase RIP1 entscheidet über Apoptose oder Nekroptose in Tumorzellen

11.07.2011

Eine Forschergruppe der Universität Mannheim konnte einen Proteinkomplex entdecken, welcher bei Tumorzellen der Haut eine entscheidende Rolle bei der zellulären Schicksalsentscheidung zwischen Apoptose und Nekroptose spielt.

Die zelluläre Homöostase eines Gewebeverbandes beruht auf einem Gleichgewicht zwischen Zellproliferation und Zelltod. Das Absterben von Zellen geschieht im gesunden Organismus streng kontrolliert. Prinzipiell gibt zwei verschiedene Wege für die Zellen, programmiert zu sterben: die Apoptose und die Nekroptose. Bei der Apoptose durchlaufen einzelne Zellen ein Selbstmordprogramm, ohne dass angrenzende Zellverbände von diesem Prozess betroffen werden. Bei der seit kurzem vermehrt erforschten sog. Nekroptose, der programmierten Nekrose, sind entzündliche Reaktionen beteiligt, die, möglicherweise über Freiseztung inflammatorischer oder toxischer Signale, auch zum Untergang benachbarter unbeteiligter Zellen führen. Darüber hinaus wirkt der nekrotische Zelltod immunstimulierend.

Die Mannheimer Wissenschaftler beschreiben in ihrer Studie einen Proteinkomplex mit einer zentralen Kinase namens RIP1, über die das Schicksal der Zelle entschieden wird. Direkt über diese intrazelluläre Signalplattform wirken weitere Regulationsproteine, wie IAPs (inhibitors of apoptosis) oder verschiedene Isoformen des Proteins cFLIP, die entweder wie die IAPs, den apoptotischen (cFLIP-L) oder aber den nekroptotischen Weg (cFLIP-S) begünstigen.  Die quantitative Zusammensetzung der beteiligten Komponenten entscheidet letztlich darüber, in welcher Weise die betroffenen Zellen abgebaut werden.

Die Eigenschaften der Nekroptose, benachbarte Zellen mit in den Tod zu ziehen und gleichzeitig die Immunabwehr des Organismus zu stimulieren, könnte der Entwicklung neuer Anti-Tumortherapien dienen. Vor dem Hintergrund, dass Apoptose und Nekroptose grundsätzliche biochemische Mechanismen von Zellen darstellen, könnten die an weißen Hauttumoren gewonnen Daten möglicherweise auch für andere Tumorarten zutreffen. Daher ist die Kenntnis der zu Grunde liegenden Regulationsmechanismen von hohem klinischem Interesse.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21737330

 

 

Virus-Entzündung im Tumor ermöglicht effektive Immuntherapie

09.07.2011

Ein wesentlicher Grund für die Wirkungslosigkeit von Impfungen gegen Krebs ist die Eigenschaft solider Tumoren in ihrer direkten Umgebung eine Immunschwäche zu erzeugen. Das Immunsystem toleriert dadurch den Tumor bzw. eine Immuntherapie. Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover zeigen nun einen Weg auf, mit dem die Tolerierung eines Tumors durch das Immunsystem verhindert werden könnte.

Mit onkolytischen Adenoviren wurden im Tiermodell heftige Entzündungsreaktion in soliden Tumoren von Mäusen provoziert. Während der Entzündung impften die Forscher gegen den Tumor. Diese Vorgehensweise führte zu einer gegen den Tumor gerichteten Immunantwort, die sowohl die ursprünglichen Geschwülste als auch die Metastasen beseitigte. Möglicherweise unterdrückt die Entzündungsreaktion im Tumor dessen Eigenschaft eine lokale Immunschwäche zu induzieren. Dadurch wird er vom Immunsystem nicht mehr toleriert und entsprechend abgewehrt.

Die Forscher äußerten die Hoffnung, dass ihre Ergebnisse in die Entwicklung einer erfolgreichen Impfstrategie einfließen könnten.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21646722

 

 

Malaria-Medikament induziert Krebszell-spezifischen lysosomalen Zelltod

08.07.2011

Die aus einer Heilpflanze gewonnene Wirksubstanz Artemisinin kann nicht nur in der Malaria-Behandlung, sondern möglicherweise auch in der Krebsbehandlung Anwendung finden. Die zellulären Abläufe beim Abtöten von Krebszellen mit Hilfe von Artesunat, einem Derivat des Artemisinin, haben Wissenschaftler des BioQuant-Zentrums der Universität Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) anhand von Brustkrebs-Zellinien untersucht. Sie konnten zeigen, dass Lysosomen und das dort vorhandene reaktive Eisen eine zentrale Rolle bei der Artesunat-induzierten Tumor-spezifischen Apoptose spielen.

Analog zu den chemischen Reaktionen mit dem Hämoglobin-Eisen in den Nahrungsvakuolen des Malaria-Erregers reagiert Artesunat auch mit redox-aktivem Eisen in den Lysosomen von Tumorzellen. Dabei entstehen freie Sauerstoffradikale, welche den Prozess der Caspase-induzierten, mitochondrialen Apoptose der Zellen einleiten. In den beschriebenen Untersuchungen führte die gezielte Blockade des reaktiven Eisens in den Lysosomen zum Schutz der Krebszellen vor der toxischen Wirkung des Artesunats, während andererseits eine Erhöhung des lysosomalen Eisengehalts die Apoptoserate der Krebszellen signifikant steigerte. Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass Artesunat lysosomale Autophagie-Prozesse blockiert, bei dem die Zelle eigene Bestandteile abbaut, um dadurch in Situationen mit begrenzter Nährstoffzufuhr, wie z.B. im Inneren eines Tumors, überlebenswichtige Makromoleküle zu recyceln.

Artesunat induzierte die Apoptose nur in den im Experiment eingesetzten Brustkrebs-Zelllinien, nicht aber in den ebenfalls getesteten gesunden Epithel-Zelllinien. Die Forscher erklären diese Selektivität damit, dass der veränderte Stoffwechsel der Tumorzellen einen erhöhten Bedarf und damit einen erhöhten Gehalt an Eisen in der Zelle und damit in den Lysosomen verursacht. Die vorliegenden Ergebnisse bieten möglicherweise auch eine Basis für analoge, Therapie-relevante Untersuchungen bei anderen Tumorarten, u.a. auch bei urologisch relevanten Tumoren.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21149439
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21635740

 

 

Klinische DFG-Forschergruppe zur männlichen Infertilität verlängert

07.07.2011

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Klinische Forschergruppe KFO 181 "Male factor infertility due to impaired spermatogenesis“ für weitere drei Jahre mit insgesamt 3,4 Millionen EURO. Die interdisziplinäre Forschergruppe gliedert sich in ein Zentralprojekt und acht Einzelprojekte, wobei Wissenschaftler der Urologischen Universitätsklinik Gießen (Profes Weidner und Steger) die Gruppe koordinieren und selbst einige Projekte betreuen. Weitere Beteiligungen fließen aus den Abteilungen Anatomie, Medizinische Mikrobiologie, Frauenklinik, Innere Medizin und Biologie der Universitätsstandorte Gießen und Marburg ein.

Die Klinische Forschergruppe möchte das Wissen über die molekularen Mechanismen, die für die Regulation der Spermatogenese von essenzieller Bedeutung sind, verbessern und mögliche Ursachen für die Deregulation dieser Vorgänge bei gestörter Spermatogenese aufdecken. Darüber hinaus sollen die Ergbebnisse zu einer Verbesserung der Diagnostik idiopathischer männlicher Infertilität beitragen.

Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb11/forschung/forschergruppen/kfo_181/home

 

 

DFG-Forschergruppe zur künstlichen Befruchtung verlängert

07.07.2011

Die DFG verlängert eine weitere Forschergruppe mit urologischer Beteiligung:  die Forschergruppe FOR 1041 „Germ Cell Potential“ wird für weitere drei Jahre gefördert. Seit 2008 führt diese interdisziplinäre Gruppe Untersuchungen zu Mechanismen, Möglichkeiten und Risiken künstlicher Befruchtung durch. Mit sechs von 12 Projekten steht der Standort Münster im Zentrum des Forschungsgeschehens: die Universitätsinstitute für Humangenetik (Prof. Gromoll) und das Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie CeRA (Profes Kliesch und Schlatt) sowie das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin (Prof. Schöler) erhalten für die kommende Förderperiode insgesamt 2 Millionen EURO.

Im Rahmen von „Germ Cell Potential“ wird das ganze Spektrum der künstlichen Befruchtung von der Keimzelle bis hin zur Geburt des Kindes untersucht. Die Teilprojekte befassen sich mit der Qualität der Eizelle, den genetischen Ursachen der Unfruchtbarkeit, aber auch mit dem Potenzial von Stammzellen, beispielsweise solchen aus dem Hoden, als mögliche Alternative zu Spermien. Auch die Entstehung von Eizellen aus embryonalen Stammzellen ist Forschungsgegenstand. In einer klinischen Langzeitstudie werden über drei Jahre hinweg die möglichen Folgen von Behandlungen im Rahmen einer ART auf den Nachwuchs untersucht.

Weitere Informationen:
http://www.germ-cell-potential.de

 

 

Euro-TARGET: EU-Projekt zur individualisierten Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms

17.06.2011

Jenaer Urologen sind Partner des im März gestarteten europäischen Verbundprojekts EuroTARGET, "TArgeted therapy in Renal cell cancer: GEnetic and Tumour related biomarkers for response and toxicity". Zu den insgesamt zwölf EuroTARGET-Partnern zählen Forschungseinrichtungen, Kliniken und Firmen aus acht europäischen Ländern. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und wird im 7. Rahmenprogramm der EU mit insgesamt sechs Millionen Euro gefördert.

Hauptziel von EuroTARGET ist die Identifizierung und Charakterisierung von spezifischen Biomarkern beim metastasierten Nierenzellkarzinom, die eine Patienten-bezogene Prognose zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen sogenannter tageted drugs, wie Sorafenib oder Sunitinib erlauben und so zu einer individualisierten Therapie beitragen.

Zunächst sammeln die Projektpartner Blutproben von etwa 500 Nierenkrebs-Patienten vor und während der Behandlung sowie Proben von gesundem und Tumorgewebe. Alle Proben werden in einer klinischen Datenbank erfasst und molekularbiologisch analysiert. Aufgabe der Jenaeer Arbeitsgruppe um PD Dr. med. Kerstin Junker ist es, die zelluläre Funktion der Biomarker-Kandidaten aufzuklären. Dabei werden in Zellkulturversuchen die entsprechenden Gene entweder ausgeschaltet oder aktiviert, um die Effekte auf unterschiedliche Medikamentenwirkungen, Neovaskularisation oder Zellproliferation zu untersuchen.

Mit Hilfe einer komplexen Bioinformatik werden aus diesen Screeningergebnissen dann diejenigen Gene identifiziert, die im Tumorgenom von Patienten mit besonders guter Medikamentenwirkung übereinstimmen oder mit besonders starken Nebenwirkungen verbunden sind. Darüber hinaus suchen die Forscher nach Proteinen, die im Blut der Patienten mit sehr gutem oder sehr geringem Therapieansprechen auffallen. Idealerweise lassen sich aus den gewonnenen Daten einfache Labortests ableiten, mit denen für einen bestimmten Patienten mit einem definierten Tumortyp die wirksamste und verträglichste Behandlung kurzfristig gefunden werden kann.

Kontakt:
PD Dr. med. Kerstin Junker
Klinik für Urologie
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 - 93 5199
Email: kerstin.junker(at)med.uni-jena.de
Web: www.urologie.uk-j.de

Weitere Informationen:
http://www.eurotargetproject.eu

 

 

"Aktion Partner" informiert Betroffene und Angehörige zum Thema Prostatakrebs

16.06.2011

Die Diagnose Prostatakrebs ist eine große Herausforderung für Betroffene und Angehörige. Die gemeinnützige und unabhängige Stiftung Männergesundheit startet daher unter dem Motto "Hilfe, mein Mann hat Krebs!" die "Aktion Partner". Ziel der Aktion, die im Rahmen der HAROW-Studie läuft, ist die Bereitstellung umfassender Informationen zum Prostatakrebs. Dabei werden die Partnerinnen und Partner erkrankter Männer bewußt mit eingeladen.

Richtige Informationen können das Gefühl der Ohnmacht bekämpfen und zudem eine Motivation darstellen, sich aktiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Die Stiftung Männergesundheit hat einen besonderen Leitfaden mit Tipps und Handlungsanleitungen für die Zeit nach der Diagnose zusammengestellt. Neben den Informationen zu unterschiedlichen Therapien und Nebenwirkungen werden hier vor allem Fragen zu Partnerschaft, Ernährung, Bewegung und Entspannung bei Prostatakrebs beantwortet. Auf der Aktions-Webseite http://www.aktion-partner.de kann der Leitfaden online bestellt werden.

Zudem gibt es von der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Kooperation mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft zwei Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Prostatakrebs, die unter den folgenden Internetadressen abgerufen werden können:

Prostatakrebs 1: Lokal begrenztes Prostatakarzinom
http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/docs/OL_PLL_Prostatakrebs_1.pdf
Prostatakrebs 2: Lokal fortgeschrittenes und metastasierten Prostatakarzinom
http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/docs/OL_PLL_Prostatakrebs_2.pdf

Die von der Stiftung Männergesundheit initiierte HAROW-Studie soll Kriterien für eine sinnvolle Behandlung des Prostatakarzinoms entwickeln, mit denen eine Übertherapie vermieden werden kann. Hierfür werden bis zu 5.000 Patienten bis ins Jahr 2013 über ihr Krankheitserleben berichten. Zusätzlich werden medizinische Diagnosen ausgewertet, gesundheitsökonomische Daten erhoben und die Beziehung zwischen Arzt und Patient untersucht. Derzeit sind bereits über 2.100 Patienten in die HAROW-Studie eingeschlossen.

Weitere Informationen unter
http://www.stiftung-maennergesundheit.de
http://www.harow.de/cms/website.php

 

 

Terbium-161 zur Radionuklid-Therapie kleiner Tumoren und Metastasen

15.06.2011

Die Radionuklid-Therapie stellt neben der Bestrahlung und Chemotherapie eine weitere Option bei der (adjuvanten) nicht-chirurgischen Therapie von Tumoren dar.

Münchener Radiochemiker der Forschungs-Neutronenquelle der TUM haben nun ein Verfahren entwickelt, ein im Kampf gegen kleine Tumoren und Metastasen wirksames Radionuklid namens Terbium-161 in therapeutisch geeigneter Form darzustellen. Ein bereits in der Klinik eingesetztes ähnliches Nuklid ist das Lutetium-177. Bei seinem Zerfall entstehen schnelle Elektronen. Die Reichweite dieser Beta-Teilchen beträgt in menschlichem Gewebe bis zu 100 µm, das Fünffache des Durchmessers einer Tumorzelle. Sie können daher auch gesundes Gewebe schädigen. Terbium-161 emittiert dagegen auch sog. Konversions- und Auger-Elektronen, deren Reichweite nur zwischen 0,5 und 30 µm beträgt und die damit genau im Bereich der Größe einer Tumorzelle liegen. Terbium-161 besitzt zudem einen höheren Energiegehalt als vergleichbare radioaktive Teilchen, so dass dem Patienten eine geringere Menge injiziert werden kann, wodurch sich wiederum die Gesamtstrahlenbelastung reduzieren lässt.

Wie Lutetium ist auch Terbium ein Metall der sogenannten Seltenen Erden. Die Ähnlichkeit dieser Elemente hat den Vorteil, dass die für Lutetium-177 bereits ausgearbeitete medizinische Applikation relativ leicht auf Terbium-161 übertragen werden kann. In Kooperation mit Forschern am Paul Scherrer Institut in Villigen (Schweiz) konnte in einer ersten präklinischen Studie bereits die Wirksamkeit des Nuklids an Krebszellen im Labor prinzipiell nachgewiesen werden.

Weiterlesen:
http://www.nucmedbio.com/article/S0969-8051%2811%2900044-8/abstract

 

 

Tumorzellen tarnen sich vor Angriffen des Immunsystems

07.06.2011

Im gesunden Organismus erkennt das Immunsystem entartete Körperzellen und tötet diese ab. Ein Weg führt dabei über die zytotoxischen T-Zellen, die mit ihren T-Zell-Rezeptoren Krebszellen anhand deren Zelloberflächenproteine erkennen können. Die Tumorzelle ihrerseits schützt sich vor solchen immunologischen Angriffen durch verschiedene Tarnstrategien. Tübinger und Frankfurter Wissenschaftlern ist es nun im Rahmen eines Projektes der Deutschen Krebshilfe gelungen, einen bislang unbekannten Tarnmechanismus von Tumorzellen aufzuklären.

Viele Tumorzellen exprimieren an ihrer Oberfläche typische Proteine. Ein bekanntes dieser Tumorantigene ist der NKG2D-Ligand. Passend dazu existieren T-Zellen mit komplementären NKG2-D-T-Zell-Rezeptoren, mit denen sie an die Tumorzelle andocken und diese anschließend abtöten. Die Forscher identifizierten nun Krebszellen, die in der Lage sind, ihre NGK2D-Liganden abzustoßen und in den Blutkreislauf abzugeben. Das hat zur Folge, dass die zytotoxischen T-Zellen die Krebszellen schlechter erkennen. Zusätzlich blockieren die im Körper zirkulierenden NKG2D-Liganden die T-Zell-Rezeptoren auf den Killerzellen und schwächen somit zusätzlich das Immunsystem.

Als Gegenmaßnahmen und gleichzeitig mögliche Therapieoptionen verfolgen die Wissenschaftler zwei Strategien: 1.) die Hemmung der NGK2D-Liganden-Abstoßung und 2.) die Überexpression von NGK2D-Liganden. So könnte die "Fehlleitung" der Immunzellen verhindert und die Immunantwort insgesamt verstärkt werden.

Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/aktuelle-presse-meldungen.html?&tx_ttnews[tt_news]=3033&tx_ttnews[backPid]=104&cHash=ef92d86ff8

 

 

Impf-Antigene bestimmen den Erfolg einer Immuntherapie gegen Krebs

10.06.2011

Immuntherapien bei Krebs beruhen auf der gezielten Selektion von T-Lymphozyten durch Verabreichung Tumor-immanenter Peptid-Antigene. T-Vorläuferzellen mit komplementären T-Zell-Rezeptoren werden dadurch aktiviert, selektiert und entwickeln sich zu zytotoxischen T-Zellen und T-Helferzellen. Über letztere werden zudem korrespodierende B-Zellen aktiviert, die als Plasmazellen entsprechende Antikörper produzieren.

Die Validierung von Anti-Tumor-Immunsisierungsstrategien dient der Identifizierung der effektivsten Immunantworten und der best geeignetsten Immunrezeptoren. Durch ein neu entwickeltes Analyseverfahren am Ludwig Zentrum für Krebsforschung der Universität Lausanne können T-Zellen bereits zu einem frühen Zeitpunkt nach einer Immunsisierung aus dem Patientenblut gewonnen und einzeln auf molekularer Ebene charakterisiert werden.

Die Forscher untersuchten die T-Zell-Reaktionen nach Impfung mit natürlichen und synthetischen Tumorpeptiden. Entgegen der gängigen Lehrmeinung, Analog-Peptide erzielten eine bessere Immunaktivierung, konnten die Forscher zeigen, dass Impfungen mit einem natürlichen Tumorpeptid die Immunzellen signifikant stärker aktivierten. Der Erfolg einer Immuntherapie gegen Krebs hängt demnach entscheidend von der Wahl des geeigneten Impfantigens ab.

Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21113290

 

 

Combretastatin-A-Analoga für die Chemotherapie solider Tumoren

06.05.2011

Chemiker der Universität Bayreuth haben mit Medizinern der Universität Halle-Wittenberg auf der Basis des sekundären Pflanzeninhaltsstoffes Combretastatin-A der afrikanischen Buschweide eine neue synthetische Wirkstoffgruppe etabliert, die ersten präklinischen Studien zufolge ein hohes Potential bei der medikamentösen Krebstherapie enthält.

Seit längerem ist bekannt, dass Combretastatin-A (CA) gezielt die Blutgefäße in Tumoren angreift und allmählich zerstört, während alle anderen Blutgefäße von dieser anti-vaskulären Wirkung verschont bleiben. Insofern gilt CA als ein geeigneter Wirkstoff, um Tumore auszuhungern. Doch CA hat dabei auch nachteilige Eigenschaften. So verfügt es über eine nur geringe chemische Stabilität und Wasserlöslichkeit. Vor allem aber ist CA als alleiniger Wirkstoff für die Tumorbekämpfung ungeeignet, da es nicht die Krebszellen selbst abtötet. Deshalb verbleiben meist noch Krebszellen im Randbereich des ehemaligen Tumors vital, aus denen sukzessive Rezidive entstehen können. Infolgedessen eignet sich CA nur in Kombination mit anderen Chemotherapeutika, die auch die Krebszellen selbst abtöten aber ihrerseits erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

Die neuen, in wenigen Schritten synthetisierbaren CA-Analoga scheinen dem Naturstoff CA in vielen Aspekten überlegen: Sie sind gut in Wasser und in Serum löslich, sie verfügen über eine hohe chemische Stabilität und sind oral verabreichbar. Darüberhinaus verfügen die CA-Analoga selbst über eine tumortoxische Wirkung und erscheinen, ähnlich dem natürlichen Ca, besonders nebenwirkungsarm. Die in Tierversuchen, an Krebszelllinien und an Gefäßmodellen gewonnenen Erkenntnisse geben Anlass zu der Hoffnung, dass auf der Basis dieser neuen Substanzen ein Medikament entwickelt werden kann, welches allein, ohne die Kombination mit anderen Chemotherapeutika, widerstandsfähige solide Tumoren vollständig zerstören kann und dabei gesunde Körperzellen, auch bei hohen Dosierungen von 30 mg/kg Körpergewicht, weitestgehend verschont.

Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21176734

 

 

Unterdrückung der Sialinsäure-Schutzschicht als tumortherapeutischer Ansatz

14.04.2011

Tumore umgeben sich mit einer Sialinsäure-basierten "Tarnkappe", um sich vor der Entdeckung und Bekämpfung durch das körpereigene Immunsystem zu schützen.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Berliner Charité um Prof. Reutter sucht in einem neuen Projekt der Sander-Stiftung nach Möglichkeiten, die enzymatisch katalysierte Synthese der Sialinsäure im Ansatz zu unterbinden. In grundlegenden Vorarbeiten konnten die Forscher das für die Sialinsäure-Produktion verantwortliche Enzym bereits strukturell und funktionell charakterisieren. Anders als die meisten Enzyme weist dieses Schlüsselenzym zwei aktive Zentren auf: das eine verarbeitet den kleinen Einfachzucker N-Acteylmannosamin, das andere ein deutlich größeres und komplexeres Molekül.

Basierend auf der Eigenschaft des kleinen N-Acetylmannosamins, die Zellmembran frei passieren zu können, bietet sich für eine Hemmung der enzymatischen Umsetzung, und damit für eine Unterbindung der Sialinsäure-Produktion, eine kompetitive Hemmung dieses enzymatischen Zentrums durch einen ähnlich aufgebauten Hemmstoff an, der auf analogem Weg in die Zelle eingeschleust werden kann. Eine geeignete, verträgliche Substanz wäre eine maßgebliche Voraussetzung für eine potenzielle klinische Anwendung im Rahmen einer Anti-Tumortherapie.

Mit einem ersten synthetischen Molekül konnten die Forscher bereits experimentell zeigen, dass eine kompetitive Hemmung des Enzyms möglich ist. Fragen zur biologischen Stabilität, zur Spezifität oder Zytotoxizität sind im laufenden Projekt noch weiter zu klären.

Weitere Informationen:
http://www.charite.de/molbiol/biochem

 

 

Nanotechnologie-basierter Therapieansatz bei Prostatakrebs

04.04.2011

Ein internationales Forscherteam um Dr. Rutledge Ellis-Behnke vom Nanomedicine Translational Think Tank der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat eine neue Methode entwickelt, mit der Krebsstammzellen aus Prostatatumoren möglicherweise daran gehindert werden können, sich zu vermehren und zu metastasieren. Dabei sollen selbstorganisierende Nanomaterialien eingesetzt werden, die in der Lage sind, die Krebsstammzellen lokal festzuhalten, damit sie so für weiterführendere Therapiemaßnahmen zugänglich sind.

Die Prostatakrebs-Stammzellen werden für das Fortschreiten der Krebserkrankung und die Metastasierung verantwortlich gemacht und bilden daher einen wesentlichen therapeutischen Angriffspunkt. Selbstorganisierende Nanomaterialien (sog. self-assembling nanomaterials made of peptides, SAPs) sind möglicherweise geeignet, die Stammzellen zu umschließen und daran zu hindern, sich weiter zu differenzieren und fortzubewegen. In vitro-Untersuchungen konnten zeigen, dass die Zellen sich nicht weiter teilen uind keine neuen Zellkolonien bilden.

Die Ergebnisse bieten einen neuen Ansatz, aus dem sich möglicherweise neue Strategien zur Tumortherapie entwickeln lassen können. Denkbar wäre beispielsweise, die SAPs an chemotherapeutische Agenzien zu koppeln und direkt in den Tumor zu injizieren, und so zu verhindern, dass sich die Stammzellen der Behandlung entziehen.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20887677

 

 

Stellungnahmen der DFG-Senatskommissionen zu Biomaterialbanken

01.04.2011

Biomaterialbanken sind eine unverzichtbare Ressource für die biomedizinische Forschung. Sie sind für die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Forschung von großer Bedeutung. Es ist daher wichtig, dass für Deutschland klare Konzepte und Empfehlungen für Biobanken vorliegen.

Eine Gemeinsame Stellungnahme der beiden lebenswissenschaftlichen Senatskommissionen der DFG, der Senatskommission für Klinische Forschung und der Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung kommen zu der Empfehlung, dass derzeit noch auf eine allgemeine und umfassende gesetzliche Regelung in Form eines Forschungsbiobankgesetzes verzichtet könne. Die Stellungnahme ist vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion um gesetzliche Regelungen von Humanbiobanken entstanden und stellt den Beitrag und die Kommentierung der DFG zur Stellungnahme des Deutschen Ethikrates „Humanbiobanken für die Forschung“ dar.

Die DFG-Senatskommissionen schlagen vor, dass anstelle einer umfassenden gesetzlichen Regelung auf der bestehenden Rechtsgrundlage für große Biobanken die Einhaltung der in der Empfehlung des Ethikrates enthaltenen Prinzipien gefordert werden soll. Dazu gehören die Festlegung der zulässigen Nutzung, die Einbeziehung von Ethikkommissionen, die Qualitätssicherung beim Datenschutz sowie die Transparenz der Ziele und Verfahrensweisen einer Biobank. Die DFG-Senatskommissionen schlagen des Weiteren vor, dass die Einhaltung der Prinzipien zur Voraussetzung für die Förderung von Biobanken durch die DFG und andere öffentliche Förderer gemacht wird. Für kleinere Biomaterialbanken sollte nach Auffassung der DFG-Senatskommissionen auf eine Verschärfung der Anforderungen verzichtet werden.

Ein eigenes Biobankgeheimnis erscheint den DFG-Senatskommissionen derzeit nicht erforderlich und wäre international einmalig. Eine neue einschlägige Gesetzgebung könnte internationale Kooperationen behindern und die biomedizinische Forschung am Standort Deutschland erschweren.

Weiterlesen:
http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2011/110331_stellungnahme_biobankgesetz.pdf

 

 

Entwicklung einer PCR-basierten Analytik von Mikrometastasen in Lymphknoten

25.03.2011

Etwa 40 % der Patienten mit radikaler Prostatektomie erleiden post OP einen Rückfall ihrer Krebserkrankung. Eine mögliche Ursache dafür können kleine Streuungen einzelner Prostatakarzinomzellen sein, die bereits zum Zeitpunkt der Operation in den benachbarten Lymphknoten im Becken existent waren. Das Problem dabei ist die mit den gängigen bildgebenden und histologischen Verfahren nur sehr unzureichende Nachweisbarkeit dieser Mikrometastasen. Ein sicherer Nachweis würde hier sowohl eine zutreffendere Prognose als auch eine vorbeugende therapeutische Intervention beim einzelnen Patienten frühzeitig ermöglichen.

Eine Arbeitsgruppe der Urologischen Klinik und Poliklinik der TU München um Dr. Matthias Heck, Dr. Roman Nawroth und Dr. Margitta Retz widmet sich nun in einem aktuellen, von der Wilhelm-Sander-Stiftung getragenen Projekt der Entwicklung eines zuverlässigen PCR-basierten Nachweissystems von Mikrometastasen in Lymphknotengewebe von Patienten nach radikaler Prostatektomie. Im Focus des Verfahrens steht die Evaluation geeigneter Gensignaturen, welche charakteristisch für ins lymphatische Gewebe ausgewanderte Prostatakarzinomzellen sind und die deren sicheren Nachweis mit der PCR erlauben. Dabei stützen sich die Forschungen zunächst auf Ergebnisse einer von der Reinhard-Nagel-Stiftung der Deutschen Gesellschaft für Urologie geförderten prospektiven Studie des Projektleiters Dr. Heck. In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler eine Multiplex-PCR etablieren, welche im Hochdurchsatzverfahren die Analyse der Gensignaturen mehrerer Lymphknotenproben gleichzeitig erlaubt. Spezifität, Sensibilität und Praktikabilität der neuen Methodik sollen im Rahmen einer anschließenden Studie evaluiert werden.

Weitere Informationen:
http://www.mriu.de/exp_urologie/exp_projekt.html#prostata

 

 

Braucht unser Wissenschaftssystem eine "Entschleunigung"?

23.03.2011

Dieser Frage hat sich ein Gremium aus Vertretern von Universitäten, Forschungsinstituten, Wissenschaftsorganisationen und Verlagen im Rahmen der 4. Berliner Wissenschaftsgespräche "Vertrauen in der Forschung - Vertrauen in die Forschung" gestellt. Über ein Jahr danach ist dazu nun ein Thesenpapier erschienen, in welchem Lösungsmöglichkeiten für die aufgezeigten strukturellen Probleme des bestehenden Wissenschaftssystems formuliert werden.

In dem Papier kommen die Autoren zu dem Schluss, dass unser Wissenschaftssystem dringend einer Entschleunigungsstrategie bedarf, um damit den Forschern wieder die Möglichkeit einer authentischen, kritischen Reflexion einzuräumen. Zur Umsetzung dieses Postulats werden gleich eine ganze Reihe von Interventionsmaßnahmen vorgeschlagen: Neben der Eindämmung der Publikationsflut und der Ächtung sog. "strategischer Autorenschaften" wird eine erhöhte Transparenz in der Datenerhebung ebenso gefordert wie eine generell verbesserte, dauerhafte Grundfinanzierung der forschenden akademischen Einrichtungen, die nicht zuletzt dem wissenschaftlichen Nachwuchs über langfristigere Vertragsgestaltungen mehr Zeit für qualitativ hochwertige Forschungsarbeiten einräumt.

Inwiefern die anspruchsvollen Ziele des Thesenpapiers angesichts der kompetitiven und ökonomischen Sitatuation an den Forschungsinstituten tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden können, bleibt offen. Rückfragen können an die Mitautorin Frau Porf. Dr. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen, adressiert werden.

Weiterlesen:
http://www.dghm.org/texte/Thesenpapier_Berliner%20Wissenschaftsgespr%C3%A4ch.pdf

 

 

Neue epigenetische Mechanismen aufgeklärt

15.03.2011

Methylierungen bestimmter Basen der DNA mitbestimmen die Aktivität von Genen in den verschiedenen Organen und Geweben im menschlichen Organismus. Im frühen Embryonalstadium erfolgt eine extensive Reprogrammierung der parentalen Epigenome, welche der Zygote erst die für ihre Entwicklung notwendige Totipotenz verleiht. Dabei beginnt die Eizelle kurz nach der Befruchtung vor allem mit der Entpackung und epigenetischen Dekodierung der väterlichen Chromosomen - die mütterlichen bleiben weitgehend unberührt.

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Epigenetik im Zentrum für Human- und Molekularbiologie der Universität des Saarlandes um Prof. Dr. Jörn Walter haben nun herausgefunden, welche molekularen Schritte bei der Reprogrammierung ablaufen: Cytosin-gebundene Methylgruppen werden über die Dioxygenase Tet3 hydroxyliert, was die Voraussetzung für weitere Prozessierungsschritte schafft. Auch fanden die Forscher eine Antwort auf die müttleriche Dominanz im Reprogrammierungsprozess: Demnach gibt es einen aktiven Schutzmechanismus, der in der noch unbefruchteten Eizelle abläuft. Ein mit PGC7/Dppa3/Stella benannter Proteinkomplex schützt die methylierten Basen der mütterlichen Chromosomen vor der Hydroxylierung durch Tet3, so dass später in der Zygote im Wesentlichen nur die väterlichen DNA-Moleküle umprogrammiert werden.

Neben dem molekularen Verständnis der epigenetisch gesteuerten Embryonalentwicklung haben die Ergebnisse der Saarländer Forscher insbesondere auch Relevanz für das Verständnis bei der Entstehung epigenetischer Programmfehler im adulten Organismus, welche im direkten Zusammenhang mit der Entstehung vieler Krebserkrankungen stehen.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=Walter%20J%2C%205-hydroxymethylcytosine

 

 

Fehlregulierte miRNAs als Ursache für die Entwicklung von Prostakrebs

02.03.2011

MicroRNAs (miRNAs) spielen bei der Regulation der Genexpression eine wesentliche Rolle, indem sie an einzelne Abschnitte der messenger RNA (mRNA) binden und dadurch die Übersetzung der Nucleotidsequenzen in Aminosäureketten hemmen bzw. den Abbau der mRNA bewirken. Dabei ist die Wechselwirkung zwischen miRNA und mRNA äußerst kompliziert: Eine miRNA kann an viele mRNAs binden, welche ihrerseits wiederum von unterschiedlichen miRNAs gesteuert werden kann. Es liegt auf der Hand, dass eine gestörte Regulation von miRNAs daher zu unkontrollierter Aktivität von bestimmten Genen führen kann.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt untersucht die Arbeitsgruppe um Dr. Susanne Füssel von der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Dresden ausgewählte Kandidaten-miRNAs, die möglicherweise an der Fehlregulation von im Prostatakarzinom überexprimierten Genen beteiligt sind. Sie wollen herausfinden, mit welchen Mechanismen die kurzen miRNA-Stränge mit ihren komplementären mRNA-Bindungspartnern wechselwirken und welchen Effekt dies auf die Qualität und die Quantität der Genexpression hat. Darüber hinaus untersuchen die Wissenschaftler den Einfluss von Androgenen auf die miRNA-regulierte Proteinbiosynthese. Ziel des Projektes ist es, die miRNA-vermittelte Regulationsebene von Prostatakarzinom-assoziierten Genen zu charakterisieren und dadurch zu einem besseren Verständnis der Tumorentstehung im Prostatagewebe beizutragen.

Weitere Informationen:
http://urologie.uniklinikum-dresden.de/ba_labor.htm

 

 

Hemmung Tumor-initiierter Angiogenese

01.03.2011

Wird ein Tumor bestrahlt, so reagiert er mit einer Reihe von Schutzmechanismen. Eine Reaktion ist die Ausschüttung von Angiogenese-Faktoren. Die Botenstoffe bewirken eine Neoangiogenese, welche der Zerstörung der bestehenden Blutgefäße durch die Strahlung entgegenwirkt. Ein weiterer Effekt ist die Unterdrückung der durch die Bestrahlung reaktivierten Apoptose in den Tumorzellen. Die Tumorzellen werden somit strahlenresistent.

Forscher der Heidelberger Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie und des Deutschen Krebsforschungszentrums wollen nun im Rahmen eines neuen, von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Projektes Strategien entwickeln, um die Bildung und Freisetzung von Angiogenesefaktoren durch Tumorzellen, wie den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), zu blockieren. Targetzellen der Wissenschaftler stammen aus Tumoren der Bauchspeicheldrüse und des Gehirns. Sollte es gelingen, die Angiogenesefaktoren effektiv zu unterdrücken und dadurch die Wirksamkeit einer Strahlentherapie zu steigern, so könnte ein solcher Therapieansatz auch bei strahlenresistenten urologischen Tumoren, wie dem stahlenresistenten Prostatakarzinom, interessant sein.

 

 

Alternatives Immunsuppressivum bei Nierentransplantation

01.03.2011

Patienten mit Nierentransplantaten erhalten zum Schutz gegen eine mögliche Abstoßungsreaktion der neuen Niere durch ihr Immunsystem starke Immunsuppressiva, wie den Calcineurin-Inhibitor Cylosporin A. Dieser Wirkstoff verhindert zwar effektiv die Abstoßung einer transplantierten Niere, fügt dem Organ aber gleichzeitig funktionellen Schaden zu.

In der kürzlich abgeschlossenen ZEUS-Studie wurde überprüft, inwiefern Transplantationspatienten von einer frühzeitigen Substitution des Cyclosporins durch einen Rapamycin-Inhibitor profitieren können.

Mit der randomisierten, kontrollierten, multizentrischen Open Label-Studie wurden über 500 Patienten zwischen 18 und 65 Jahren erfasst. Nach initialer Medikation aller Patienten mit Cyclosporin A für 4-5 Monate nach Nierentransplantation wurde eine Gruppe gemäß Standardtherapie mit Cyclosporin A weiterbehandelt während eine zweite Gruppe stattdessen den Rapamycin-Inhibitor Everolismus zur Immunsuppression erhielt. Eine Abschlussuntersuchung der Patienten 12 Monate nach Transplantation ergab signifikant bessere glomeruläre Filtrationsraten in der Everolismus-Gruppe gegenüber der Cyclosporin-Gruppe. Allerdings lag die Rate akuter Organabstoßungsreaktionen unter Everolismus mit 10 % höher als die unter Cyclosporin A mit 3 %.

In einer Lancet-Publikation bewerten die Autoren um Studienleiter Prof. Dr. Klemens Budde von der nephrologischen Klinik der Charité in Berlin die Daten so, dass eine frühe Substitution von Calcineurin-Inhibitoren durch eine Everolismus-basierte Immunsupperession das Langzeitüberleben einer bestimmten Patientenklientel insgesamt verbessern kann.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21334736

 

 

Rückkopplungsmechanismus beim Transkriptionsfaktor Myc

18.02.2011

Ist das Gleichgewicht von Teilung, Wachstum und Tod von Zellen gestört, so kann dies häufig zu Krebs führen. Die beteiligten Prozesse, Zellzyklus und Apoptose, sind dabei intensiv von einer Vielzahl beteiligter Faktoren kontrolliert und reguliert. Einer dieser molekularen Regulatoren ist der Transkriptionsfaktor Myc.

Das Myc-Protein aktiviert die Expression vieler anderer Gene und treibt so Wachstum und Vermehrung von Zellen an. Wird in einer Zelle unkontrolliert viel Myc hergestellt, so würde die resultierende hohe Myc-Konzentration zu einer ungebremsten Zellvermehrung und dadurch zur Entstehung von Krebs führen.

Die Würzburger Wissenschaftler um Thea Kress und Martin Eilers haben nun herausgefunden, dass die Aktivität des Myc-Proteins von der Proteinkinase MK5 abhängt, deren eigene Aktivität wiederum von Myc abhängig ist. Es schließt sich also ein Rückkopplungskreis: je mehr wachstumsförderndes Myc in der Zelle vorhanden ist, umso mehr Hemmstoff wird produziert - auf diese Weise bremst Myc sich selbst aus und das Zellwachstum bleibt in Balance.

In Krebszellen, wie beim Colonkarzinom, ist genau dieser Rückkopllungsmechanismus außer Kraft gesetzt. Möglicherweise spielt dieser Mechanismus auch bei der Entstehung anderer Krebsarten eine wichtige Rolle. Zudem bietet die Proteinkinase MK5 einen möglichen Ansatzpunkt für eine neue molekulare Targeting-Therapie.

Da Myc-Proteine eine exponierte Position in der Wachstumskontrolle von Zellen einnehmen, wird ihre Aktivität von mehr als nur einem Faktor reguliert. Dieselbe Arbeitsgruppe um Eilers et al. konnte bereits in 2010 einen kritischen Mechanismus aufzeigen, durch den das einmal exprimierte Myc-Protein nach ca. 30 Minuten durch einen autolytischen Prozess abgebaut wird.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21329882
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20852628

 

 

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Zusammenhang zwischen Angiotensin und Nierentumoren

15.02.2011

Bluthochdruckpatienten haben statistisch ein fast doppelt so hohes Risiko an Nierentumoren zu erkranken wie Menschen mit normalem Blutdruck. Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg untersuchen nun die Ursachen dieses Phänomens.

Bisher konnten die Toxikologinnen bei vielen Hypertoniepatienten überhöhte Konzentrationen des Blutdruck-regulierenden Nebennierenhormons Angiotensin II feststellen. Sowohl in Nierenzellkulturen also auch in Organversuchen mit isolierten Mäuse- und Rattennieren führte ein erhöhter Angiotensin-Spiegel zu einer erhöhten DNA-Schädigung in den Nierenzellen.

Übersteigt die DNA-Schädigungsrate die Kapazität der Reparaturenzyme, kommt es zu dauerhaften Mutationen, die die Nierenzelle zur Krebszelle entarten lassen können. Mit ihrem Projekt möchten die Würzburger Wissenschaftlerinnen die Beziehung zwischen Angiotensin-Menge und Mutationsrate genauer aufklären. Gleichzeitig wollen sie untersuchen, welchen Einfluss blutdrucksenkende Medikamente, die in das Renin-Angiotensin-System eingreifen, auf die DNA-Schädigungen haben.

Weitere Informationen:
http://www.toxikologie.uni-wuerzburg.de/arbeitsgruppen/ak_schupp

 

 

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Ansatz für eine Tumortherapie mit Bakterien

11.02.2011

Salmonellen können Möglicherweise in Zukunft im Kampf gegen solide Tumoren eingesetzt werden. Eine Arbeitsgruppe vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig fand heraus, dass die Bakterien über die Blutbahn in Tumoren einwandern und diese zerstören können. Das Eindringen ins Tumorgewebe wird dabei von immunologischen Botenstoffen ermöglicht, welche als Reaktion auf die in den Kreislauf eingedrungenen Bakterien vom Immunsystem ausgeschüttet werden. Die Cytokine bewirken dabei auch eine erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße im Tumor, durch die die Bakterien in den Tumor einwandern.

Die Braunscheiger Forscher wollen nun in einem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt herausfinden, welche Botenstoffe hier entscheidend sind und möchten diese in einem neuen therapeutischen Ansatz nutzen, um eine gezielte Einwanderung von abgeschwächten, nicht-infektiösen Bakterien in ein Tumorgewebe zu stimulieren und zu steuern.

Für eine vollständige Therapie würde dieser Ansatz allein jedoch noch nicht ausreichen, denn die Bakterien zerstören lediglich die inneren Bereiche eines Tumors, die äußeren bleiben unberührt. Ein zweiter Ansatz des Projekts zielt daher auf eine genetische Manipulation des Salmonellenstammes, der die Bakterien ein Chemotherapeutikum herstellen und ausscheiden lässt, welches dann die Tumorrandbereiche effektiv angreifen soll. 

Weiterlesen:
http://www.helmholtz.de/forschung/gesundheit/aktuelle_einblicke/mit_salmonellen_gegen_krebs
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20526574
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21314734

 

 

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8. EU-Forschungsrahmenprogramm

07.02.2011

Die Laufzeit des aktuellen 7. FRP endet im Jahr 2013. Die politische Debatte über die inhaltliche und strukturelle Ausgestaltung des nächsten Forschungsrahmenprogramms hat spätestens mit der Vorlage des Berichtes zur Zwischenevaluierung des 7. FRP eine besondere Dynamik erfahren.

Die Vorbereitung des 8. FRP besteht zunächst in einer informellen Konsultationsphase, in der verschiedene Nutzer- und Interessengruppen - entweder über ein formelles Konsultationsverfahren (Februar/März bis ca. Juni 2011) oder unaufgefordert - der Europäischen Kommission ihre Vorstellungen und Prioritäten zum 8. FRP übermitteln.

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit einem Leitlinienpapier ihre Position zu den Grundelementen des 8 FRP bereits zum Ausdruck gebracht.

Die Europäische Kommission wird entsprechend ihres Initiativrechts gegen Ende des Jahres 2011 offizielle Vorschläge zum 8. FRP und zu den Spezifischen Programmen vorlegen. Diese werden - entsprechend der europäischen Gesetzgebungsverfahren - im Rat der Europäischen Union und im Europäischen Parlament beraten und verabschiedet. Diese formale Gesetzgebungsphase wird etwa anderthalb Jahre in Anspruch nehmen, so dass die ersten Ausschreibungen des 8. FRP nicht vor der zweiten Hälfte des Jahres 2013 zu erwarten sind.

Weitere Informationen:
http://www.forschungsrahmenprogramm.de/offizielle_dokumente.htm#Links
http://www.bmbf.de/de/6351.php

 

 

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ICGC-Verbundprojekt Prostatakarzinom gestartet

21.01.2011

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,5 Millionen Euro geförderten Forschungsverbund wollen Ärzte und Wissenschaftler den genetischen Grundlagen von frühem Prostatakrebs auf den Grund gehen. Dazu haben sich Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg und Kollegen aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie der Martini-Klinik in Hamburg-Eppendorf zusammengetan. Weiterhin beteiligt sind das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL, Heidelberg) und das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin.

Nach der offiziellen Bewilligung des Projekts im Dezember 2010 starten die Forscher nun im Januar damit, das Erbgut der Tumorzellen von 250 höchstens 50-jährigen Prostatakrebspatienten zu entziffern und mit den Gensequenzen aus gesunden Zellen derselben Männer zu vergleichen. Dadurch sollen solche Genmutationen entdeckt werden, die den Krebs verursachen und vorantreiben. Die Forscher planen mit dieser Mammutaufgabe eine vollständige Karte der genetischen Veränderungen beim Prostatakrebs.

 

Die verschiedenen Aufgaben des ICGC-Projekts zu frühem Prostatakrebs werden im Einzelnen von international ausgewiesenen Experten geleitet. Die Forscher erfassen mit verschiedenen Methoden DNA-Sequenzen im Zellkern. Dabei werden Protein-kodierende DNA-Abschnitte ebenso erfasst wie solche, die durch epigenetische Mutationen stillgelegt sind. Darüberhinaus werden kleine RNA-Moleküle untersucht, die die Aktivität einzelner Gene regeln.

Eine besondere Herausforderung stellt die Analyse und Speicherung der unvorstellbaren Datenmengen dar, die im Laufe des internationalen Krebsgenomprojektes erzeugt werden. Das Erbgut einer Zelle ist aus rund drei Milliarden Bausteinen zusammengesetzt, die bei den verschiedenartigen Analysen bis zu 30-fach erfasst werden, um die Qualität der Ergebnisse abzusichern. Alle Daten der deutschen ICGC-Projekte laufen bei Professor Roland Eils zusammen, der am Deutschen Krebsforschungszentrum die Abteilung Theoretische Bioinformatik leitet. Eils baute dazu am BioQuant-Zentrum der Universität Heidelberg eine der weltweit größten Datenspeichereinheiten für die Lebenswissenschaften auf. Die Kapazität der Anlage wird mehrere Petabytes betragen – ein Petabyte entspricht einer Million Gigabytes – eine Eins mit 15 Nullen!

 

Im Folgenden eine Auflistung der Teilprojekte mit den zugehörigen Projektverantwortlichen:

  • Patientenauswahl, Gewebeaufbereitung, histopathologische und klinische Klassifizierung der Tumoren, Präparation von Nukleinsäuren und klinische Validierung genetischer Veränderungen: Guido Sauter (Ko-Koordinator des Projekts), Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf; Thorsten Schlomm, Hartwig Huland, Urologische Klinik, Martini-Klinik Eppendorf
  • Paired End Sequenzierung: Jan Korbel, European Molecular Biology Laboratory (EMBL)
  • Sequenzierung der genomischen DNA: Hans Lehrach, Marie-Laure Yaspo, Max-Planck-Institut für Molekulargenetik, Berlin; Stefan Wolf, Deutsches Krebsforschungszentrum
  • Methylomsequenzierung: Christoph Plass, Deutsches Krebsforschungszentrum
  • Transkriptom- und miRNA-Sequenzierung: Holger Sültmann (Projektsprecher), Christof von Kalle, Deutsches Krebsforschungszentrum und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
  • Datenmanagement und Bioinformatik: Roland Eils, Benedikt Brors, Deutsches Krebsforschungszentrum und Universität Heidelberg



Weiterlesen:
www.icgc.org/icgc/cgp/70/345/53039

 

 

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Schnittkulturen primärer Tumoren als Modell für neue Ionenstrahlen-Therapie

17.12.2010

Grundlage dieser Studie ist eine an der Universität Frankfurt entwickelte Technik, die es erlaubt, Gewebekulturen von bestimmten menschlichen Tumoren herzustellen. Das von Patienten entnommene, frische Tumorgewebe wird so präpariert, dass es über Wochen am Leben bleibt. Weil diese Proben weitgehend den natürlichen Begebenheiten im Patienten entsprechen, können die Wissenschaftler bei der Bestrahlung Effekte beobachten, wie sie auch bei der Behandlung in vivo auftreten. Insbesondere sind die Wissenschaftler dabei auch am Bystander-Effekt interessiert. Dies ist bei bisherigen Testverfahren mit künstlichen Zellproben oder in Tierversuchen nur sehr eingeschränkt möglich.

Das Schnittkulturmodell ermöglichte es nun Strahleneffekte einer Ionenstrahlenquelle auf Tumorzellen und ihre Umgebung in vitro zu erforschen. Die am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entwickelte Strahlentherapie mit Ionenstrahlen zeichnet sich im Modell durch hohe Heilungsraten und geringe Nebenwirkungen aus. Die Wirkung der Ionenstrahlen hängt dabei offenbar nicht nur von der Beschaffenheit des Tumors ab, sondern darüber hinaus auch von der genetischen Voraussetzung und den Lebensumständen eines Patienten.

Möglicherweise kann die Schnittkultur zukünftig auch für weitere Strahlenquellen und diverse solide Tumorentitäten als Testmodell dienen.

Weitere Informationen:
http://www.gsi.de/portrait/presse/Pressemeldungen/17122010.html

 

 

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Spezifisches EU-Programm "Zusammenarbeit"

02.12.2010

Die EU hat ein Strategiepapier der "Biological and Medical Science Research Infrastructures" veröffentlicht. Auf der Roadmap 2008 von ESFRI (Europäisches Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen) sind 10 Forschungsinfrastrukturen (FIS) aus dem Bereich der Lebenswissenschaften vertreten, die ihr gemeinsam erstelltes Strategiepapier "Meeting Europe’s Challenges: The Role and Importance of Biological and Medical Sciences Research Infrastructures" am 25./26. Oktober in Brüssel vorgestellt haben. Das Strategiepapier enthält Informationen darüber, wie sich die lebenswissenschaftlichen FIS den "Grand Challenges" stellen können und welche Maßnahmen hierzu notwendig sind. Darüber hinaus werden der ESFRI Prozess, die zehn lebenswissenschaftlichen FIS und deren Ziele vorgestellt.

Weitere Informationen:
http://www.nks-lebenswissenschaften.de/aktuelles/Download/dat_/fil_1058

 

 

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Neuer Regulationsmechanismus bei der Zellteilung

25.11.2010

Einen bisher unbekannten Steuermechanismus bei der Zellteilung haben Forscher der Universität Heidelberg gemeinsam mit Kollegen aus Leicester entschlüsselt. Das Team um Biochemiker Elmar Schiebel hat dazu zwei Moleküle untersucht, die zuvor nur als Bestandteile der Tumorhemmung bekannt waren und für das kontrollierte Wachstum von Organen von Bedeutung sind. Wie die Wissenschaftler zeigen konnten, sind die beiden Moleküle aber auch an der Teilung der Centrosomen beteiligt.

Eine Zelle durchläuft von Beginn ihrer Entstehung bis hin zur ihrer Teilung einen streng regulierten Zyklus. Vor jeder Zellteilung müssen nicht nur die Chromosomen verdoppelt werden, sondern auch die Centrosomen. Diese Zellorganellen sorgen für die Organisation der Spindelfasern, die wiederum für die Trennung der Chromosomen im Prozess der Zellteilung verantwortlich sind. Der Centrosomen-Zyklus muss genau mit dem Chromosomen-Zyklus abgestimmt werden, um Chromosomenverluste zu vermeiden. Dabei ist es wichtig, dass die verdoppelten und zunächst noch miteinander verbundenen Centrosomen zu Beginn der Mitose getrennt werden.

Das Heidelberger Wissenschaftlerteam konnte gemeinsam mit Kollegen der University of Leicester zeigen, dass an der Centrosomen-Teilung die Moleküle Mst2 und hSav1 beteiligt sind. Die beiden Moleküle tragen zusammen mit einem Enzym Nek2A-Kinase dazu bei, die zunächst noch aneinanderhängenden Tochtercentrosomen voneinander zu lösen. Mst2 und hSav1 waren bisher nur als Bestandteile eines Tumorsuppressorwegs bekannt.

Für die Auflösung der Centrosomenverknüpfung wird zudem das Motorprotein Eg5 benötigt, gegen das derzeit Inhibitoren als Antikrebsmedikamente klinisch gestestet werden. Die neuen Forschungsergebnisse weisen daher darauf hin, dass auch Mst2 und Nek2A mögliche Angriffspunkte für neue Krebsmedikamente in Kombination mit Eg5-Inhibitoren sein könnten.

Weiterlesen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21076410

Weitere Informationen:
http://www.zmbh.uni-heidelberg.de/Schiebel

 

 

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Linearbeschleuniger mit integriertem CT optimiert Strahlentherapie

23.11.2010

Hauptmerkmal des neuen Linearbeschleunigers der Fa. Elekta, der an der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie des Klinikums Frankfurt getestet wird, ist ein integrierter Computertomograph, der eine hochauflösende 3D-Bildgebung ermöglicht. Mit dieser "image-guided radiotherapy" (IGRT) können Bewegungen und Veränderungen des Tumors und des gesunden Gewebes während der Bestrahlung exakt dargestellt werden.

Zur weiteren Ausstattung zählt ein Mikro-Multileafkollimator (micro-MLC), bei dem schmale Bleilamellen nach computergestützter Planung die erforderlichen Therapiestrahlen zur zielgenauen Bestrahlung bündeln. Zusätzlich wird die Behandlungszeit deutlich verkürzt: Bei der Volumetric Modulated Arc Therapie (VMAT) wird die Behandlung als Rotationsbestrahlung durchgeführt. Während der Bestrahlung dreht sich der Linearbeschleuniger um den Patienten, während fortlaufend durch den MLC Feldgröße und -form dem Zielvolumen adaptiert werden.

Die Summe der Features des neuen Linearbeschleunigers optimiere den Therapieerfolg, so resumieren die Frankfurter Klinker. Ob das Gerät auch für urologische Tumoren geeignet sein wird, bleibt zu evaluieren.

Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

 

 

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Zentrale Deutsche Biobanken-Infrastruktur

19.11.2010

TMF, Fraunhofer IBMT und sechs Biobankpartner legen den Grundstein für eine zentrale Deutsche Biobanken-Infrastruktur.

Obwohl überwiegend mit öffentlichen Mitteln aufgebaut, sind Biobanken für externe Forscher bisher nur sehr eingeschränkt zugänglich. Dies soll sich ab 22. November 2010 ändern, wenn die ersten sechs deutschen Biobanken in einer »Abstimmungskonferenz« in Berlin ihre Zusammenarbeit beim Aufbau des »Projektportals im Deutschen Biobanken-Register« beginnen und gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) und der TMF-Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. den Grundstein für eine zentrale deutsche Biobanken-Infrastruktur legen.

Das Projektportal wird vom BMBF gefördert und soll mittelfristig alle großen Biobanken für externe Forschungsprojekte erschließen, die im Deutschen Biobanken-Register der TMF registriert sind (www.biobanken.de).

Die folgenden Biobanken beteiligen sich als erste am Aufbau des Projektportals:

  • BioPsy (Neuropsychiatrische Erkrankungen, Mannheim)
  • CNHF (Herzinsuffizienz, Berlin)
  • Komp-Net HIV/AIDS (HIV/AIDS, Bochum)
  • Pediatric Diabetes Biobank (Diabetes bei Kindern, Ulm)
  • SepNet Biobank (Sepsis, Jena)
  • SHIP (Epidemiologische Gesundheitsstudie, Greifswald)

Die bisherigen sechs Biobanken enthalten jeweils Zehntausende Proben und Datensätze von Patienten sowie über 4 000 Probanden und ein Vielfaches an Proben der epidemiologischen Gesundheitsstudie »Study of Health in Pomerania« (SHIP). Weitere Biobanken sind eingeladen, sich am Projektportal zu beteiligen. In Zukunft soll eine Infrastruktur geschaffen werden, die allen Forschern den Zugang zu den verschiedenen deutschen Humanbiobanken über das Internet und eine zentrale Datenbank ermöglicht.

Über die TMF:
Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische
Forschung e.V. ist die Dachorganisation für die medizinische Verbundforschung in Deutschland. Sie stellt ihre Lösungen – von Gutachten über generische Konzepte und IT-Anwendungen bis hin zu Schulungs- und Beratungsangeboten der Arbeitsgruppen – öffentlich und gemeinfrei zur Verfügung. Mit Förderung des BMBF baut die TMF derzeit auch das Deutsche Biobanken-Register auf.

Über das Fraunhofer IBMT:
Das Fraunhofer IBMT ist als international führender Technologieentwickler zur
Kryokonservierung biologischer Materialien und zum Aufbau großer Kryobanken Partner und Dienstleister zahlreicher Biobanken, darunter auch CRIP-Partner. Management und IT-Expertise der CRIP sind seit 2007 mit der Gruppe »Biodatenbanken« am Fraunhofer IBMT angesiedelt.

Über CRIP:
Die »Central Research Infrastructure for molecular Pathology« (kurz: CRIP) ist die zentrale Infrastruktur für molekularpathologische Forschung und macht die Biobanken der Partner auf einmal für Forschungsprojekte zugänglich. CRIP Partner sind bisher: Charité Universitätsmedizin Berlin (Campus Benjamin Franklin und Campus Mitte), Klinikum rechts der Isar / TU München, Medizi-nische Universität Graz und Universitätsklinikum Erlangen.

Weitere Informationen:
http://crip.fraunhofer.de
http://www.biobanken.de
http://www.ibmt.fraunhofer.de
http://www.tmf-ev.de
http://www.zi-mannheim.de/biobank.html
http://www.knhi.de/Kompetenznetz/Aktuelles/index.jsp
http://www.kompetenznetz-hiv.de
http://buster.zibmt.uni-ulm.de/peda-qs
http://www.kompetenznetz-sepsis.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html

 

 

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Kryotechnologie und Logistik als Dienstleistung

09.11.2010

Das Unternehmen BioKryo GmbH bietet am Standort Sulzbach/Saar die Kryolagerung von therapeutisch wertvollem biologischem Material, wie z. B. Stammzellen oder Gewebeproben an. In dem Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) wurden über zehn Jahre Erfahrung in der Kryotechnologie und der Stammzellforschung eingebracht. Nun ist es möglich, auch für Kunden aus z. B. der Biotechnologie- und der Pharmabranche, die angebotene hoch spezialisierte Tieftemperaturlagerung, in der sie z.B. wertvolle Zelllinien als Back-Up aufbewahren können, anzubieten. Die BioKryo GmbH besitzt eine Herstellungserlaubnis nach § 20c AMG für die Lagerung von therapeutischem Gewebe oder Stammzelllinien.

Die BioKryo GmbH präsentierte jüngst auf der MEDICA das System »Lighthouse« zur automatischen Identifizierung und Erfassung kryokonservierter Proben. In Verbindung mit den intelligenten Probenröhrchen der Firma Perma Cryo Technology GmbH können mit diesem System die Proben in kalter Umgebung z. B. für eine Verschickung vorbereitet werden. Die Dokumentation dieses Prozesses erfolgt voll automatisch in einer speziellen Datenbank.

Zusammen mit weiteren Kooperationspartnern ist die BioKryo GmbH neben der Lagerung des biologisch wertvollen Materials in der Lage, diagnostische und logistische Dienstleistungen wie z.B. die HLA-Typisierung oder die weltweite Versendung von Proben durchzuführen.

Weitere Informationen:
http://www.biokryo.com

 

 

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Deutsches Konsortium für translationale Krebsforschung

08.11.2010

Das Deutsche Konsortium für translationale Krebsforschung ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und soll dazu beitragen, aktuelle Forschungsergebnisse noch schneller in die Patientenversorgung zu übertragen.

Die Partner des neuen Konsortiums stehen nun fest: Insgesamt hatten sich 17 Universitätskliniken als Partnerstandorte beworben. Ein international besetztes Gutachtergremium entschied über die Auswahl der Partnerstandorte des Konsortiums. Das DKFZ übernimmt die Funktion des Kernzentrums und bringt gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in das Konsortium ein. Als weitere Partnerstandorte wurden ausgewählt:

  • Charité Comprehensive Cancer Center, Universitätsmedizin Berlin
  • Universitäts KrebsCentrum, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden
  • Westdeutsches Tumorzentrum, Universitätsklinikum Essen
  • Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt
  • Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer – Comprehensive Cancer Center Freiburg, Universitätsklinikum Freiburg
  • Klinikum der Universität München, Klinikum der Technischen Universität München
  • Südwestdeutsches Tumorzentrum – Comprehensive Cancer Center, Universitätsklinikum Tübingen

Gemeinsam mit den zukünftigen Partnern wird nun ein Gesamtkonzept erarbeitet und dargelegt, wie durch diese Kooperation ein Mehrwert in Forschung und Krebsmedizin entstehen wird. Nach einer weiteren Prüfung dieses Konzepts durch das Expertengremium fällt die finale Entscheidung ins erste Quartal 2011. Das BMBF wird das Konsortium mittelfristig mit jährlich 33 Millionen Euro finanzieren. Nach Etablierung des Konsortiums stellt die Deutsche Krebshilfe den universitären Partnern auf Antragstellung und nach entsprechender Begutachtung zusätzliche Fördergelder für definierte Projektvorhaben im Kontext des Deutschen Konsortiums für translationale Krebsforschung zur Verfügung.

Das Deutsche Konsortium für translationale Krebsforschung ist eines der sechs
geplanten „Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung“. Damit will die Bundesregierung die bundesweite strategische Zusammenarbeit der besten Wissenschaftler und Kliniker bei der Erforschung der großen Volkskrankheiten fördern. Das Modell sieht gleichberechtigte Partnerschaften zwischen einem außeruniversitären Zentrum und Universitäten sowie Universitätsklinika vor.

Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

 

 

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Biomechanik des Tumorwachstums

08.11.2010

Forscher des Instituts für Experimentalphysik der Universität Leipzig haben herausgefunden, dass bestimmte biomechanische Eigenschaften von Tumorzellen deren Wachstum und Verbreitung im menschlichen Körper vorantreiben. Drei biomechanische Eigenschaften stehen für diesen Vorgang im Blickpunkt:

Erstens wird das äußere Zellskelett, der so genannte Aktinkortex, bei einer Krebszelle zunächst deutlich weicher und erlaubt somit ein schnelleres Wachstum sowie eine schnelle Vervielfältigung. Um verdrängend gegen ihre Umgebung anwachsen zu können, scheint eine lineare Versteifung, wie sie durch den Aktinkortex gewährleistet würde, nicht nötig zu sein. Stattdessen werden, zweitens, Elemente des Zytoskeletts betont, die den ganzen Tumorzellverband verhärten und diesen in in die Lage versetzen, seine Umgebung zu verdrängen. Drittens kontrahieren Tumorzellen auf mechanische Impulse. Dadurch können sich einzelne Zellen aus ihrem Zellverband lösen und mit anderen Zellen Kontakt aufnehmen. Aufgrund dessen sind diese Zellen in der Lage, den Primärtumor zu verlassen und zu migrieren.

Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~pwm

 

 

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Neue Hemmstoffe für mutiertes Ras-Protein: Ein Ansatz für molekulare Krebstherapien?

26.10.2010

Das Ras-Protein ist ein molekularer Schalter, mit dem eine ganze Reihe von zellulären Prozessen an- oder abgeschaltet werden kann. Dabei wechselt es zwischen einem inaktiven und einem aktiven Zustand. Im aktiven Zustand kann das Protein mit sogenannten Effektor-Proteinen wechselwirken, die Prozesse wie Zellwachstum und -entwicklung in Gang setzen. Ist das Ras-Gen allerdings an bestimmten Stellen mutiert, wird aus dem Protoonkogen ein Onkogen – der Schalter für das Zellwachstum wird dauerhaft „angeschaltet“ und die Zellen vermehren sich unkontrolliert. Entsprechend finden sich in etwa 30 % aller menschlichen Tumoren Mutationen im Ras-Protein (onkogenes Ras). Es werden deshalb große Anstrengungen unternommen, um die molekularen Grundlagen der Schalterfunktion von Ras-Proteinen zu verstehen und Medikamente gegen onkogenes Ras zu entwickeln.

Wissenschaftlern unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Hans Robert Kalbitzer am Institut für Biophysik und Physikalische Biochemie der Universität Regensburg ist es in diesem Zusammenhang gelungen, einen neuen Ansatzpunkt zur Hemmung der unkontrollierten Ras-Effektor-Wechselwirkung zu entwickeln. Die Forscher konnten nachweisen, dass Metall-Cyclene eine vielversprechende Grundlage zur pharmakologischen Unterdrückung der vom Ras-Protein abhängigen Signalübertragungen in der Zelle darstellen. Sie nutzen dabei aus, dass das durch GTP-Bindung aktivierte Ras-Protein in zwei Konformationen bzw. Anordnungen vorkommt. Nur eine der Konformationen ist in der Lage, das Proliferationssignal bzw. das Signal für die Zellentwicklung weiterzuleiten. Die andere, seltene Konformation hat andere biologische Funktionen. Durch die Bindung von Zn²+-Cyclen kann die für die Signalweiterleitung ungeeignete Konformation 1(T), die Effektoren nur schwach bindet, auf Kosten der anderen Konformation 2(T) stabilisiert werden. Die Signalweiterleitung ist dann unterbrochen.

Eine 3D-Struktur des Komplexes von Ras mit Zn²+-Cyclen konnte mit Hilfe der NMR-Spektroskopie bestimmt werden und bildet die Grundlage für das rationale Design von neuen, besser bindenden Substanzen. Mögliche Anwendungsbereiche der Forschungsergebnisse liegen in der Entwicklung neuartiger molekularer Therapien gegen unterschiedlichste Krebsarten.

Weiterlesen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.200907002/abstract

 

 

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SecinH3 bremst ErbB-Rezeptor-vermitteltes Tumorwachstum

15.10.2010

Wissenschaftler aus Bonn, Dortmund und Köln haben in einer Studie an Mäusen den Mechanismus aufgeklärt, mit dem die Zellteilung über ErbB, dem zellulären Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktors EGF, reguliert wird. Diese Ergebnisse haben insbesondere Bedeutung bei verschiedenen Tumorarten, da der ErbB-Rezeptor hier in den Krebszellen überexprimiert wird. Dockt EGF an seinen Rezeptor ErbB an, dimerisiert dieser mit einem zweiten ErbB-Molekül zu seiner aktiven Konformation und erhöht daraufhin die Zellteilungsrate. Die neue Studie konnte zeigen, dass der Dimerisierungsprozess sterisch von bestimmten Molekülen gesteuert wird, die als Cytohesine bezeichnet werden.Seit langem wird versucht, Krebstherapien auf Basis der Aktivitätskontrolle des ErbB-Rezeptors zu entwickeln. Die aktuellen Ergebnisse weisen dazu nun einen neuen Weg: die Hemmung der Cytohesine. Die Forscher um den Projektleiter Famulok nutzten in ihrer Studie den Cytohesin-Hemmstoff SecinH3. SecinH3 konnte dabei Bronchialkarzinomzellen von Mäusen signifikant in ihrem Wachstum bremsen. Ob und inwiefern sich die Ergebnisse für Therapien beim Menschen anwenden lassen, muss allerdings noch in weiteren Untersuchungen gezeigt werden. 

Weiterlesen:
Famulok et al.:Cytohesins Are Cytoplasmic ErbB Receptor Activators, Cell 2010
http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6WSN-517H7T0-8&_user=10&_coverDate=10%2F15%2F2010&_rdoc=1&_fmt=high&_orig=search&_origin=search&_sort=d&_docanchor=&view=c&_acct=C000050221&_version=1&_urlVersion=0&_userid=10&md5=532603dadb03dd8ac34195d2ad1b9e65&searchtype=a

 

 

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Myc-Proteine können Krebs auslösen

22.09.2010

Die Transition einer normalen, ausdifferenzierten Körperzelle in eine Tumorzelle kann durch viele verschiedene molekulare Mechanismen verursacht werden. Einen Mechanismus haben nun Forscher der Universität Würzburg aufdecken können. Im zellulären Processing von Myc-Proteinen konnte eine biochemische Interaktion beschrieben werden, die zu einer unphysiologisch hohen Konzentration dieser Proteine in der Zelle führt.

Permanent produziert eine Zelle bestimmte Proteine, die an anderer Stelle ihre Aufgaben verrichten und an einer dritten Stelle wieder abgebaut werden.  Dieser Prozess ist im Normalfall exakt austariert. Bringt jedoch eine Störung die Abläufe aus dem Gleichgewicht, kann sich eine betroffene Zelle unter Umständen zur Tumorzelle verwandeln.

Myc-Proteine sind notwendig, damit Zellen normal wachsen und sich teilen können. Ist aber zu viel Myc-Protein vorhanden, teilen sich die Zellen vermehrt und bilden Tumore. Dazu kommt es aber normalerweise nicht, weil die Myc-Proteine in der Regel knapp 30 Minuten nach ihrer Synthese von der Zelle selbst wieder abgebaut werden. Das Signal zu diesem Verdau bringt das Myc-Protein via eines sog. Tags quasi von selbst mit. Der Tag besteht aus einer Kette von Ubiquitin-Molekülen, die auf eine ganz bestimmte Art durch das Enzym Fbw7 an das Myc-Protein gekoppelt sind. Dieser Tag leitet den Verdau des Myc-Proteins ein.

In menschlichen Tumorzellen fehlt aber häufig das Fbw7, oder ist nur in geringer Konzentration vorhanden. Stattdessen überexprimieren die Zellen oft ein Protein namens beta-TrCP. Das beta-TrCP heftet Ubiquitin-Moleküle in einer anderen Art und Weise an das Myc-Protein als das durch Fbw7 geschieht, so dass diese Proteinketten nun nicht mehr als Signal zum Abbau von Myc erkannt werden und die Myc-Konzentration in der Zelle ansteigt. Als fatale Folge kann die Zelle dadurch mit einer erhöhten Vermehrungsrate entarten und zur Tumorzelle werden.

Weiterlesen:
Popov N et al., Nature Cell Biology, Sept. 2010

 

 

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Stressprotein HSP12 verhindert Löcher und Risse in Membranen

27.08.2010

Das Hitzeschockprotein Hsp12 hilft Zellen unter lebensbedrohlichen Bedingungen zu überleben. Bisher war allerdings unklar, wie genau dies funktioniert. Wissenschaftler der TU München entdeckten nun bei HSP12 einen völlig neuen Wirkungsmechanismus.

Hitzeschockproteine (HSPs), auch als Stressproteine bezeichnet, helfen Zellen in Not- oder Stresssituationen, ihre Funktionen aufrecht zu erhalten. Sie werden oft in enormen Mengen gebildet, nachdem Zellen Hitze oder anderen Arten von belastenden Umwelteinflüssen ausgesetzt wurden. Die Eiweiße sorgen dann dafür, das der Zellmechanismus trotz der widrigen Umstände nicht zum erliegen kommt. Viele HSPs arbeiten dabei als Faltungshelfer oder -stabilisator für andere Eiweiße, manche dagegen verhindern schädliche Proteinzusammenrottungen in den Zellen oder lösen diese auf oder schützen die Ribosomen und Erbgutmoleküle. Was die vielen unterschiedlichen Stressproteine tun und wie sie den Zellen helfen ist generell aber noch sehr unzureichend erforscht. Noch rätselhafter bleiben Einzelfälle wie die Funktion des Hitzeschockproteins HSP12.

Gestresste Zellen bilden HSP12 mehrere hundert Mal häufiger als im Normalzustand. Werden sie daran gehindert, so leidet darunter unter anderem ihre äußere Struktur. In ihren Experimenten mit Wildtyp- und Hsp12-Knockout-Zellen des Modellorganismus' Saccharomyces cerevisiae zeigten die Münchener Wissenschaftler, dass das im Zytosol vollkommen entfaltet vorkommende Protein sich an bestimmte geladene Lipidseitenketten in den Biomembranen der Zelle anlagert und sich dort zu einer helixartigen Struktur faltet. In der Folge wird die Fluidität der Membranen deutlich verändert und damit letztlich deren Stabilität moduliert.

Durch diese erstmals beobachtete Wirkungsweise von HSPs definiert das HSP12 möglicherweise eine gänzlich neue Klasse von Stressproteinen, die z.B. auch bei der Resistenz von Krebszellen gegenüber Chemotherapeutika eine Rolle spielen könnten.

Further Reading:
http://download.cell.com/molecular-cell/pdf/PIIS1097276510005836.pdf?intermediate=true

 

 

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Schüler werden Urologe für einen Tag

24.08.2010


Eine Neuerung auf dem 62. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie stellt der Workshop "Werde Urologin / Urologe für einen Tag" dar. Damit öffnet sich der DGU-Kongress erstmalig für Schülerinnen und Schüler mit Interesse am Arztberuf. Ziel ist es, den potenziellen ärztlichen Nachwuchs schon frühzeitig für das Fach Urologie zu begeistern.

In anschaulichen Vorträgen werden die jungen Menschen an das Fach Urologie und den Beruf des Urologen herangeführt. Anschließend dürfen die Teilnehmer praktisch Hand anlegen: ob Blasenspiegelung, Prostataoperation oder Steine entfernen - für alle OP-Techniken stehen Simulatoren bereit. Nahttechniken werden über "echte Operationen" an Hühnerbeinen vermittelt. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler die Nieren ihrer Klassenkameraden mit dem Ultraschall unter die Lupe nehmen. Zum Abschluß werden die Schüler in Kleingruppen über den Kongress geführt.

Bitte finden Sie unter folgendem Link detaillierte Informationen zu dieser Nachwuchsinitiative:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/DGU10-Schuelerkongress.pdf

 

 

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Evidenzbasierte Patientenratgeber Prostatakarzinom

20.08.2010

Zum lokal begrenzten wie zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom liegen nun die entsprechenden Patientenratgeber als Online- und Printversionen vor.

Mit dem Ratgeber informieren die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse über das Prostatakarzinom. Darüber hinaus soll die Leitlinie den Patienten dabei unterstützen, seinen Ärzten die richtigen Fragen zu stellen und ihn dazu ermutigen, die Entscheidung für oder gegen eine Therapiemethode in Ruhe und nach ausführlicher Beratung zu treffen. Der Text der Patientenleitlinie beruht auf der „Interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“. Diese wissenschaftlich begründete Empfehlung zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge wurde in der Patientenleitlinie in eine allgemeinverständliche Sprache für Betroffene „übersetzt“. Dies ist eine der Zielsetzungen des „Leitlinienprogramms Onkologie“, das von den oben genannten Organisationen gemeinsam initiiert wurde.

Die Broschüre wurde von Patientenvertretern und Ärzten aus dem Kreis der Leitlinienautoren unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) gemeinsam erstellt. Betreuung und Redaktion erfolgten durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V., war bei der Entstehung der Broschüre eng in den Redaktionsprozess eingebunden.

Die Broschüren sind bei der Deutschen Krebshilfe in Bonn kostenlos unter der Telefonnummer 0228 - 72 99 00 erhältlich. Unter den folgenden Links können die Patientenratgeber auch online vom Server der DKH heruntergeladen werden:
Prostatakrebs 1: Lokal begrenztes Prostatakarzinom
http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/docs/OL_PLL_Prostatakrebs_1.pdf
Prostatakrebs 2: Lokal fortgeschrittenes und metastasierten Prostatakarzinom
http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/docs/OL_PLL_Prostatakrebs_2.pdf

 

 

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Prof. Stolzenburg zum Ehrenmitglied des Royal College of Surgeons of England ernannt

17.08.2010

Das Royal College of Surgeons of England verlieh dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig die „Fellowship by Election“. Damit ist Prof. Stolzenburg der erste Deutsche Urologe, dem diese Ehre zuteil wurde. Das Royal College of Surgeons of England, dessen Wurzeln bis 1540 in die Zeit Heinrich VIII. zurückreichen, ist weltweit eine der ältesten medizinischen Vereinigungen für die chirurgischen Fächer. Ausgezeichnet wurden besonders seine Verdienste um die Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Studenten in der minimal-invasiven Chirurgie sowie für die Etablierung der urologischen Laparoskopie in England.

In Leipzig hat Prof. Stolzenburg mit der von ihm entwickelten Endoskopischen Extraperitonealen Radikalen Prostatektomie (EERPE) in der operativen Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms neue Akzente gesetzt. Er bildet in einem von ihm geleiteten internationalen Trainingszentrum für urologische Laparoskopie am Universitätsklinikum Leipzig Urologen aus aller Welt in verschiedenen laparoskopischen Techniken aus.

Weitere Informationen:
http://urologie.uniklinikum-leipzig.de

 

 

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AUA 2011

05.08.2010

Das AUA Annual Meeting 2011 findet vom 14. bis 19. Mai 2011 in Washington, DC., statt.

Das Abstract Submission System ist ab sofort unter der Internetadresse http://submissions.miracd.com/AUA2011 geöffnet.

Deadline für Vorträge und Poster:  Mo., 15.11.2010
Deadline für Video-Beiträge:           Mo., 08.11.2010

Teilnehmer können sich ab dem 7.12.2010 registrieren.

Weitere Informationen:
http://www.aua2011.org

 

 

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Pelviperineology: Online-Journal zum "Beckenboden"

28.07.2010

Mit der Zeitschrift "Pelviperineology" gibt es ein interdisziplinäres Online-Journal für Originalarbeiten, Reviews und Fallberichte rund um den Themenbereich Beckenboden. Pelviperineology ist online frei erhältlich und lädt Sie herzlich ein, auch Ihre Beiträge dort einzureichen.

Further Reading:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/Pelviperineology.pdf
http://www.pelviperineology.org

 

 

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"A-rule"-Mutagenese-Mechanismus aufgeklärt

22.07.2010

Wissenschaftler der Universität Konstanz gewannen grundlegende Einsichten in den molekularbiologischen Mechanismus, welcher einem häufigen und hochgradig mutagenen Replikationsfehler in den Zellen und damit auch der Entstehung von Krebserkrankungen zu Grunde liegt.

Fehlende Basen auf DNA-Template-Strängen gelten als eine der häufigsten Ursachen für Mutationen. Dass eine solche Lücke auf dem Tochterstrang i.d.R. mit der Base Adenin aufgefüllt wird, ist seit langem als sog. "a-rule" bekannt, galt aber bislang als ungeklärtes Phänomen. Als wahrscheinlich wurden DNA-immanente Ursachen postuliert.

Die neue Studie der interdisziplinären Konstanzer Arbeitsruppe konnte nun mit Hilfe von molekularbiologischen und röntgenkristallographischen Untersuch-ungen klären, dass nicht eine DNA-intrinsiche Ursache für den bevorzugten Adenin-Einbau verantwortlich ist, sondern die sterische Beschaffenheit der beteiligten DNA-Polymerase.

Dabei füllt die Aminosäure Tyrosin der DNA-Polymerase mit seinem Phenolrest den Raum der fehlenden Template-Nucleobase aus und fördert die Bildung von Wasserstoffbrückenbindungen mit einer Purinbase auf der gegenüber-liegenden, im Entstehen befindlichen Tochterstrangseite. Struktur- und physikochemisch bedingt, geschieht dies bevorzugt mit der Purinbase Adenin (und nicht mit Guanin).

Die Wissenschaftler untermauerten ihr Modell des "Templatings" durch Aminosäure-Seitenketten über den Austausch der Aminosäure Tyrosin durch die Aminosäure Tryptophan im DNA-Polymerase-Molekül. Damit wurde eine Nucleotidbasen-Lücke auf Templateseite durch den Indolrest des Tryptophans ausgefüllt und in Folge dessen eine Pyrimidinbase in den Tochter-strang eingebaut.

Die grundlagenwissenschaftlichen Daten dieser Studie erlauben erstmalig eine exakte Beschreibung der Entstehung von Punktmutationen durch einen "Reparatur"-Mechanismus basierend auf einem "Aminosäure-Seitenketten-Templating".

Further Reading:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/Marx.pdf
http://www.chemie.uni-konstanz.de/~agmarx/WELCOME_HAUPTSEITE.HTM

 

 

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ICGC-Forschungsverbund Prostatakrebs entschlüsselt Genome von Prostatatumoren

22.06.2010

Vorrangiges Ziel der Krebsforschung ist die maßgeschneiderte Behandlung für jeden Krebspatienten, um unwirksame oder übermäßige Therapien und unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Dazu ist das Wissen über die genetischen Ursachen der Krebsentstehung unverzichtbar. Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten deshalb im "Internationalen Krebs Genom Konsortium" (ICGC) daran, die Genome von 50 Krebsarten zu entschlüsseln.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Martini-Klinik am UKE werden vom Bundesministerium für Bildung- und Forschung (BMBF) als Teil des „Internationalen Krebs Genom Konsortium“ (ICGC) gefördert. Das ICGC ist das größte und ehrgeizigste biomedizinische Forschungsprojekt seit dem Humangenomprojekt, bei dem es gelang, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln. Insgesamt sollen 50 Krebsarten entschlüsselt werden.

Der ICGC-Forschungsverbund Prostatakrebs wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Universitätsklinikum und der Martini-Klinik in Hamburg-Eppendorf (UKE) koordiniert. In Hamburg koordinieren Priv.-Doz. Dr. Torsten Schlomm, leitender Arzt an der Martiniklinik, und Prof. Dr. Guido Sauter, Direktor des Instuts für Pathologie des UKE, den Verbund. Ziel ist es, in den kommenden fünf Jahren die vollständigen Genome von Prostatatumoren von Männern zu entziffern. Die Forscher möchten mit dieser Mammutaufgabe eine Karte aller genetischen Veränderungen beim Prostatakrebs erstellen und genetische Ursachen der Prostatkrebsvererbung identitizieren.

Die heutigen Chefärzte der Martiniklinik, Prof. Hartwig Huland und Prof. Markus Graefen, haben in jahrelanger Vorarbeit bereits Anfang der 90er Jahre die Grundlage für diese internationalen Spitzenposition der Martiniklinik gelegt. Auch der international renommierte Spezialist in der Prostatapathologie, Prof. Guido Sauter, hat als Erfinder der Gewebemicroarry-Technik einen wesentlichen Baustein gelegt.

Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de/de/international_cancer_genome_consortium_.html

 

 

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Funktion des ER-Membranproteins Sec62 beim Prostatakarzinom

18.06.2010

Den Forschungspreis der "Freunde des Universitätsklinikums des Saarlandes e.V." in Höhe von 20.000 EURO erhält Dr. Markus Greiner von der Abteillung Medizinische Biochemie und Molekularbiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes für seine Arbeiten zum Thema "Funktion des ER-Membranproteins Sec62 in der Tumorprogression und Metastasierung des Prostatakarzinoms".

Der Gehalt an Sec62 ist im Gewebe einer Tumor-befallenen Prostata erhöht. Der erhöhte Sec62-Gehalt findet sich insbesondere in fortgeschrittenen Tumoren und solchen Tumoren, die aggressiv andere Organe (z.B. die Samenblase) befallen haben. Das bedeutet, dass Sec62 möglicherweise eine Funktion bei der Metastasierung des Prostatakarzinoms hat somit als „prognostischer“ Marker eingesetzt werden könnte. In einem experimentellen Labormodell konnten die Forscher um Dr. Greiner zeigen, dass ohne Sec62 kein invasives Wachstum der Krebszellen möglich ist. Zudem haben die Experimente ergeben, dass Sec62 die Krebszellen vor der wachstumshemmenden Wirkung eines Chemotherapeutikums schützt. Patienten mit erhöhtem Sec62-Gehalt im Tumor könnten daher von einer solchen Therapie nicht profitieren. Andererseits könnten die molekularen Signalwege, über die Sec62 die Metastasierung der Prostatakarzinomzellen ermöglicht, neue therapeutische Ansatzpunkte darstellen.

Weitere Informationen:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/199578
http://www.uks.eu/biochemie

 

 

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Deutscher Ethikrat zu Biobanken

16.06.2010

Der Deutsche Ethikrat hat unter dem Titel "Humanbiobanken für die Forschung" seine zweite Stellungnahme zum Thema Biobanken verabschiedet. Darin schlägt der Deutsche Ethikrat ein Fünf-Säulen-Konzept für die gesetzliche Regulierung von Biobanken vor. Es umfasst Empfehlungen zur Einführung eines Biobankgeheimnisses, zur Festlegung der zulässigen Nutzung, zur Einbeziehung von Ethikkommissionen, zur Qualitätssicherung und zur Transparenz. Ziel der Empfehlungen ist es, für die Interessen und Persönlichkeitsrechte der Spender einen adäquaten Rechtsrahmen zur Verfügung zu stellen, für die Biobankforschung mehr Rechtssicherheit zu schaffen und die Forschung gleichzeitig zu erleichtern. Der Ethikrat empfiehlt zudem, international verbindliche Schutzstandards anzustreben. Er unterbreitet in seiner Stellungnahme eine Reihe von Vorschlägen für die Sicherung des Biobankgeheimnisses beim Austausch von Proben und Daten mit Kooperationspartnern im Ausland.

Die in der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) zusammengeschlossenen Wissenschaftler und Biobank-Betreiber befürworten diese neue Intention des Ethikrates, das bisherige Konzept der individuellen Einwilligung der Spender durch flankierende Vertrauensschutzmaßnahmen seitens der Biobanken zu ergänzen, um so gleichermaßen den Spenderschutz zu stärken und die Rahmenbedingungen für die medizinische Forschung zu verbessern.

Ausdrücklich begrüßt auch die AG BMB der TMF auch die Betonung des Transparenzgebots in der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates sowie die Forderung nach Einrichtung eines zentralen öffentlichen Registers für Biobanken. Die AG BMB weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die TMF derzeit mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Deutsche Biobanken-Register aufbaut, welches durch öffentlich zugängliche Informationsangebote und durch Schnittstellen zu vergleichbaren europäischen Vorhaben flankiert werden soll.

Weitere Informationen:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/DER-Stellungnahme.PDF
http://www.ethikrat.org
http://www.tmf-ev.de
http://www.biobanken.de

 

 

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Neue "Theragnostik" des Prostatakarzinoms

11.06.2010

Beim Prostatakarzinom sind die zielgenaue Diagnose und eine daran ausgerichtete Therapie für den Behandlungserfolg maßgebend. Hier arbeitet das BMBF geförderte Projekt "MoBiGuide" an einem neuen Qualitätsstandard: Molekularbiologische Techniken werden mit medizinischer Navigation und Bildgebung zu einem so genannten Theragnostik-Konzept verschmolzen.

Bleibt bei einer Prostataresektion Tumorgewebe an den Schnitträndern zurück, verschlechtert sich die Prognose der Patienten erheblich. Aktuell kann dieses Risiko nur durch Gewebeentnahmen während der Operation minimiert werden, die dann aufwändig mikroskopisch untersucht werden müssen. Dies kostet während der Operation viel Zeit und kann auch nur stichprobenartig erfolgen, da gerade in den kritischen Bereichen, wie Nervensträngen oder am Schließmuskel, schon kleinste Gewebeentnahmen zu ernsthaften Schädigungen führen können.

Ziel von "MoBiGuide" ist die exaktere Lokalisierung der Tumorausbreitung (Staging). Hierzu wird eine leistungsstarke Bildgebung im Kernspintomographen dazu genutzt, die tumorverdächtigen Areale in den Grenzbereichen der Prostata genau zu identifizieren. Die dann von einem exakt navigierten Probennehmer entnommenen Gewebeproben werden im nächsten Schritt intraoperativ durch einen  an den Probennehmer angeschlossenen Mikrofluidchip analysiert. Auf dem mit winizigen Kanälchen durchzogenen Chip befinden sich Antikörper gegen verschiedene Biomarker des Prostatakarzinoms, wodurch Tumor und gesundes Gewebe unterschieden werden können.

Das "MoBiGuide"-Theragnostik-Systemkonzept zur Anwendung bei der (laparoskopischer) Prostatektomie wurde in Kooperation der Fraunhofer-Institute für Angewandte Informationstechnik (FIT) und Molekularbiologie & Angewandte Ökologie (IME), der Firmen LOCALITE GmbH, PharmedArtis, R-Biopharm AG und KARL STORZ GmbH & Co. KG, sowie der Klinik für Diagnostische & Interventionelle Radiologie und der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig entwickelt.

Weitere Informationen:
www.bmbf-mobiguide.de

 

 

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Neuer Patientenratgeber zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom

21.05.2010

Der Patientenratgeber „Prostatakrebs II – lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Protstatakarzinom“ unterstützt betroffene Männer, eine angemessene Therapieentscheidung zu treffen. Er beruht auf der neuen ärztlichen S3-Leitlinie zu Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms und damit auf dem besten derzeit verfügbaren medizinischen Wissen. Die Empfehlungen der ärztlichen Leitlinie werden laienverständlich übersetzt und mit Hintergrundinformationen angereichert. Damit verfügen Patienten über genaues Wissen darüber, nach welchen Kriterien und Maßgaben ihre Krankheit idealer Weise behandelt werden sollte.

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebstodesursachen bei Männern. Doch auch im fortgeschrittenen und metastasierten Stadium können Männer unter Umständen längere Zeit beschwerdefrei mit ihrem Tumor leben. Im späten Erkrankungsstadium stehen vor allem die Schmerzfreiheit und der bestmögliche Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund der Behandlung.

Der Ratgeber wurde von Patientenvertretern und Ärzten aus dem Kreis der Leitlinienautoren unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) erstellt. Betreuung und Redaktion erfolgten durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Gefördert wird der Patientenratgeber durch das Leitlinienprogramm Onkologie, das gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Krebshilfe (DKH) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) getragen wird. Der bereits fertige Ratgeber zum lokal begrenzten Prostatakarzinom ist auf den Internetseiten des ÄZQ ebenfalls kostenlos herunterzuladen oder als Broschüre bei der Deutschen Krebshilfe bestellbar.

Weitere Informationen:
Link zum kostenlosen Download: http://www.aezq.de/edocs/pdf/info/pl-pca-II.pdf

Ratgeber zum lokal begrenzten Prostatakarzinom: http://www.aezq.de/edocs/pdf/info/pl-prostatakarzinom


Alle Patientenleitlinien des ÄZQ: http://www.patienten-information.de/nachrichten/patientenleitlinien


Informationen zum Leitlinienprogramm Onkologie: http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/OL/leitlinienprogramm_onkologie.html

 

 

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Optische Fertilitätsprüfung von Spermien

18.05.2010

Bochumer Chemikern ist es gelungen, gesunde und beschädigte Spermien anhand ihrer spektralen, chemischen Signatur in Sekundenschnelle zu unterscheiden. Die Technik hat das Potential für einen neuartigen Fertilitätstest, der nicht nur morphologische sondern auch chemische Signaturen berücksichtigt.

Die RUB-Forscher konnten feststellen, dass zelluläre Schäden auf molekularer Ebene in den Mitochondrien vorhanden sein können, obwohl Änderungen in Form und Morphologie nicht nachweisbar sind. Dies unterstreicht, dass neben der Morphologie, die üblicherweise für die Charakterisierung von Spermien verwendet wird und in Richtlinien der WHO Manual for Andrology Laboratories vorgegeben ist, nun auch chemische Signaturen zur Charakterisierung aufgenommen werden sollten.

Das Forscherteam konnte ohne zusätzliche Markierung dreidimensionale, hochaufgelöste chemische Karten erstellen. Dabei nutzt die verwendete Raman-Mikroskopie die charakteristischen Schwingungen der einzelnen Moleküle, um so einen Fingerabdruck der einzelnen zellulären Komponenten zu erhalten. Zusammengesetzt zu einer chemischen Landkarte werden damit Organellen von Spermien visualisiert. Zusätzlich zur optischen Bildinformation wird erstmals die chemische Zusammensetzung von Spermien direkt abgebildet.

Diese Entdeckung könnte dazu führen, dass Standards zur Bestimmung von gesunden und geschädigten Spermien in Zukunft um objektive chemische Marker ergänzt werden, was insbesondere aufgrund der in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt weltweit dramatisch gesunkenen Spermienzahl und -beweglichkeit besondere Bedeutung zur Aufklärung der Ursachenkette haben kann.

Further Reading:
http://dx.doi.org/10.1039/b927012d

 

 

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p53: Apoptose durch Kooperative DNA-Bindung

17.05.2010

Das Tumorsuppressor-Protein p53 stoppt den Zellzyklus, wenn die DNA der Zelle geschädigt ist. Während dieses Zellzyklus-Arrests gewinnt die Zelle Zeit, die fehlerhafte DNA zu reparieren. Gelingt dies nicht, kann ebenfalls über p53 ein Apoptose-Programm eingeleitet werden, um die für den Organismus schädliche, krebsgefährdete Zelle zu eliminieren. Marburger Forscher um Prof. Dr. Thorsten Stiewe haben nun einen Mechanismus entdeckt, wie über die Fähigkeit von p53 zur intermolekularen Kooperation dabei die Entscheidung zwischen Zellzyklus-Arrest und Apoptose steuert wird.

P53 kontrolliert und beeinflusst nachgeordnete Gene des Zellzyklus, wie z.B. die Cyklin-Kinasen p21 und p27, und des Apoptose-Pathways, wie z.B. BAX oder Caspase1, durch Bindung an deren Promotoren. In ihrer Studie konnten die Marburger Forscher zeigen, dass besonders effektive, durch das Zusammenwirken mehrerer p53-Moleküle hervorgerufene p53-Promotor-Interaktionen immer an Zielsequenzen von proapoptotischen Genen auftreten und nicht an Genen des Zellzyklus.

Im Experiment in Tumorzellinien induzierte Inaktivierung dieser p53-Kooperativität hatte folglich auch keinen Einfluss auf den Zellzyklus-Arrest, sondern reduzierte nur die Apoptose-Rate. Umgekehrt zeigten Mutationen mit erhöhter p53-Kooperativität entsprechend eine erhöhte Apoptose-Rate. Diese Tumorzellen sprachen auch besser auf Chemotherapeutika an.

Als Resumé schlussfolgern die Autoren, dass Mutationen, welche die p53-Kooperativität herabsetzen, genetisch mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden seien. Die Kooperativität trage somit zur Tumorsuppressor-Aktivität von p53 bei. Möglicherweise ließen sich die neuen Erkenntnisse auch für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente nutzen, die die p53-Aktivität gezielt in die gewünschte Richtung lenken.

Further Reading:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/Stiewe_p53-cooperativity.pdf

 

 

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Ephrin-B2-vermitteltes intrazelluläres VEGF-Signalling: Neuer Regulationsweg bei der Tumorangionese

07.05.2010

Solide Tumore sind auf ein Blutgefäßsystem angewiesen, das sie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Insbesondere bösartige Tumore zeichnen sich durch ein starkes Blutgefäßwachstum aus. Ein wichtiger Ansatz in der Krebstherapie besteht daher darin, den Tumor auszuhungern, indem man das Wachstum der Blutgefäße hemmt. Bereits erfolgreich in der Klinik eingesetzte Medikamente blockieren den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) und damit die Angiogenese im  und um den Tumor. In verschiedenen Studien konnte allerdings gezeigt werden, dass einige Tumore in der Lage sind, Resistenzen gegen diese 'VEGF-targeted therapies' zu entwickeln.

Analog zu molekularen Prozessen im zielgerichteten Aussprossen von neuronalen Axonen, haben Forscher der Gießener Justus-Liebig- und der Frankfurter Goethe-Universität nun auch bei der Regulation der Angiogenese einen VEGF-vermittelten Mechanismus entschlüsseln können. Dieser über das Molekül Ephrin-B2 vermittelte Regulationsweg könnte möglicherweise eine neue Basis für die Entwicklung innovativer anti-angiogener Tumortherapien darstellen.

Die Wissenschaftler identifizierten mit Ephrin-B2 ein membrangebundenes Rezeptormolekül, welches das Aussprossen von Blutgefäßen während der Tumorentwicklung steuert. Dieses Molekül kann Signale sowohl vorwärts zu benachbarten Zellen weiterleiten als auch rückwärts in das Zellinnere. Diesen bislang unbekannten Signalweg innerhalb der Zelle haben die Arbeitsgruppen von Prof. Acker (Neuropathologie, Gießen) und Prof. Acker-Palmer (Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Frankfurt) nun aufgeschlüsselt. In ihrer Studie mit Ephrin-B2-defizienten Mäusen wurde dabei insbesondere die Bedeutung des Ephrin-B2-vermittelten VEGF R(ezeptor)2-Traffickings für die Angiogenese untersucht. Ephrin-B2 kontrolliert dabei die Internalisierung von VEGFR2 sowie dessen intrazelluläres Signalling.

Eine gleichzeitig publizierte Studie des MPI in Münster weist zudem darauf hin, dass ebenfalls der Gefäßwachstumsfaktor VEGFR3 von Ephrin-B2 beeinflusst wird. Ephrin-B2 erscheint somit als eine wichtige Zielstruktur für zukünftige therapeutische Krebsmedikamente zur Unterdrückung von unverwünschtem Gefäßwachstum.

Further Reading:
http://www.dgu-forschung.de/fileadmin/MDB/PDF/nature08995.pdf

 

 

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Drohender Nachwuchsmangel in der Klinischen Forschung

04.05.2010

Die DFG sorgt sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Klinischen Forschung. Um dem akut drohenden Mangel an jungen Medizinerinnen und Medizinern in der Wissenschaft entgegenzuwirken, hat die Senatskommission der DFG für Klinische Forschung jetzt weitreichende Empfehlungen zur Strukturierung der wissenschaftlichen Ausbildung in der Medizin verfasst. In ihr werden die zuständigen Ministerien in den Bundesländern dringend aufgefordert, Einrichtungen für den forschenden Nachwuchs an den Medizinischen Fakultäten zu unterstützen und zu fördern.

Weitere Informationen:
www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/geschaeftsstelle/publikationen/medizinausbildung_senat_klinische_forschung.pdf

 

 

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Neues Uroskop für endoskopische Eingriffe

28.04.2010

Die Klinik für Urologie am Klinikum rechts der Isar der TU München (Direktor: Prof. Dr. Jürgen Gschwend) setzt als erste Klinik ein neues multifunktionales Uroskop der Firma Siemens für endoskopische Eingriffe aller Art ein.

Mit dem Gerät kann der gesamte Urogenitaltrakt in einer einzigen Aufnahme mit sehr guter Bildqualität dargestellt werden. Bisher waren dafür zwei Röntgenbilder erforderlich. Auf nebeneinander angeordneten Monitoren kann der Operateur gleichzeitig Röntgen-, Ultraschall- und Endoskopie-Bilder aufrufen.  Die bisher übliche Bildröhre ist durch eine digitale Flachdetektor-Technologie ersetzt. Dadurch können bei der Bildgebung Teilbereiche ausgeblendet werden. Für den Patienten bedeutet dies zusammen mit der geringeren Anzahl an erforderlichen Aufnahmen eine reduzierte Strahlenbelastung.

Weitere Informationen:
www.med.tu-muenchen.de/de/news/index.php

 

 

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TMF startet Nationales Biobanken-Register

17.04.2010

Das neue Biobank-Register der TMF soll dazu beitragen, die deutschen Biobanken national wie international besser sichtbar zu machen und die Forscher dabei unterstützen, valide Qualitätsstandards für Biobanken zu entwickeln und zu etablieren.

Biobanken mit humanen Proben und klinischen Daten werden schon seit vielen Jahrzehnten und in ganz unterschiedlichen Institutionen gesammelt, beispielsweise in Kliniken, in Forschungsinstituten, ebenso wie in Pharma- und Biotech-Unternehmen. Die Zielsetzungen sind vielfältig: Biobanken dienen der Diagnostik, der klinischen und der epidemiologischen Forschung sowie der Grundlagenforschung. Für die moderne Medizin sind Biobanken eine sehr wertvolle Ressource. Neben den großen Biobanken, die im Rahmen öffentlich geförderter Forschungsvorhaben oder auf private Initiative hin entstanden sind, existiert eine Vielzahl kleinerer Sammlungen, die bislang nicht zentral registriert sind. Gerade diese kleinen Biobanken sind deshalb in der Regel schwer zugänglich und dadurch für die Forschung in Deutschland nur eingeschränkt nutzbar.

Das Biobanken-Register baut auf Vorarbeiten der TMF auf und wird unter http://www.biobanken.de sukzessive ausgebaut. Unter dieser Adresse existiert schon jetzt ein Web-basiertes Open-Access-Verzeichnis medizinisch relevanter Biomaterialbanken in Deutschland. Dieses Verzeichnis wird nun nach und nach ausgebaut. Das neue Nationale Biobanken-Register wird in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung stehen.

 

 

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Krebsgenom-Projekt ICGC

15.04.2010

Das "International Cancer Genome Consortium" (ICGC) ist ein biomedizinisches Großprojekt, zu dem sich führende Krebsforscher weltweit zusammengeschlossen haben. Ziel ist es, die genetischen Veränderungen in den wichtigsten Tumorformen zu analysieren, um neue und verbesserte Ansätze zur Prävention, Diagnose und Therapie zu finden. In der aktuellen Ausgabe von Nature* stellen die rund 200 Wissenschaftler die geplanten Arbeiten vor. Die einzelnen Projektschritte sowie die ethischen Rahmenbedingungen, das Studiendesign und die formalen Vorgaben für alle beteiligten Forschergruppen werden erläutert. Insgesamt soll die Erbinformation von mehr als 25.000 Tumoren analysiert werden. Die Daten werden frei zugänglich publiziert und sind nicht patentierbar. Damit will das internationale Projekt sicher stellen, dass die molekularen Daten der verschiedenen Tumorarten so schnell wie möglich für neue Diagnoseverfahren oder Therapien genutzt werden können.

Die ersten Sequenzdaten von Brust-, Leber- und Bauchspeicheldrüsentumoren stehen bereits auf der Homepage des ICGC (www.icgc.org) zur Verfügung. Sie wurden von den Projektpartnern in Großbritannien, Japan, Australien und Kanada geliefert. Die Deutschen Projektpartner untersuchen kindliche Hirntumoren, erste Ergebnisse wollen sie auf der nächsten Konferenz des ICGC im Dezember in Brisbane vorstellen.

Urologische Tumorentitäten sind bislang nicht im ICGC vertreten. Forschungsanträge dazu können aber immer noch beim BMBF eingereicht werden. Die Deadline für Projektskizzen endet 07. Mai 2010 (Ausschreibung siehe auch unter der Seite Forschungsförderung).

Der deutsche Teil des Verbundprojekts, welches gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutschen Krebshilfe e.V. mit insgesamt 15 Millionen EURO finanziert wird, ist an den Heidelberger Forschungsinstituten Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und European Molecular Biology Laboratory (EMBL) sowie an den Universitäten Heidelberg und Düsseldorf und am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin angesiedelt. Die Wissenschaftler und Ärzte möchten dabei ihre Ergebnisse aus den Forschungsaktivitäten im Rahmen des ICGC unmittelbar in laufende klinische Studien einbinden, um somit Krebs-Patienten möglichst rasch davon profitieren lassen zu können.

Weitere Informationen:
www.nature.com/nature/journal/v464/n7291/full/nature08987.html
www.icgc.org/files/icgc/ICGC_April_29_2008_en.pdf
www.icgc.org/files/icgc/ICGC%20Public%20Presentation%20April%2015,%202010.pdf

 

 

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Cochrane Library-Zugang für akademische Einrichtungen

13.04.2010

In einem sogenannten "opt-in-Modell" stellen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Zentralbibliothek Medizin (ZB Med) bis 2019 eine Basisfinanzierung für die Cochrane Library bereit. Damit wird interessierten akademischen Institutionen der Zugang zur Datenbank zu einem sehr viel moderateren Preis ermöglicht. Bisher haben sich 47 Institutionen dieser Zugangsmöglichkeit angeschlossen.

Über 4.000 systematische Übersichtsarbeiten und über 600.000 Studienreports der patientennahen klinischen Forschung für die Gesundheitsforschung und -versorgung lagern in der Cochrane Library des Deutschen Cochrane Zentrums am Universitätsklinikum in Freiburg. Anders als in der meistgenutzten Datenbank "Medline" sind hier auch Einträge aus weiteren Datenbanken wie z. B. "Embase" enthalten. Aus deutscher Sicht ist zudem interessant, dass sich ausschließlich hier Angaben zu mehr als 10.000 deutschen Studienreports finden. Diese Studien sind sonst nirgendwo elektronisch erfasst und damit praktisch unauffindbar. Die Cochrane Library ist dadurch die umfassendste Quelle für Forschungsarbeiten aus der patientennahen klinischen Forschung. Für die Planung von klinischen Studien, für Ethikkommissionen, für Autorinnen und Autoren von systematischen Übersichtsarbeiten, von Health Technology Bewertungen (HTA) und von klinischen Leitlinien ist sie zur ergiebigsten Quelle für die Suche nach relevanter Literatur geworden.

Weitere Informationen:
www.cochrane.de/de/index.htm

 

 

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Therapieoptionen für Klinefelter-Syndrom

13.04.2010

In Deutschland leben etwa 80.000 Jungen und Männer mit dem Klinefelter-Syndrom. Sie sind Träger einer angeborenen Chromosomenstörung, bei der zusätzlich zum normalen Chromosomensatz ein weiteres X-Chromosom vorliegt, wodurch sich der Chromosomensatz 47,XXY ergibt, der individuell sehr unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Im Kindesalter sind die betroffenen Jungen tendenziell eher ruhig, Sprachentwicklung und Feinmotorik können gestört sein. Die Pubertät tritt oft verzögert oder vermindert ein. Häufig sind Körperbehaarung, Bartwuchs und Stimmbruch wenig ausgeprägt, auch überdurchschnittliches Längenwachstum und Brustentwicklung können auftreten.Erkannt wird die Chromosomenaberration eher selten in nur rund 20 Prozent der Fälle. Unbehandelt drohen Kinderlosigkeit, Testosteronmangel, Erektionsstörungen, Osteoporose oder Diabetes mellitus. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. will daher besonders Eltern und Kinderärzte sensibilisieren, um eine frühe Behandlung der betroffenen Jungen zu ermöglichen und Spätfolgen zu lindern. Ein laufendes Forschungsprojekt des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) in Münster in Zusammenarbeit mit den Urologen in Gießen und Halle entwickelt nun individualisierte Therapiemöglichkeiten.Eine optimale Behandlung des Klinefelter-Syndroms kann nämlich bereits im Grundschulalter mit Ergotherapie beginnen und sich ab dem Pubertätsalter mit lebenslangem Testosteronersatz fortsetzen, um so den beschriebenen Symptomen vorzubeugen. Idealerweise vor Beginn der Testosterongabe können bei den Patienten zeugungsfähige Spermien für einen späteren Kindeswunsch gewonnen und kryokonserviert werden. Wichtig ist in jedem Fall eine rechtzeitige interdisziplinäre Kooperation zwischen Kinderärzten, Urologen, Endokrinologen und Reproduktionsmedizinern.

Weitere Informationen:
idw-online.de/pages/de/news363815

 

 

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Synthetische Cannabis-Stoffe gegen überaktive Blase

12.04.2010

Synthetische Cannabis-Stoffe sind pharmakologisch wirksam in der Behandlung der überaktiven Blase (OAB). Von der OAB sind 11 % der Männer und 13 % der Frauen betroffen. Allein in Deutschland werden die jährlichen Ausgaben für die Behandlung der OAB auf ca. 4 Milliarden Euro geschätzt.Symptomatisch werden antimuskarinerg wirksame Medikamente eingesetzt, die die glatte Muskulatur der Harnblase über Muskarin-Rezeptoren entspannen. Allerdings ist die Wirksamkeit dieser Substanzen gerade über einen längeren Zeitraum begrenzt, und mit gravierenden Nebenwirkungen wie z.B. Mundtrockenheit und zentralnervösen Störungen wie Verwirrungszuständen vergesellschaftet. Daher wird seit Jahren nach alternativen Substanzen in der (systemisch-) medikamentösen Therapie der OAB gesucht.Patienten mit multipler Sklerose (MS) zeigen häufig Symptome der OAB als Ausdruck einer neurogenen Blasen-entleerungsstörung. Kürzlich wurde gezeigt, dass die Einnahme von Cannabis-Extrakten zu einer signifikanten Besserung der Inkontinenzepisoden und des häufigen Wasserlassens in dieser Patientengruppe führt. Der zugrunde-liegende Mechanismus war jedoch nicht bekannt.Forscher der Urologischen Klinik der LMU München haben nun in Kooperation mit einer schwedisch-amerikanischen Arbeits-gruppe erstmalig einen neuartigen synthetischen Cannabis-Stoff bei der Behandlung der OAB getestet. "Cannabinor" wirkt dabei selektiv auf eine Untergruppe affarenter und efferenter Cannabinoid-Rezeptoren (CB2-Rezeptoren), die sich auf Nervenfasern in der Blasenschleimhaut befinden. Im Tiermodell der Ratte zeigte sich eine geringere Harnentleerungsfrequenz sowie eine Erhöhung des Blasenvolumens nach Behandlung mit Cannabinor. Cannabinor wurde auch unter pathophysiologischen Bedingungen in einem etablierten Rattenmodell mit partieller Harnröhrenligatur getestet. Dadurch lässt sich auch die Situation des alternden Mannes bei BPH simulieren. Nach chronischer Cannabinor-Gabe zeigte sich im Vergleich zur Plazebogruppe eine signifikante Verbesserung der Harnspeicherstörungen und eine Reduktion der unwillkürlichen Harnblasenkontraktionen.

Die vorgelegten vielversprechenden Ergebnisse müssen nun an weiteren Tiermodellen überprüft werden, bevor sie beim Menschen langfristig zum Einsatz kommen können.

Weitere Informationen:
www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/synthetische_cannabis_stoffe_wirksam_behandlung_152318.html

 

 

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Risikogene für Nierenerkrankungen identifiziert

10.04.2010

Das internationale Forschungsteam "Chronic Kidney Disease Genetics“ (CKDGen) hat in einem gemeinsamen Großprojekt neue Gene entdeckt, die das Risiko für Nierenerkrankungen beeinflussen. Veränderungen in diesen Genen treten gehäuft bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung auf.

Chronische Nierenerkrankungen betreffen rund 5 bis 10 % der Bevölkerung, mit steigender Tendenz. Ein Fortschreiten der Erkrankung kann zu Nierenversagen führen und schließlich eine Nierentransplantation oder Dialyse erforderlich machen. Des Weiteren steigt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und für Nebenwirkungen von Medikamenten. Neben bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes sind die zugrunde liegenden genetischen Faktoren weitgehend unbekannt.

Um einige dieser genetischen Risikofaktoren zu identifizieren, machten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des CKDGen-Konsortiums Gebrauch von der Technik der genomweiten Assoziationsstudie. Dabei werden Unterschiede in der gesamten Erbinformation sehr vieler Personen, hier von beinahe 70.000 Studienteilnehmenden, in Bezug zu deren Nierenfunktion gesetzt. Studien dieser Art können erst seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms durchgeführt werden und haben in den letzten Jahren zu großen Fortschritten in der Identifikation genetischer Risikofaktoren geführt.

Weitere Informationen
www.dso.de
www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.568.html

 

 

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ESUR 2010

08.04.2010

Die diesjährige Tagung der EAU Section of Urological Research (ESUR) findet vom 07. bis 09. Oktober in Vilnius, Lithauen, statt. Die Deadline zur Einreichung von Abstracts endet am 15. Juni 2010.

Wir freuen uns, dass mit Frau PD Dr. med. Kerstin Junker erstmalig auch ein Mitglied der DGU-Arbeitsgruppe urologische Forschung (AuF) im Board dieser Sektion sitzt und durch eine nachhaltige Intensivierung der intrainstitutionellen Kommunikation den Einfluss der AuF auf europäischer Ebene fördert.

Weitere Informationen:
www.esur.org
esur2010.uroweb.org

 

 

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Studiengruppe 'Nicht-Seminom I' erhält Studienpreis der DKG

23.03.2010

Auf dem Deutschen Krebskongress 2010 wurde der John-Mendelsohn-Studienpreis der Deutschen Krebsgesellschaft, der alle zwei Jahre für die beste klinische Studie in Deutschland ausgeschrieben wird, an die Studiengruppe 'Nicht-Seminom I' der German Testicular Cancer Study Group verliehen. Prof. Dr. Peter Albers nahm den Preis als Leiter der Studiengruppe entgegen. Es handelt sich bei der prämierten Untersuchung um eine klinische Phase III Studie bei Hodentumorpatienten im Frühstadium der Erkrankung, bei der insgesamt 580 Patienten in verschiedenen Therapiearmen untersucht wurden.

Die Studie hat u.a. dazu geführt, dass die Operation im Frühstadium der Patienten nicht mehr als erste Therapieoption empfohlen wird. Die Europäischen Leitlinien zur Behandlung von Hodentumoren favorisieren eine an das Risiko angepasste Therapie, wobei die Chemotherapie als Option für die Patienten empfohlen wird, die ein höheres Rezidivrisiko haben. Inzwischen konnten die Ergebnisse durch prospektive Daten aus Skandinavien unterstützt werden die ebenfalls zeigten, dass ein Zyklus PEB in diesem Patientengut eine aktive und nebenwirkungsarme adjuvante Therapieform darstellt. Aufgrund dieser Studienergebnisse hat die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie, die auch primär diese Studie ins Leben gerufen hat, entschieden, dass nunmehr ein Zyklus PEB bei Hochrisiko-Patienten gegen zwei Zyklen PEB randomisiert werden. Diese Folgestudie wird ebenfalls aus Düsseldorf koordiniert.

Weitere Informationen:
www.uniklinik-duesseldorf.de/urologie

 

 

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DFG setzt Regeln gegen Publikationsflut

03.03.2010

Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ schlägt die DFG Pflöcke gegen die Publikationsflut in der Wissenschaft ein. Am 23. Februar 2010 hat DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in einer Pressekonferenz in Berlin die neuen Regelungen für Publikationsangaben in Förderanträgen und Abschlussberichten vorgestellt. Sie sehen im Kern vor, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Anträgen und Berichten an die DFG künftig nur noch wenige, besonders aussagekräftige Publikationen als Referenz nennen dürfen. So soll die immer größere Bedeutung von Publikationsverzeichnissen und numerischen Indikatoren verringert werden. Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des Forschungsprojekts mehr Gewicht erhalten. Die Regelungen gelten ab dem 01. Juli 2010. Hinweise und Merkblätter zur Umsetzung der neuen Regelungen sind ab April auf den Internetseiten der DFG zu finden.

Weitere Hinweise:

DFG-Beschluss

www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2010/statement_qualitaet_statt_quantitaet_mk_100223.pdf

www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung_nr_07/index.html

 

 

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Neuer interaktiver Krebs-Atlas online

16.02.2010

Ab sofort ist ein neuer Krebs-Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) im Internet unter der Adresse http://www.ekr.med.uni-erlangen.de/GEKID/Atlas/Inzidenz/atlas.html verfügbar. Die deutschlandweiten Daten sind im Krebs-Atlas sowohl nach einzelnen Bundesländern als auch im zeitlichen Trend darstellbar. Zur orientierenden Einordnung der Angaben für die Einzelländer hat die GEKID aus den Daten der Landeskrebsregister einen deutschen Vergleichsstandard hochgerechnet.

Im dem Atlas präsentiert die GEKID für "Krebs insgesamt" und für 23 einzelne Tumorarten bzw. Tumorgruppen aggregierte Angaben zu Fallzahlen und Raten von Krebsneuerkrankungen. Im Bereich der urologischen Krebserkrankungen berücksichtigt der Krebs-Atlas Tumorerkrankungen von Prostata, Hoden, Niere und Harnblase.

Durch die Darstellung auf einer Deutschlandkarte werden die an die Krebsregister der Bundesländer gemeldeten Krebsfälle anschaulich dargestellt. Derartige Informationen wurden auch in der Vergangenheit in Berichten und teilweise bereits in Internetdatenbanken der Landeskrebsregister veröffentlicht. Die zunehmenden Erfolge in der Krebsregistrierung erfordern nun einen übersichtlichen und benutzerfreundlichen Zugang zu den gesammelten Daten, die interessante und wertvolle Hinweise zum Auftreten von Krebs in der Bevölkerung liefern.

Für den Atlas haben die epidemiologischen Landeskrebsregister ihre aktuellen Daten zu den Jahren 1998 bis 2006 in einer gemeinsamen Datenbank zusammengeführt. Für 14 von 16 Bundesländern liegen damit empirische Zahlen zu Krebsneuerkrankungen in Deutschland vor. Regelmäßige Aktualisierungen über weitere Jahrgänge sind geplant. In einem eigenen Kapitel werden methodische Hinweise zur Interpretation der vorliegenden Daten gegeben, in denen beispielsweise auch Einschränkungen der Vergleichbarkeit benannt werden.

Ergänzend werden für den gleichen Zeitraum in dem Atlas auch Daten zur Krebssterblichkeit präsentiert. Diese liegen auf Basis der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts für alle Bundesländer vor.

Das Robert Koch-Institut hat zudem mit zwei Publikationen eine umfassende Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland vorgelegt: Die Veröffentlichung "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland" ist erstmals erschienen und enthält Schätzungen zur Zahl der Menschen, die derzeit an Krebs erkrankt sind (Prävalenz), getrennt nach ausgewählten Tumorformen. Die zweite Publikation ist die gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) herausgegebene neue Auflage von "Krebs in Deutschland". Sie enthält Schätzungen zu Krebsneuerkrankungen von 1980 bis 2006 und erstmals auch Prognosen (für das Jahr 2010). Auch hier werden die Daten - Erkrankungs- und Sterberaten, Risikofaktoren, Trendverläufe sowie Überlebensaussichten - für ausgewählte Einzellokalisationen dargestellt.

Weitere Informationen:
www.gekid.de
www.rki.de

 

 

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Beweglichkeit von Spermien abhänging von Kationenkanälen

11.02.2010

US-Forscher der University of California haben herausgefunden, warum Spermien im Hoden unbeweglich verharren, während sie in der Scheide äußerst aktiv sind. Die Antwort hängt nicht unbedingt mit dem pH-Wert der Umgebung zusammen sondern mit Zytokin-ähnlichen Substanzen, die die Spermien aktivieren.

Es ist bekannt, dass Spermien in einer alkalischen Umgebung ihre Bewegungsfähigkeit erlangen. Das immobile Verharren der Spermien im männlichen Hoden rührt entsprechend von einem saueren Umgebungs-pH-Wert von 6,0. Allerdings ist der pH-Wert in der Scheide mit Werten von pH 4 bis pH 4,5 noch saurer als im männlichen Hoden. Also ergibt sich die Frage, warum Spermien in der Scheide aktiv sind, obwohl sie doch durch den sauren pH-Wert eigentlich noch inaktiver als im Hoden sein müssten.

Das amerikanische Forscherteam hat nun auf der Oberfläche des Spermienmittelstücks eine bestimmte Sorte von Poren entdeckt, die sog. Hv1-Kanäle. Öffnen die Kanäle, strömen postitiv geladene Wasserstoff-Ionen nach außen. Der Protonenstrom führt außen zu einer Absenkung des pH-Wertes, innerhalb der Spermiengeißel allerdings entsteht ein Protonenmangel und damit ein Anstieg des pH-Wertes in den alkalischen Bereich. Durch diese physiologischen Vorgänge wird der Reifeprozess der Spermien, und damit auch deren Beweglichkeit, aktiviert. Der innere pH-Wert der Spermienzytoplasmas ist also letztendlich ausschlaggebend. Ein alkalischer Außen-pH-Wert kann dabei lediglich als Reiz zur Öffnung der Hv1-Kanäle dienen.

Über patch-clamp-Experimente konnten die Forscher nun weiterführende Untersuchungen zur molekularen Steuerung der Hv1-Kanäle durchführen. Dabei stellten sie fest, dass die Hv1-Kanäle nicht nur über einen alkalischen Umgebungs-pH-Wert sondern auch durch externe Liganden gesteuert werden können: Ein in den sekundären Geschlechtsorganen produziertes und freigesetztes Endocannabionid, das Anandamid, dockt an einem Rezeptormolekül des Hv1-Kanals an und öffnet ihn dadurch. In extrem hoher Konzentration kommt Anandamid in der Nähe der weiblichen Eizelle vor, so dass die Beweglichkeit der Spermien mit abnehmender Entfernung in Richtung Follikel ansteigt. Die Spermien werden gewissermaßen sukzessive darauf vorbereitet, eine Eizelle zu befruchten.

Da das Endocannabinoid Anandamid chemisch den Cannabinoiden aus Marihuana-Pflanzen ähnelt, haben die Forscher in ihren Untersuchungen auch Cannabis-Extrakte eingesetzt und konnten feststellen, dass auch diese Substanzen die Hv1-Kanäle der Spermiengeißeln öffneten.

Doch wie passt Marihuana ins Bild? Auf der einen Seite wird Marihuanakonsum mit der männlichen Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Auf der anderen Seite beobachtet man im Experiment eine vermehrte Spermienaktivität unter Marihuana-Einfluss. Die Lösung der Frage liegt in der begrenzten Lebenserwartung von Spermien: sind diese einmal aktiviert, tickt deren "biologische Uhr". Werden die Spermien bereits im Hoden durch erhöhte Konzentrationen von Cannabinoiden im Blut aktiviert, so führt dies bereits im Hoden zum vorzeitigen Absterben und in der Folge zur temporären Unfruchtbarkeit des Mannes.

Kirichok glaubt, dass auf Basis dieser Erkenntnisse sowohl neue Verhütungsmethoden ("Pille für den Mann") als auch neue Therapien gegen die männliche Infertilität entwickelt werden könnten.

Further reading:
Lishko PV, Botchkina IL, Fedorenko A, Kirichok Y.: Acid Extrusion from Human Spermatozoa Is Mediated by Flagellar Voltage-Gated Proton Channel. Cell 2010;140:327-37. http://download.cell.com/pdf/PIIS0092867409016808.pdf?intermediate=true

 

 

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Neue Version von MEDPILOT online

03.02.2010

Seit dem 1. Februar ist das neue MEDPILOT der Deutschen Zentralbibliothek online: Mit der Version 3.0 werden die Recherche und Bestellung von medizinischer Fachliteratur ab sofort leichter. Das Informationsportal mit integrierter Bestellmöglichkeit bietet Ärzten, Wissenschaftlern und Studierenden einen datenbankübergreifenden Zugriff auf medizinische Fachinformationen. Über 25 Millionen Dokumente sind so aktuell verfügbar.

Das Angebot der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) in Köln ist auf dem neuesten Stand der Technik - leistungsfähiger und komfortabler als sein Vorgänge

  • Schneller zum Ergebnis durch moderne Suchmaschinentechnologie
  • Qualität und Ranking der Suchergebnisse sind optimiert durch eine Technologie, die auf semantischen und computerlinguistischen Prinzipien basiert und in einer Public Private Partnership mit der Firma Averbis entwickelt wurde
  • Über unterschiedliche Wortformen und Treffer in anderen Sprachen zum Ziel - ohne zusätzlichen Aufwand
  • Einfaches Sortieren und Verfeinern der Suchergebnisse, etwa durch Anklicken verwandter Schlüsselwörter

MEDPILOT ist ein Angebot der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin. Die ZB MED, finanziert aus Mitteln der Länder und des Bundes, ist eine unabhängige und überparteiliche, öffentliche Einrichtung. In den fast 40 Jahren ihres Bestehens hat sie sich zu Europas größter Fachbibliothek für die Fächer Medizin, Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Agrar entwickelt. Neben der klassischen Literaturversorgung engagiert sich die ZB MED in Projekten zur Entwicklung, Erschließung, Vermittlung und Publikation elektronischer Literatur, Primärdaten und Forschungsergebnissen. Die ZB MED ist eine wissenschaftliche Infrastruktureinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft.

Kontakt:
Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED)
Dieter Schuh
Tel.: 0221 478 - 7113
E-Mail: dieter.schuh@zbmed.de

Weitere Informationen:
http://www.medpilot.de
http://www.zbmed.de

 

 

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Teil 2 der S3-Patientenleitlinie Prostatakarzinom online

15.01.2010

Der zweite und letzte Teil der begleitenden Patientenleitlinie zur neuen ärztlichen S3-Prostatakarzinom-Leitlinie kann ab sofort in der Konsultationsfassung online auf der Website des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) unter www.aezq.de/aezq/publikationen/kooperation eingesehen und kommentiert werden.

Der Patientenratgeber zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom basiert auf der, im Herbst 2009 veröffentlichten, interdisziplinären S3-Proststakarzinom-Leitlinie und gibt das beste derzeit verfügbare Fachwissen in laienverständlicher Form wieder. Betroffene können sich über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Behandlung ihrer Erkrankung informieren und finden Hilfe bei der Therapieentscheidung.

Bis zum 15. Februar 2010 haben Fachkreise, Betroffenenorganisationen und Patienten nun die Möglichkeit, die Konsultationsfassung des zweiten Teils der Patientenleitlinie online zu kommentieren, Vorschläge zur Ergänzung beziehungsweise Änderung abzugeben. Die Eingaben werden gesichtet und gegebenenfalls in der Endfassung berücksichtigt. Diese soll spätestens im März 2010 online veröffentlicht werden, eine Druckausgabe wird folgen.Die evidenzbasierten Patientenratgeber "Prostatakrebs I - lokal begrenztes Prostatakarzinom" und „Prostatakrebs II – lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom“ entstanden im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sowohl die ärztliche S3-Leitlinine als auch die Patientenleitlinie wurden unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., von Vertretern mehrerer wissenschaftlicher Fachgesellschaften und Patientenvertretern erarbeitet und vom ÄZQ redaktionell betreut.Weitere Informationen:DGU-Pressestelle 

Quelle und weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
www.urologenportal.de/pressekontakt.html

 

 

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Fehler in translationalen Kontrollelementen (uORFs) als mögliche Ursache für Krebserkrankungen

07.01.2010

Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben neue Erkenntnisse über die Kontrolle der zellulären Proteinproduktion gewonnen. Mit Hilfe gentechnisch veränderter Mäuse konnten sie jetzt erstmals nachweisen, dass ein evolutionär konservierter Regulationsmechanismus der Proteinproduktion auch in hoch entwickelten Säugetieren von großer Bedeutung ist. Die grundlegenden Ergebnisse von Dr. Klaus Wethmar, Prof. Achim Leutz und MitarbeiterInnen könnten helfen, neue Therapien und Medikamente gegen Erkrankungen wie beispielsweise Krebs zu entwickeln. Ihre Ergebnisse haben die Forscher Anfang Januar in der Zeitschrift Genes & Development (s.u.) publiziert.

Viele mRNAs besitzen so genannte kurze offene Leserahmen (upstream open reading frames, uORF), die die Proteinproduktion abhängig von der jeweiligen Zellphysiologie steuern. Solche uORF-Krontrollbereiche kommen in sämtlichen Eukaryonten, von der Hefe bis zum Menschen, vor. Sie sind vor allem in den mRNAs wichtiger Regulatorproteine anzutreffen, die für die Zellteilung, die Spezialisierung, den Stoffwechsel und die Stressbewältigung von Zellen entscheidend sind. Die MDC-Forscher haben jetzt erstmalig in einem Mausmodell die physiologische Relevanz eines uORFs nachweisen und messen können. Dabei stellten sie fest, dass Mäuse, denen der uORF des Leber-inhibitorischen Proteins (LIP) fehlt, eine gestörte Leberregeneration und ein verändertes Knochenwachstum aufweisen. Diese Ergebnisse, verbunden mit dem Vorkommen von uORFs in zahlreichen weiteren mRNAs der Zelle, lassen die MDC-Forscher zum dem Schluß kommen, dass entwicklungsgeschichtlich konservierte uORFs weitreichende Regulationsfunktionen im lebenden Organismus haben könnten.

Die Forscher vermuten, dass die Steuerung der Proteinproduktion durch uORFs im Zusammenhang mit vielen Krankheiten, insbesondere auch Krebserkrankungen steht, da beispielsweise Wachstumsfaktoren oder Onkogene häufig uORFs besitzen.

Further Reading: genesdev.cshlp.org/content/24/1/15.full.pdf

 

 

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Teil 1 der S3-Patientenleitlinie Prostatakarzinom online

15.12.2009

Der erste Teil der begleitenden Patientenleitlinie zur neuen ärztlichen S3-Prostatakarzinom-Leitlinie steht ab sofort allen Interessierten in der Endfassung online zur Verfügung. Der Ratgeber mit dem Titel "Prostatakrebs I - lokal begrenztes Prostatakarzinom" beinhaltet das beste derzeit verfügbare Fachwissen der medizinischen Leitlinie in laienverständlich übersetzter Form. Er ist auf der Website des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) unter www.aezq.de/edocs/pdf/info/pl-prostatakarzinom, auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. unter www.urologenportal.de sowie auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft abrufbar.

Der gut 80 Seiten starke Patientenratgeber, der nach Abschluss der Konsultationsphase nun publiziert ist, entstand im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Die interdisziplinäre ärztliche S3-Prostatakarzinom-Leitlinie sowie die Patientenleitlinie wurden, unter Federführung der DGU, von Vertretern mehrerer wissenschaftlicher Fachgesellschaften und Patientenvertretern erarbeitet. Dem ÄZQ oblag die redaktionelle Betreuung.

Der zweite Teil der Patientenleitlinie zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom wird nach voraussichtlicher Fertigstellung  im Februar 2010 zur öffentlichen Begutachtung ins Netz gestellt und im März 2010 veröffentlicht werden.

Quelle und weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
www.urologenportal.de/pressekontakt.html

 

 

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Verusacht AP2-Gamma Hodenkrebs?

10.12.2009

Bonner Forscher haben entdeckt, dass der Verlust eines bestimmten Gens bei Mäusen zur Sterilität führt. Die Erbanlage enthält die Bauanleitung eines Proteins namens AP2-Gamma. AP2-Gamma spielt bei der Entwicklung der Urkeimzellen im ungeborenen Fötus eine wichtige Rolle. Auch beim Menschen kommt AP2-Gamma vor. Normalerweise wird es aber kurz vor der Geburt abgeschaltet. Schon vor einigen Jahren konnten die Bonner Wissenschaftler jedoch zeigen, dass auch menschliche Hodentumoren AP2-Gamma produzieren.

Urkeimzellen bilden sich schon im frühen Embryo an der Wand des Dottersacks. Im Laufe der Schwangerschaft wandern sie in die Genitalanlagen. Dort verwandeln sie sich in Keimzellen, die beim Mann im Hoden gespeichert werden. Diese Keimzellen beginnen in der Pubertät mit der Produktion der Spermien. Die Bonner Forscher haben nun untersucht, welche Rolle das AP2-Gamma bei dieser Entwicklung spielt. Dazu setzten sie in Mäusen das AP2-Gamma-Gen außer Gefecht. In diesen Mäusen verwandelten sich die Urkeimzellen im Laufe ihrer Embryonalentwicklung in normales Körpergewebe, was die spätere Sterilität der Tiere bedingte.

Bei Erwachsenen findet sich normalerweise kein AP2-Gamma. Anders bei Hodenkrebs: Bestimmte Hodentumoren verraten sich dadurch, dass sie schon in frühen Stadien große Mengen dieses Proteins produzieren. Dasselbe Protein, das für die Entwicklung der Keimzellen im ungeborenen Kind extrem wichtig ist, kann demnach im Erwachsenenalter mit Tumoren in Verbindung gebracht werden. In den Krebszellen blockiert das AP2-Gamma wahrscheinlich die normale Entwicklung der Spermien.

Der Befund bestätigt nach Angaben der Mediziner zudem die Theorie, wonach die meisten Hodentumoren aus Urkeimzellen entstehen. Am Bonner Uniklinikum nutzen die Ärzte das Protein inzwischen schon zur Diagnose, um verschiedene Typen von Hodenkrebs voneinander zu unterscheiden. So wissen sie frühzeitig, welcher Therapieweg sich anbietet - denn nicht jede Behandlung wirkt bei jedem Tumortypus gleich gut.

Weitere Informationen:

idw-online.de/pages/de/news

 

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Neues open access Journal zum Harnblasenkarzinom

30.11.2009

Seit Ende November 2009 gibt es mit "Debates on Bladder Cancer" ein neuartiges wissenschaftliches Journal zum Themenbereich Harnblasenkarzinom. Es handelt sich dabei um ein englischsprachiges, internationales und interdisziplinäres, frei zugängliches Medizinjournal mit begutachteten Beiträgen zu verschiedenen Aspekten des Harnblasenkarzinoms. Es richtet sich an klinisch und experimentell tätige Ärzte und Wissenschaftler der Urologie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Gesundheitsökonomie, Public Health, Epidemiologie, Wissenschaftsgeschichte und angrenzender Fachgebiete, die sich mit dem Harnblasenkarzinom beschäftigen.

Der hochrangig besetzte Redaktionsbeirat ruft genannte Wissenschaftler dazu auf, die Ergebnisse ihrer Forschung zum Harnblasenkarzinom in den Begutachtungsprozess von Debates on Bladder Cancer einzureichen.
Dabei stehen die Rubriken Originalarbeiten, Fallberichte und Posterjournal zur Verfügung, zu denen entweder selbständige Eingaben erfolgen oder Einladungen durch den Redaktionsbeirat ausgesprochen werden können. Auf Einladung durch den Redaktionsbeirat werden Übersichtsartikel, Kongressberichte oder die Vorstellung und Kommentierung richtungsweisender Beiträge anderer Fachzeitschriften (Uroskop) in den Begutachtungsprozess aufgenommen.

Weitere Informationen: www.debates-on-bladder-cancer.com

 

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Chemie-Nobelpreis an Ribosomen-Forscher

07.10.2009

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an drei Wissenschaftler, für ihre Arbeiten zu Struktur und Funktion von Ribosomen.

Wie wird aus einem Gen ein Protein? Nach dem von Francis Crick formulierten "Zentralen Dogma der Molekularbiologie" wird die Information der DNA in einem ersten Schritt in ein Trägermolekül (mRNA) umgeschrieben, welches in einem zweiten Schritt in eine Abfolge von Aminosäuren übersetzt wird. Dieser zweite Schritt, die Translation, wird gesteuert durch eine komplexe Übersetzungsmaschinerie, den Ribosomen, denen der Nobelpreis für Chemie 2009 gewidmet ist.

Wesentliche Arbeiten zur Aufklärung von Struktur und Funktion der Ribosomen wurden durch die diesjährigen Preisträger, Ada E. Yonath (Israel), Thomas A. Steitz (USA) und Venkatraman Ramakrishnan (USA) geleistet.

Die Israelin Ada Jonath konnte in den Anfang 80-er Jahren am Berliner Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik erstmals Untereinheiten von Ribosomen des Bakteriums Geobacillus stearothermophilus röntgenkristallografisch darstellen und schuf damit die Grundlage der Strukturanalytik der aus Protein- und Nukleinsäureeinheiten bestehenden Proteinfabriken. Allerdings war die Auflösung der Spektren so grob, dass es noch nicht möglich war, feinere Substrukturen oder gar Atome im Molekül zu berechnen. Einen weiteren Meilenstein stetzte hier Ende der 90-er Jahre der Amerikaner Thomas Steitz von der Yale University in New Haven, der die Spektrenauflösung auf 9 Angström erhöhen konnte und damit Substrukturen der großen Untereinheit bakterieller Ribosomen erkennen konnte. Nachdem Steitz 1999 die Auflösung der röntgenkristallografischen Darstellung weiter auf 5 Angström anheben konnte, wurden zeitlich parallel die Substrukturen der kleinen Ribosomen-Untereinheit sowohl durch den aus Indien stammenden Venkatraman Ramakrsishnan am MRC Laboratory of Molecular Biology in Camebridge (UK) als auch durch Ada Jonath, mittlerweile am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel, dargestellt.

Die Strukturaufklärungen ermöglichten nun in der Folge auch die erhofften Einblicke in die Funktionsweise der ribosomalen Übersetzungsmaschine. So konnte beispielsweise die Gruppe um Steitz einzelne Schritte der Aminosäurenverknüpfung nachvollziehen und feststellen, dass die ribosomale RNA, und nicht die Proteine der Ribosomen, diesen entscheidenden Prozess durchführt, oder die Gruppe um Ramakrishnan einen Fehlerkorrekturmechanismus während des Übersetzungsvorgangs entdecken. Heute gilt die Translation von mRNA-Basensequenz in Aminosäuresequenz als vollständig aufgeklärt. Eine eindrucksvolle Animation der Proteinbiosynthese, erstellt von der Arbeitsgruppe Jonath am Weizmann Institute of Science in Rehovot in Kooperation mit dem Hamburger Max-Planck-Institut, faßt den gesamten Prozess am Ribosom anschaulich zusammen: http://www.youtube.com/watch?v=Jml8CFBWcDs

Die Strukturaufklärungen der drei Laureaten haben es inzwischen ermöglicht, gezielt Wirkstoffe gegen bakterielle Ribosomen zu entwickeln. Damit haben sie, so die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm, "direkt dazu beigetragen, Leben zu retten und menschliches Leid zu lindern".

Weitere Informationen:
nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/2009

 

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Medizin-Nobelpreis an Telomer-Forscher

05.10.2009

Der Nobelpreis für Medizin ist in diesem Jahr an drei US-Wissenschaftler vergeben worden, die die Erforschung der Telomerenden von Chromosomen entscheidend vorangetrieben haben.

Elizabeth Blackburn von der University of California in San Francisco, Carol Greider von der Johns Hopkins School of Medicine in Boston und Jack Szostak vom Massachusetts General Hospital in Boston werden damit für ihre wegbereitenden Entdeckungen, wie die chromosomale Erbinformation durch spezielle Endstrukturen und ein dafür zuständiges Enzym geschützt werden, ausgezeichnet. In der Begründung  des Nobelkomitées hieß es, die Arbeiten von Blackburn, Greider uns Szostak haben "dem Verständnis der Zelle eine neue Dimension hinzugefügt, Licht auf Krankheitsmechanismen geworfen und die Entwicklung potenzieller neuer Therapien stimuliert".

Telomere sind spezielle, sich wiederholende, nicht-kodierende DNA-Sequenzen an den Enden der Chromosomen, die die Erbinformation-tragenden DNA-Sequenzen innerhalb eines Chromosoms vor Degradierung schützen. Bei der semikonservativen Replikation der Erbgutinformation stößt die Zelle am Ende der Chromosomen nämlich an ihre Grenzen: aufgrund der Spezifitätseigenschaften der DNA-Polymerase kann diese nur an einem freien 3'-OH-Ende eines komplementär gebundenen Nukleotids ansetzen. Dieses wird durch die temporäre Anlagerung kurzer RNA-Sequenzen (Primer) an die Enden der einzelsträngigen Eltern-Chromosomen gewährleistet. Die Primersequenzen fallen später ab, wodurch die Tochter-Chromosomenstränge um genau diese Basenpaarlängen an ihren 5'-OH-Enden kürzer sind als ihre elterlichen Vorlagen. Im Zuge aufeinanderfolgender Zellteilungen kommt es somit zu einer immer weiter fortschreitenden Verkürzung der neu entstehenden Chromosomen. Eine normale Körperzelle kann sich infolgedessen nur so lange teilen, bis seine schützenden Telomer-Sequenzen durch diesen Prozess aufgebraucht sind. Dann tritt entweder der programmierte Zelltod (Apoptose) oder ein permanenter Wachstumsstop (Seneszenz) ein. 

Gegenüber ausdifferenzierten Körperzellen besitzen Stammzellen die Fähigkeit, sich ohne Telomerverlust, quasi unbegrenzt, teilen zu können. Dieses Phänomen beruht auf einem Enzym, welches die Chromosomenenden vor jeder Replikation verlängert: die Telomerase, ein Protein-RNA-Komplex mit Reverse-Transkriptase-Aktivität. Diese synthetisiert vor jeder Replikation neue Telomer-Sequenzen an die Enden der Elternstränge und vereitelt dadurch in diesen Zellen die Chromosomenverkürzung.

Die sukzessive Verkürzung der Chromosomenenden definiert in ausdifferenzierten, Telomerase-inaktiven Zellen natürliche Alterungsprozesse und letztlich die zelluläre Mortalität. Gerät dieser wichtige Regulationsmechanismus, z.B. aufgrund von Erbgutschädigungen, aus den Fugen, so kann es zu einer unkontrollierten Telomerase-Aktivität und somit zu unkontrollierter Zellvermehrung, d.h. zu Krebs, kommen. Heute gelten Telomere neben ihrer normalen Funktion in der Zelle als Schlüsselfaktoren in drei wesentlichen Forschungsbereichen: dem Altern, der Entstehung von Krebs und der Stammzellforschung.

Weitere Informationen:
nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2009

 

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Apoptose-inhibierendes Protein in Prostatakarzinomzellen entdeckt

24.09.2009

Ein Forscherteam der Medizin-Universität Innsbruck hat ein wichtiges Protein für Krebswachstum entdeckt und in Kastrations-refraktären Prostatakarzinomen nachgewiesen.

Die Untersuchungen der Molekular-Pathologen legen nahe, dass das Protein Suppressor of Cytokine Signaling-3 (SOCS-3), möglicherweise das Wachstum von Prostatakrebs triggert, indem es den programmierten Zelltod (Apoptose) der Krebszellen unterbindet. Die sieben bisher bekannten SOCS-Proteine hemmen im Körper die Wirkung von Apoptose-induzierenden Zytokinen und greifen damit in den Sicherheitsmechanismus des Körpers bei der Regulierung des empfindlichen Gleichgewichts zwischen Apoptose und Zellzyklus ein.

Die Forscher konnten eine Überexpression von SOCS-3 in Kastrations-refraktären Prostakarzinomen feststellen. Um die Rolle von SOCS-3 näher zu bestimmen, inhibierten sie die Expression des SOCS-3-Gens mittels small interfering RNA-Transfektionen in den Prostatakarzinom-Zellinien DU-145, LNCaP-IL-6+ und PC3. Die si-RNA bewirkte in den Zellen einen knock-down von SOCS-3 um bis zu 80 % und infolge dessen eine Abnahme der Proliferation und Vitalität der Zellen bei gleichzeitigem Anstieg der Mortalität, bedingt durch signifikante Hochregulierung pro-apoptotischer Casapase-Aktivität.

Further Reading:
Puhr M, ..., Culig Z: Down-regulation of suppressor of cytokine signaling-3 causes prostate cancer cell death through activation of the extrinsic and intrinsic apoptosis pathways. Cancer Res. 2009 69:7375-84.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19738059?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

 

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Stammzellen als Ursache für Prostatakrebs?

24.09.2009

Ein neu entdeckter Typus von Stammzellen könnte möglicherweise Prostatakrebs auslösen. Dies legt eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung an Mäusen nahe, die von Wissenschaftlern um Michael Shen vom Columbia University Medical Center, New York, durchgeführt wurde.

Die beschriebenen Stammzellen befinden sich zwischen den Epithelzellen des inneren Drüsengewebes der Prostata. In epithelialen Geweben, wie den intraprostatischen Drüsen, gibt es neben normalen epithelialen Progenitorzellen auch solche, die als Ursache für Krebs gelten. In ihren Untersuchungen konnten die Forscher zeigen, dass eine Deletion im Tumorsupressorgen PTEN bei proliferativen Zellen mit Nkx3-1 -Expression, einem Marker prostatisch-epithelialer Differenzierung, zu rasanter kanzerogener Zellformationen führte. Diese sogenannten CARNs (castration-resistant Nkx3-1-expressing cells) stellen demnach eine neue luminale Zellpopulation in prostatischem Drüsengewebe dar, welche eine mögliche oncogene Transformation beim Prostatakrebs bewirken können.

Adulte Stammzellen, also Körperzellen, die sich sowohl vermehren als auch in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren können, sind einer der großen Hoffnungsträger für künftige Therapien gegen verschiedene Krankheiten. Aber sie wurden auch früher schon ebenso als Ursache von Krebserkrankungen, zum Beispiel von Leukämie, vermutet. Die aktuelle Studie an Mäusen bestätigt nun offenbar diese Befürchtung, dass manche  Stammzellen unter bestimmten Bedingungen die Tumorbildung auslösen können.

Furhter reading:
Wang X, ..., Chen M M: A luminal epithelial stem cell that is a cell of origin for prostate cancer. Nature 2009 461:495-500.
http://www.nature.com/nature/journal/v461/n7263/pdf/nature08361.pdf

 

 

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Löst Retrovirus Prostatakrebs aus?

09.09.2009

Wissenschaftler haben Hinweise für die Beteiligung eines Virus am Prostatakrebs entdeckt. Der Erreger fiel bisher schon als Krebsauslöser bei Tieren auf. Einer Studie der University of Utah und der Columbia University zufolge wurde bei Prostatakarzinompatienten ein Retrovirus mit dem Namen "Xenotropic murine leukaemia virus" (XMRV) nachgewiesen.

Die Wissenschaftler untersuchten Gewebeproben von 200 Prostatakarzinomen und verglichen diese mit 100 Biopsate aus gesunden Organen. Dabei entdeckten sie den Virus in 27 Prozent der Gewebeproben von Krebspatienten. In gesundem Prostatagewebe fand sich der Erreger nur in sechs Prozent der Fälle. Außerdem hatten krebskranke Virusträger deutlich aggressivere Tumorvarianten.

In der Studie widerlegte das Forscherteam die These, nach der es für die Infektion mit XMRV eine genetische Veranlagung gibt. Wissenschaftler hatten nach der Entdeckung des Virus im Jahr 2006 vermutet, dass eine Mutation im Erbgut die betroffenen Männer besonders empfindlich für eine Infektion mit dem Virus macht. Die neuen Ergebnisse zeigen aber keinen solchen Zusammenhang.

Als Retrovirus ist der Erreger in der Lage, eine Kopie seines Erbguts in das Erbgut der menschlichen Zellen einzuschleusen, die es befällt. Bei XMRV geschieht das vor allem in DNA-Abschnitten, die das Wachstum steuern. Die Forscher vermuten, dass XMR-Viren dadurch in den Zellen ein unkoordiniertes Wachstum und damit Krebs auslösen – eine Vermutung, für die sie derzeit im Labor die Bestätigung suchen. Sollte dabei der Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und einer Infektion mit XMRV nachgewiesen werden, eröffneten sich neue Tests, Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten. Darüberhinaus müssen Metaanalysen zeigen, dass Menschen, die mit einem XMRV-Virus infiziert wurden, im späteren Verlauf an einem Prostatakarzinom erkrankten.

Weitere Informationen:
http://www.path.utah.edu/research/cbi/ila-singh-md-phd?searchterm=XMRV

 

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Patientenleitlinie Prostatakrebs in Konsultationsfassung online

08.09.2009

Medizinisches Wissen in laienverständlicher Form: Teil I der begleitenden Patientenleitlinie zur neuen ärztlichen S3-Prostatakarzinom-Leitlinie ist ab sofort in der Konsultationsfassung online und auf der Website des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) unter http://www.aezq.de/aezq/publikationen/schriftenreihe einzusehen.

Bis zum 7. Oktober 2009 haben Fachkreise, Betroffenenorganisationen und Patienten die Möglichkeit, die Patientenleitlinie „Prostatakrebs I – lokal begrenztes Prostatakarzinom“ zu kommentieren oder Vorschläge zur Ergänzung beziehungsweise Änderung abzugeben. Die Eingaben werden gesichtet und gegebenenfalls in der Leitlinie berücksichtigt, deren endgültige Fassung voraussichtlich im Oktober 2009 veröffentlicht wird. Der heute in der Konsultationsfassung publizierte erste Teil der Patientenleitlinie zum Prostatakrebs richtet sich an Männer, die an einem lokal begrenzten Prostatakarzinom erkrankt sind. Der zweite Patientenratgeber zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom wird in einem weiteren Band zu einem späteren Zeitpunkt herausgegeben. Beide Ratgeber werden auf der Website des ÄZQ barrierefrei für Menschen mit Sehbehinderung zur Verfügung stehen.

„Die Patientenleitlinie zum Prostatakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass sie, wie bisher kein anderer Ratgeber, das beste derzeit verfügbare Fachwissen der ärztlichen Leitlinie laienverständlich übersetzt. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zu einer kompetenten gemeinsamen Therapiefindung von Arzt und Patient und ist allen Betroffenen zur Lektüre zu empfehlen. Für alle anderen Tumorerkrankungen wird sie Vorbildfunktion haben“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Professor Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth.

Die Patientenleitlinie ist Bestandteil des Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sie wurde von den Vertretern der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, die bereits an der Erstellung der ärztlichen Leitlinie beteiligt waren, und von Patientenvertretern erarbeitet und durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) redaktionell betreut.  Basis ist die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“. Diese entstand unter der Federführung der DGU und wird auf dem 61. DGU-Kongress am 16. September 2009 im Rahmen einer Pressekonferenz in Dresden präsentiert (siehe oben).

Die S3-Leitlinie wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert und unter der Mitarbeit von sechs Fachgesellschaften, zwei Berufsverbänden, des Dachverbandes der Selbsthilfegruppen und der Deutschen Krebsgesellschaft sowie des ÄZQ erstellt.

Weitere Informationen:
www.aezq.de/aezq/publikationen/schriftenreihe

 

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Neue Methode bei minimalinvasiver Nephrektomie in Münster

07.09.2009

In der Klinik und Poliklinik für Urologie wurde erfolgreich eine neuartige retroperitoneoskopische „single port“-Nephrektomie bei einem Patienten mit malignem Nierentumor durchgeführt. „Die Patienten haben weniger Schmerzen, es kommt seltener zu Komplikationen und die Betroffenen erholen sich schneller“, kommentieren die verantwortlichen Chirurgen PD. Dr. Christian Wülfing und PD Dr. Edwin Herrmann die Vorteile des Verfahrens.

Entsprechend war auch der postoperative Verlauf eines 81-jährigen Patienten, bei dem die „single port“-Operation am UKM durchgeführt wurde: Bereits vier Tage nach dem Eingriff konnte er in gutem Allgemeinzustand und nahezu schmerzfrei entlassen werden. Was bleibt, ist lediglich eine kleine Narbe.

Laparoskopische Nierenoperationen, bei denen die OP-Instrumente in der Regel durch vier kleine Schnitte in den Körper eingeführt werden, führen die Urologen am UKM bereits seit fünf Jahren durch. Ein neuartiges und flexibleres Instrumentarium ermöglicht nun den Zugang über nur noch einen einzigen Schnitt. Die Münsteraner Mediziner entschieden sich für einen retroperitoneoskopischen Zugang zur Niere, was bedeutet, dass der Patient während der Operation auf der Seite liegt und die Niere über die Flanke endoskopisch operiert werden kann.

Weitere Informationen:
www.klinikum.uni-muenster.de

 

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DKFZ präsentiert Innovationen zur Krebstherapie

03.09.2009

Vom 7. bis 12. September findet in München mit dem "Weltkongress der Medizinphysik" das weltweit wichtigste Branchentreffen von Medizinphysikern und Medizintechnikern statt.

Auf dem Gebiet der Strahlentherapie haben die Arbeiten der DKFZ-Forscher vorrangig das Ziel, den Strahl noch genauer auf den Tumor zu richten und dabei gleichzeitig das umgebende Gewebe noch besser zu schonen. Die Wissenschaftler präsentieren dazu optimierte Systeme zur Positionierung des Patienten sowie Methoden, mit der sie die exakte Lage des Tumors vor jeder Einzelbestrahlung noch genauer überprüfen können. So wird mit "DIRPlab" eine neue, einfach zu bediendende  Software präsentiert, die Ärzten sämtliche Diagnosedaten eines Patienten, wie CT, MRT oder PET, gleichzeitig zugänglich macht, um die Abläufe bei der Behandlung zu erleichtern. Darüberhinaus sollen neue Navigationssysteme zukünftig Chirurgen bei minimalinvasiven Eingriffen, z. B. an der Prostata, unterstützen. Die Software errechnet in Echtzeit dreidimensionale Darstellungen der Operationsinstrumente sowie der umgebenden Anatomie, was den Ärzten die "blinde" Orientierung im Körperinneren erleichtert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Weitere Informationen:
presse(at)dkfz.de

 

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Menschenzellen zurückprogrammiert

28.08.2009

Auch ausgereifte Körperzellen von Menschen können mit einem vereinfachten Verfahren in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) reprogrammiert werden, teilt ein Forscherteam um Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster mit. Die Methode, bei der nur noch der Transkriptionsfaktor Oct4 eingesetzt werden muss, hatte sich zuvor schon bei Mäusen bewährt (wir berichteten am 06.02.2009).

Den Wissenschaftlern gelang es, das Oct4-Gen mithilfe eines Retrovirus in menschliche neurale Stammzellen zu schleusen, die seit Jahren als Zelllinie gezüchtet werden. Aus den Kulturen isolierten die Forscher dann neu entstandene iPS. Mit der Studie überwanden die Forscher technische Probleme, da sich neurale und pluripotente Stammzellen des Menschen langsamer als solche von Mäusen teilen. Zudem verlieren menschliche Stammzellen recht rasch wieder ihre Pluripotenz.
Mit der verbesserten Methodik rücke die klinische Nutzung pluripotenter Stammzellen näher, hoffen die Wissenschaftler: Die schon verfügbaren, aus Hautzellen rückprogrammierten iPS trügen ein höheres Risiko, sich zu Tumoren zu entwickeln, da sie unter dem Einfluss von mehr als nur einem eingeschleustes Gen entstanden sind.

Eine erfolgreiche Reprogrammierung weiterer Zellen aus verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers könnte die Erforschung von Krankheiten erleichtern. An daraus gezüchteten krankheitsspezifischen Zelllinien könnten Wissenschaftler das Zusammenspiel von Genen und Proteinen bei der Entstehung vieler Krankheiten gezielter untersuchen als bisher. Zudem könnte eine Vielzahl von potenziellen Medikamenten direkt an den kranken Zellen auf ihre Wirkung getestet werden.

Weitere Informationen:
www.mpi-muenster.mpg.de/ncd/publ.shtml

 

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Neue Methode bei minimalinvasiver radikaler Prostatektomie in Düsseldorf

21.08.2009

Düsseldorfer Urologen ist erstmals die Entfernung einer Prostata über einen minimal(st)invasiven Eingriff mit nur einem zentralen, extraperitoneal angelegten Zugang ("single port") gelungen. Normalerweise sind bei laparoskopischen Prostatektomien fünf Zugänge in den Bauchraum erforderlich.

Die schonende chirurgische Entfernung der Prostata bei einem 72-jährigen Patienten wurde mit Hilfe spezieller Instrumente von Dr. Robert Rabenalt durchgeführt. Ein entscheidender Vorteil des Verfahrens sei es, dass nur eine kleine Wunde entsteht. Entschprechend hatte der Patient nach der Operation kaum Beschwerden und der Blutverlust war minimal. Innerhalb weniger Tage soll die Genesung abgeschlossen sein.

Die radikale Prostatektomie bietet oft gute Heilungschancen, wenn das Karzinom organbegrenzt ist. Allerdings kann es nach einem solchen Eingriff zu unerwünschten Folgen wie Impotenz oder Inkontinenz kommen. Durch eine stetige Verbesserung der Operationsmethoden sollen die Risiken immer weiter reduziert werden. Ob sich das neue Laparo Endoscopic Single Site-Verfahren, kurz "LESS"-Verfahren, durchsetzen wird, können die Düsseldorfer Urologen heute noch nicht sagen. Zunächst müsse man das endgültige Ergebnis der Nachuntersuchungen abwarten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter Albers
urologie(at)uni-duesseldorf.de

 

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Design von Nanostrukturen aus DNA

08.08.2009

Aus kurzen DNA-Molekülen lassen sich Strukturen mit komplexen Windungen und Krümmungen formen. Das berichten Wissenschaftler der Technischen Universität München und der Harvard University, die die dafür nötigen Werkzeuge und Verfahren entwickelt haben. Mit ihrer Methode des "DNA-Origami" konnten sie Bausteine aus der Erbsubstanz beispielsweise zu einer kugelförmigen Gerüstkonstruktion mit nur 50 Nanometern Durchmesser falten. Bislang war es Forschern nur gelungen, gerade Balken und ebene Flächen zu konstruieren.

DNA als Medium für solche nur wenige Nanometer große Konstruktionen hat nach Aussage der Forscher zwei Vorteile: Durch eine Änderung der Basensequenz lässt sich das robuste und zugleich flexible Molekül nach Wunsch programmieren. Zudem ist sie auf Grund jahrzehntelanger Arbeit von Genetikern sehr gut erforscht.

Das elementare Werkzeug, das Dietz und seine Harvard-Kollegen Shawn Douglas und William Shih anwenden, ist die programmierbare Selbstorganisation. Dazu werden mehrere DNA-Stränge zu Bündeln verknüpft, die von quer verlaufenden Doppelhelix-Abschnitten zusammengehalten werden - ein Bauprinzip, das die Forschergruppe vor einigen Monaten vorstellte. Jetzt manipulierten sie zusätzlich die Basensequenz so, dass sich die aneinander gelagerten Bündel beim Verknüpfen verzogen. Die Wissenschaftler konnten präzise kontrollieren, ob die Windung rechts- oder linksherum erfolgen soll und welchen Radius ein Bogen erhält. Auch extrem enge Krümmungsradien von sechs Nanometern seien so machbar.

Um ein bestimmtes Design leichter in die dafür nötige DNA-Sequenz übersetzen zu können, entwickelten Dietz und Kollegen eine Grafiksoftware, die zu einer vorgegebenen Form geeignete Kandidaten für DNA-Bausteine entwirft. Dreidimensionale Objekte werden schließlich durch die Feinabstimmung von Anzahl, Anordnung und Länge der Stränge erzeugt. Für ihre aktuelle Studie konnten sie auf diese Weise eine große Auswahl an Gebilden herstellen.

Auch für viele Maschinen im Makrokosmos benötige man seltsam geformte Teile, meint Dietz. Im Nanobereich sei das nicht anders. "Wir erhoffen uns viel von miniaturisierten Maschinen, die zuverlässig in unseren Körperzellen arbeiten." Dazu seien Biomoleküle wie DNA als Werkstoff besonders interessant.

Further Reading:
www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/325/5941/725
www.nature.com/nature/journal/v459/n7245/full/nature08016.htm

 

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Gesunde Maus aus IPS-Zelle geklont

27.07.2009

Chinesische Forscher haben aus einer genetisch veränderten Hautzelle eine Maus geklont. Damit wurde erstmalig gezeigt, dass künstlich hergestellte Stammzellen, sogenannte IPS-Zellen oder induzierte pluripotente Stammzellen, dieselben Fähigkeiten besitzen wie embryonale Stammzellen.

Wissenschaftler aus Peking benutzten für ihre Experimente Hautzellen schwarzer Mäuse. Sie schleusten vier genetische Faktoren in diese Zellen ein und versetzten sie so in einen embryonalen Zustand. Frühere Forschungen hatten bereits gezeigt, dass diese Zellen ähnliche Eigenschaften besitzen wie die umstrittenen embryonalen Stammzellen (wir berichteten). Unklar war bislang, ob aus IPS-Zellen auch ganze Lebewesen erzeugt werden können.

Um diese Frage zu beantworten, haben die chinesischen Forscher Mäuse-IPS-Zellen wie beim "klassischen" Klonen mit entkernten Eizellen fusioniert und die entstandenen Embryonen in Uteri von Leihmüttern transferiert. Xiao Xiao (winzig) heißt die erste Maus, die so erzeugt worden ist. In 1.500 Versuchen entstanden in Peking insgesamt 27 Mäuse aus veränderten Hautzellen. Alle Mäuse seien gesund und hätten bereits Nachkommen gezeugt, versichern die Wissenschaftler der Jiao-Universität in Peking.

Auf den ersten Blick scheint die Methode durchaus geeignet, um die Klontechnik in der Tierzucht abzulösen. Doch wer genauer hinschaut, stellt fest, dass das Verfahren noch weniger effizient ist als das herkömmliche Klonen. Dennoch ist Xiao Xiao nicht vergeblich geboren. Die Maus ist ein lebendiges Zeichen für die Fähigkeiten der IPS-Zellen. Sie beweist: Embryonale Stammzellen sind nichts besonderes. Reprogrammierte IPS-Zellen aus dem Körper sind genauso gut und genauso erfolgversprechend für die Medizin wie Zellen aus Embryonen.

Weitere Informationen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,637896,00.html


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Leben mit Inkontinenz

22.07.2009

Fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Problemen mit der Blasenentleerung - in jungen Jahren trifft es meist Frauen, später im Leben gleicht sich das Risiko zwischen den Geschlechtern an. Doch obwohl so viele Menschen betroffen sind, bleibt das Leiden ein Tabu und das Sprechen darüber fällt schwer: Grund für Daniela Hayder vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke das Gespräch mit Betroffenen zu suchen und mit einer ersten Studie nach Erfahrungen und Wünschen der Patienten zu fragen.

"Bei den 47 Tiefeninterviews zeigte sich, dass die Blasenschwäche eben kein rein medizinisches Problem ist: Die Betroffenen erleben einen Kontrollverlust über ihren Körper, sie trauen sich nicht mehr in die Stadt, ins Kino oder zu Konzerten, weil sie nicht wissen, ob sie schnell genug eine Toilette finden. "Mit Auftreten der Inkontinenz ordnen die Betroffenen ihr Leben der Blase unter und ziehen sich zurück", fasst Hayder die Ergebnisse zusammen. Daher kann eine rein medizinische Sicht auf die Erkrankung auch keine umfassende Hilfe sein: "Wer dauernd Angst haben muss, unkontrolliert Urin zu verlieren, der hat auch dauernd Angst, dass Sitznachbarn in der Straßenbahn etwas riechen, das Arbeitskollegen das mitbekommen, dass sie schlicht ausgegrenzt werden. Das ist demütigend und kann zu psychischen Problemen führen", schildert Hayder das Erleben der Interviewten.

Die Befragten durften auch Wünsche zur Behandlung und Beratung äußern. Dabei zeigt sich, dass sie sich von den Ärzten immer noch mehr Aufklärung über Behandlungsmethoden wünschen, aber darüber hinaus Ansprechpartner für eine Beratung zum Leben mit der Inkontinenz fehlen: "Blasentraining oder Beckenbodentraining sind schön und gut, aber das ist wie mit dem Joggen - wir
alle wissen, dass es gut wäre, sich mehr zu bewegen, aber die Laufschuhe ziehen wir deswegen noch lange nicht an. Das braucht Unterstützung, Anleitung und Motivation, die nicht jeder von sich aus aufbringt. Da wünschen sich die Befragten Hilfe. Und mehr Beratungsangebote, die langfristig und vertrauensvoll angelegt sind. Denn natürlich braucht Beratung bei Tabu-Themen wie Inkontinenz Vertrauen - und das wächst nur langsam", fordert Hayder im Namen der anonymen Interviewten. Sie macht aber auch Mut: "Inkontinenz kann man behandeln. Man kann nicht immer heilen, aber zumindest lindern und hinauszögern. Nur: Viele schrecken vor Operationen und Medikamenten zurück, denken, dass Inkontinenz zum Altern dazugehört und fügen sich in das vermeintlich unabänderliche Schicksal. Auch da fehlt Beratung, die diese Ängste und Sorgen ernst nimmt und mit den Betroffenen einen Behandlungsweg findet. Das Ziel muss es sein, dass die Betroffenen trotz Inkontinenz ihr Leben leben können."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
daniela.hayder(at)uni-wh.de

 

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Von Harnschau bis Hightech-Medizin: Per Mausklick zur Geschichte der Urologie - Urologen starten eigene Museums-Website

16.07.2009

Ob Penis-Amulett, Steinzertrümmerer oder historische Schriften – das Museum und Archiv der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. hegt seltene Schätze. Mit dem Start der eigenen Museums-Website steht der Blick auf die Geschichte der Urologie, deren Errungenschaften von großer Bedeutung für die moderne Medizin sind, nun jedermann offen.

Unter museum.dgu.de  wird es anschaulich: Die Urologie gehört zu den ältesten ärztlichen Heilkünsten. Zählten anfänglich die Harnschau, die bereits im Ägyptischen Reich gepflegt wurde, Beschneidung und Katheterismus sowie der Steinschnitt etwa durch den im Volkslied unvergessenen Doktor Eisenbart zu den Aufgaben der urologisch tätigen Ärzte, so sorgte Maximilian Nitze (1848 - 1906) mit der Entwicklung des Blasenspiegels, medizinisch Zystoskop, für die Geburtsstunde der modernen Endoskopie. Besucher der Website erhalten einen spannenden Einblick in die Traditionen der Urologie, die heute über innovatives Wissen verfügt und modernste Medizintechnik in alle Welt exportiert. „Wir freuen uns, einem Fachpublikum aus Medizin und Wissenschaft, Studenten, aber auch interessierten Laien unsere Sammlung jetzt online auf der ganzen Welt nahebringen zu können“, sagt der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises „Geschichte der Urologie“ und Museumsleiter Dr. Friedrich Moll.

Wer den virtuellen Besuch durch einen realen Blick auf Harnsteine oder das Königlich-Bayerische Steinschnitt-Instrumentarium im DGU-Museum mit seinen rund 1.500 Instrumenten, ungezählten Fotografien sowie mehr als 8.000 Büchern und persönlichen Gegenstände bekannter Urologen ergänzen möchte, kann iuchstern der Uerdinger Straße 64 in Düsseldorf einen Besuchstermin ausmachen. Außerdem beteiligt sich die DGU-Ausstellung an der nächsten Düsseldorfer Langen Nacht der Museen im April 2010. 

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.
http://museum.dgu.de
www.urologenportal.de

 

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Software "BioBrowser" simuliert Proteine in 3D

15.07.2009

Geht es um die Wirksamkeit von Impfstoffen oder um die Agressivität von Giften, müssen Forscher die beteiligten Moleküle dreidimensional simulieren und analysieren. Wie sehen sie aus? Welche dreidimensionale Struktur hat ein Protein? Wie lässt sich anhand dieser Struktur vorhersagen, mit welchen Molekülen das Protein interagiert? Welche Funktion hat es? Bei den bisher verbreiteten Softwareanwendungen sind die Darstellung des simulierten Proteins und die Qualität der Graphik jedoch oft nicht besonders gut - insbesondere wenn größere Moleküle, bestehend aus tausenden Atomen, visualisiert und untersucht werden sollen.

Forscher des Geschäftsbereichs Visual Computing von Fraunhofer Austria in Graz haben in einem Projekt der DFG die Software "BioBrowser" entwickelt. Sie errechnet voll-automatisch aus den Forschungsdaten der Molekularbiologen die 3D-Modelle von kompliziert aufgebauten Proteinen und stellt sie auf Knopfdruck hochqualitativ und interaktiv dar. Die Forscher können das Molekül drehen und aus allen Winkeln betrachten, beliebig vergrößern sowie bestimmte Bereiche auswählen. Die Darstellung bleibt immer gestochen scharf. Der Nutzer kann zwischen den wichtigsten Darstellungstypen wechseln.

Die visualisierten Moleküle können sehr groß und kompliziert sein - häufig bestehen sie aus 50 000 und mehr Atomen. "Bei der Untersuchung von Molekülen entsteht eine riesige unüberschaubare Datenflut. BioBrowser verwandelt diese Daten in anschauliche Bilder und macht die Verbindung zwischen unterschiedlichen Molekülen sichtbar", fasst Dr. Eva Eggeling, Leiterin des Geschäftsbereichs Visual Computing, zusammen. "Wir möchten jedem Molekularbiologen die kostenlose Möglichkeit bieten, seine Forschungssimulationen mittels unserer Software BioBrowser zu visualisieren", sagt Eggeling. Auf Anfrage erhalten interessierte Forscher einen Downloadlink und können das Programm direkt nutzen. Zudem können sie mit den Mitarbeitern in Graz einen Termin vereinbaren, um die Proteine auf einer großen 3D-Projektionswand studieren zu können. Die Grazer Forscher hoffen, der Molekularbiologie und Medizinentwicklung hierdurch neue Impulse zu geben. Momentan arbeiten sie daran, die Bedienoberfläche zu erweitern und zu verbessern. Mit dem Feedback der ersten wissenschaftlichen Nutzer überprüfen die Grazer, ob sie weitere Funktionen ergänzen müssen.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an österreichische Wissenschaftler, kann jedoch auch weltweit genutzt werden. "Wir rechnen auch mit einigen Anfragen aus dem europäischen Ausland, insbesondere aus Deutschland und der Schweiz", erklärt Eggeling. Interessierte Wissenschaftler können unter visual.computing@fraunhofer.at oder +43(0)316/873-5410 mit den Fraunhofer Austria-Forschern in Kontakt treten.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/juli/SimulationBiomolekuele.jspvisual

 

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'Onkologie-Vereinbarung' bedroht das Wohl der onkologischen Patienten

14.07.2009

„Die anstehende Verabschiedung der Vereinbarung über die qualifizierte ambulante Versorgung krebskranker Patienten, die sogenannte ‚Onkologie-Vereinbarung‘ (Anlage 23 zu den Bundesmantelverträgen) bedroht die Versorgung unserer onkologischen Patienten durch unnötige und teils auch unzumutbare neue Voraussetzungen zur Teilnahme für uns Urologinnen und Urologen“, so Dr. Martin Bloch, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V.

Die niedergelassenen Urologinnen und Urologen betreuen mit Abstand die größte Zahl krebskranker Patienten in Deutschland; annähernd 100.000 neue Krebserkrankungen pro Jahr betreffen das Fachgebiet der Urologie. „Die von den Krankenkassen geforderten Mindestmengen gehen am Versorgungsbedarf vollständig vorbei. Die Kassen gefährden nicht nur hierdurch, sondern auch durch unsinnige und für Urologen auch unnötige Voraussetzungen bis hin zu neuen baulichen Anforderungen die flächendeckende und wohnortnahe ambulante urologische Versorgung ihrer krebskranken Versicherten. Sollten sich die Krankenkassen hier durchsetzen, wird die von uns geleistete Betreuung und Behandlung dieser Patienten in der bisherigen hochqualifizierten und qualitätsgesicherten Form von den Kassen leichtfertig zerstört“, warnt Dr. Bloch.

Dass die neue Vergütung der Leistungen kostenneutral erfolgen soll, die derzeitigen Honorare sind seit 1995 unverändert, löst beim Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. ungläubiges Kopfschütteln aus. Die qualitätsgesicherte Versorgung ihrer Versicherten wird von den Kassen offenbar nicht wertgeschätzt.

Der Berufsverband zieht Konsequenzen. Er wird seinen Mitgliedern empfehlen, den betroffenen Patientinnen und Patienten zu raten, die Möglichkeit der Kostenerstattung bei den Kassen zu wählen, um auch in Zukunft ihre adäquate Versorgung sicherzustellen. Außerdem bietet der Berufsverband der Urologen den Krankenkassen an, gemeinsam mit der KBV eine eigene Qualitätssicherungsvereinbarung nach § 135 Abs. 2 SGB V zu vereinbaren, die der Versorgungsrealität entspricht. Auch Selektivverträge nach § 73c SGB V kann der Verband den Kassen offerieren. Präsident Dr. Bloch: „Die Urologinnen und Urologen sind bereit, und haben dies in der Vergangenheit stets bewiesen, qualitätsgesicherte uro-onkologische Versorgung zu gewährleisten. Die Kolleginnen und Kollegen sind in ihren Praxen darauf eingerichtet, sie sind umfangreich fortgebildet, das Personal ist gut und strukturiert geschult, die Versorgung ist wirtschaftlich. Die Krankenkassen sollten sich darauf besinnen, dies im Sinne ihrer Versicherten zu fördern, statt durch eine unsinnige, unnötige und realitätsferne Neuregelung zu zerstören. Über 50.000 jedes Jahr neu diagnostizierte Prostatakrebspatienten in unseren Praxen sprechen für sich.“

Weitere Informationen:
Dr. Martin Bloch
martin(at)bloch-hamburg.de

 

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Interdisziplinäre S3-Leitlinie-Prostatakarzinom ab 7. Juli in der Konsultationsfassung online

07.07.2009

Die Konsultationsfassung der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wird ab 7. Juli 2009 auf den Seiten des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) online zugänglich sein.

Die Konsultationsphase dauert bis zum 02. August 2009. In dieser Zeit können Interessierte die Leitlinie lesen und kommentieren. Kommentare und Änderungsvorschläge werden berücksichtigt, wenn sie begründet und mit Literatur hinterlegt sind.

Nach Würdigung der Kommentare und ggf. Einarbeiten von Änderungen wird die Endfassung der "Interdisiplinären Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms" am 16. September 2009 zum Jahreskongress der deutschen Gesellschaft für Urologie vorgestellt werden.

Die Leitlinie enthält Statements und Empfehlungen zu den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Begleitung nicht nur des lokal begrenzten, und des lokal fortgeschrittenen, sondern auch des rezidivierten und des metastasierten Prostatakarzinoms sowie zu den Bereichen Rehabilitation, Nachsorge und zu psychosozialen Aspekten.

Die Neuerstellung einer S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom, die als Kooperationsprojekt zwischen der DGU und dem ÄZQ 2006 begann, wird nach erfolgreichem Abschluss der ärztlichen Leitlinie durch die Erstellung einer PatientenLeitlinie fortgeführt.

Weitere Informationen:
Konsultationsfassung der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom (pdf)
Kontaktformular zur Kommentierung oder Email an info(at)azq.de

 

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Aufklärung und Eigenuntersuchung gegen Hodenkrebs

02.07.2009

Schamgefühl ist fehl am Platz: Mit etwa 4750 Neuerkrankungen jährlich ist Hodenkrebs in Deutschland der häufigste bösartige Tumor bei jungen Männern, Tendenz steigend. Die meisten Fälle treten im Alter zwischen 25 und 45 Jahren auf. Eine gesetzliche Früherkennungsuntersuchung gibt es nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Eltern ihre Söhne frühzeitig zu einer regelmäßigen Selbstuntersuchung anhalten. Ganz besonders gilt das, so die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), für junge Männer, die im Kindesalter an Hodenhochstand litten und dadurch ein höheres Risiko haben, an Hodenkrebs zu erkranken.

Damit die Eigenuntersuchung nicht zum Tabuthema gerät, ist es ratsam, dass Eltern rechtzeitig das Gespräch mit ihren Söhnen suchen. Weder falsche Scham, noch übertriebene Ängste sind angebracht. Es geht um Aufklärung, damit Jungen - anders als ein großer Teil der Generation ihrer Väter - einen verantwortlichen Umgang mit Ihrer Gesundheit erlernen können. "Unter 15 Jahren ist der bösartige Hodentumor sehr selten. Wann Jungen mit der Selbstuntersuchung beginnen sollten, hängt sehr vom Entwicklungsstand der Kinder ab. Normalerweise ist ein Alter von 14 Jahren vernünftig", sagt DGU-Präsident Professor Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Das Procedere ist unkompliziert: "Man sollte regelmäßig alle vier Wochen die Hoden abtasten und dabei auf Verhärtungen und Vergrößerungen achten." Da Hodenhochstand im Kindesalter als gesicherter Risikofaktor für Hodenkrebs gilt, ist es besonders wichtig, dass die betroffenen jungen Männer über dieses erhöhte Risiko informiert sind.

Auch das sollten Männer wissen, um verbreiteten Ängsten zu begegnen: Hodenkrebs hat eine Heilungsrate von nahezu 100 Prozent. "Selbst bei bereits metastasierten Tumoren haben die Patienten bei einer Leitlinien gerechten Behandlung noch eine gute bis exzellente Heilungschance", so Professor Wirth. Impotenz in Folge einer Hodenkrebserkrankung müssen Männer heute nicht mehr fürchten. Der DGU-Präsident: "Eine Impotenz ist bei Hodenkrebs nicht zu erwarten. Hormone kann man, wenn nötig, gut substituieren." Möglicher Unfruchtbarkeit lässt sich sicher mit der sogenannten Kryokonservierung, also dem Einfrieren vor einer Operation gewonnener Spermien vorbeugen. Das ist in vielen Fällen sinnvoll, denn Sterilität kann nicht nur bei beidseitigen Erkrankungen und ausgedehnter Chemotherapie entstehen, sondern auch bei niedrig dosierter Chemotherapie in Abhängigkeit von der individuellen Empfindlichkeit, etwa bei zuvor bestehender eingeschränkter Fruchtbarkeit. Außerdem kann es durch die Strahlentherapie, die Entfernung von Lymphknoten und die operative Entfernung eines Tumorrestes nach einer Chemotherapie beispielsweise durch eine Ejakulationsstörung zur Unfruchtbarkeit kommen.

Bei psychischen Problemen aufgrund des Verlustes des Hodens können Hodenprothesen eingesetzt werden. Diese sind medizinisch unbedenklich. "Gerade wegen der sehr guten Behandlungsmöglichkeiten, sollten wir alles daransetzen, damit Hodenkrebs bei unseren Söhnen kein Tabuthema wird, denn je früher eine mögliche Behandlung einsetzt, umso weniger belastend ist sie für die Betroffenen!", appelliert der renommierte Urologe und Tagungspräsident des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie vom 16. bis 19. September 2009 in Dresden. Dort wird Aktuelles zu Therapie und die Diagnostik beim Hodentumor umfassend dargestellt.

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
www.urologenportal.de

 

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Phyto-Östrogen aus Liliengewächs gegen Prostatakarzinom

18.06.2009

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Göttingen untersuchen, ob ein pflanzlicher Wirkstoff aus einem Liliengewächs beim metastasierten Prostatakarzinom wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 300.800 Euro.

Während Prostatakrebs in westlichen Gesellschaften eine der häufigsten Krebsarten bei Männern ist, spielt dieser Tumor in asiatischen Ländern wie China, Japan und Indien nur eine untergeordnete Rolle. "Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in der asiatisch geprägten Ernährung mit viel pflanzlicher Kost anstatt tierischer Eiweiße und Fette", erklärt Burfeind vom Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Göttingen. "Experten vermuten, dass die Krebs-vermeidenden Effekte der Nahrung in erster Linie auf Pflanzeninhaltsstoffe mit schwach östrogenen Eigenschaften zurückzuführen sind." Diese so genannten Isoflavone haben ähnliche Eigenschaften wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und werden daher auch als "Phyto-Östrogene" bezeichnet.

Das Prostatakarzinom wächst bei fast allen Patienten hormonabhängig. Dabei stimuliert insbesondere das männliche Geschlechtshormon Testosteron das Krebswachstum. Doch auch das weibliche Hormon Östrogen wird in kleinen Mengen von den Hoden und im Fettgewebe produziert. Es fungiert im männlichen Stoffwechsel und damit auch in der Prostata als Gegenspieler des Testosterons und kann so auch das Wachstum von Tumorzellen bremsen. Bei der Entstehung eines bösartigen Tumors der Prostata sind diese hormonabhängigen Signalwege aber in vielen Fällen gestört. Infolge der genetischen Veränderungen (Mutationen) geht dann vom Östrogen der gleiche wachstumsfördernde Stimulus aus wie vom Testosteron.

Die Göttinger Arbeitsgruppe hat nun ein Phyto-Östrogen mit tumorspezifischer Wirkung identifiziert, das genau dort eingreift, wo das Östrogen das Zellwachstums beeinflusst: Das Isoflavon mit dem wissenschaftlichen Namen Tectorigenin bindet an die Zelloberfläche der Krebszellen und vermag so unter anderem modulierende Östrogen-Signalwege wiederherzustellen, die im Prostatakarzinom eine Tumor-verhindernde Funktion einnehmen.

Tectorigenin stammt aus der Wurzel des Liliengewächses Belamcanda chinensis. Diese Heilpflanze wird in der traditionellen chinesischen und koreanischen Medizin eingesetzt. "Wir wollen nun untersuchen, ob Tectorigenin zur Therapie beim Prostatakarzinom angewendet werden kann", erklärt Thelen vom Zentrum für Chirurgie, Urologische Klinik der Universität Göttingen. Erste Experimente seien vielversprechend: So konnten die Wissenschaftler bereits im Labor mit Extrakten aus Belamcanda chinensis das Wachstum von Krebszellen hemmen und sogar im Tiermodell die Ausbreitung eines Tumors verlangsamen. "Zudem ist es denkbar, dass diese Substanz eines Tages auch vorbeugend gegen Prostatakrebs eingesetzt werden könnte", so der Wissenschaftler. Bis zur Anwendung in klinischen Studien besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.

Weitere Informationen:
www.krebshilfe.de

 

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Chemoprävention senkt Prostatakrebs-Risiko um 25 Prozent

18.06.2009

Prostatakrebs geht alle Männer an. Information und Aufklärung über die bösartige Erkrankung der Vorsteherdrüse sowie über die Möglichkeiten der Früherkennung und der Prävention stehen deshalb immer wieder im Focus Deutscher Urologen. Nun will die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) Männer mit erhöhtem Prostatakrebs-Risiko über die Option der Chemoprävention aufklären, denn einer aktuellen US-Studie zufolge, kann für Risikopatienten eine Prostatakrebsreduktion von circa 25 Prozent erreicht werden.

Mit über 58 000 Neuerkrankungen in Deutschland ist das Prostatakarzinom der häufigste bösartige Tumor beim Mann. Jedes Jahr sterben hierzulande über 11 000 Patienten an Prostatakrebs. Durch die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) mittels eines einfachen Bluttestes können Frühformen Jahre vor ihrem klinischen Auftreten festgestellt und in diesen Frühstadien in über 80 Prozent der Fälle geheilt werden.

Für Männer mit einem erhöhten Risiko an Prostatakrebs zu erkranken, gibt es nun wichtige Neuigkeiten. „Nachdem die PCP-Studie mit Finasterid bereits 2003 zeigen konnte, dass eine Prävention des Prostatakarzinoms möglich ist, hat dies jetzt auch die Reduce-Studie mit Dutasterid bei einem Hochrisikokollektiv bestätigt. Deshalb sollten zumindest Risikopatienten darüber aufgeklärt werden, dass eine Prostatakrebsreduktion von circa 25 Prozent durch die Gabe von Dutasterid erreicht werden kann“, sagt der amtierende DGU-Präsident Professor Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.

Finasterid und Dutasterid sind Medikamente, die zur Behandlung der gutartigen Vergrößerung der Prostata (BPH) eingeführt wurden. Medizinisch werden beide Wirkstoffe als 5-Alpha-Reduktase-Hemmer bezeichnet. Sie hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestoron (DHT), das eine BPH verursachen kann, aber auch ein wesentlicher Wachstumsfaktor für Krebszellen in der Prostata ist. „Ob 5-Alpha-Reduktase-Hemmer einem Krebswachstum vorbeugen oder das Wachstum bereits vorhandener Tumore verlangsamen, lässt sich gegenwärtig nicht eindeutig beantworten. Wesentlich scheint die Absenkung von DHT zu sein“, so Professor Wirth.

Für Männer, die wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung mit einem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer behandelt werden, ergibt sich mit der Krebsprävention ein Zusatznutzen. Für Männer mit erhöhtem Prostatakrebs-Risiko steht dagegen die Krebsprophylaxe im Vordergrund. Der DGU-Präsident: „Insbesondere Dutasterid kommt zur Chemoprävention für Risikopatienten in Frage. Dabei handelt es sich um Patienten mit erhöhtem PSA-Wert bei denen bereits eine negative Biopsie vorliegt. Der Einsatz ist sicherlich auch bei familiärer Häufung von Prostatakrebs zu erwägen. Des Weiteren sollte beachtet werden, dass durch die Gabe von Dutasterid die Entdeckung von Prostatakarzinomen, die signifikant sind, erleichtert wird.“ Insgesamt handelt es sich hier jedoch derzeit um einen so genannten off-label-use.

Individuelle Beratung und Behandlung leistet der Urologe vor Ort. „Er ist hierfür der gut ausgebildete Spezialist, der auch

die Nebenwirkungen einzuordnen weiß. Diesbezüglich berichten etwa fünf Prozent der Studienteilnehmer im Vergleich zur Kontrollgruppe über eine Verschlechterung ihrer erektilen Funktion. Gleichfalls ist in einem geringen Prozentsatz mit Libidoverlust und einer Gynäkomastie, also der  Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann zu rechnen. Insgesamt kam es jedoch nicht zu einer hohen Drop-Out-Rate, was die Sicherheit dieser Medikamente bestätigt.“

US-Fachgesellschaften empfehlen Finasterid zur Prävention des Prostatakrebses seit Anfang 2009 und wenngleich sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. noch nicht öffentlich positioniert hat, sagt deren Präsident: „Ohne der neuen S3-Prostatakarzinom-Leitlinie vorgreifen zu wollen, gehe ich davon aus, dass insbesondere die Dutasterid-Ergebnisse auch Eingang in die Leitlinie finden werden“. Diese wird im Herbst auf dem 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Dresden veröffentlicht. Vom 16. bis 19. September tagen dort rund 6000 Fachbesucher aus aller Welt; auf dem Programm steht ein kompletter Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Fachgebiet der Urologie. Auch das Thema Chemoprävention beim Prostatakarzinom wird in Sachsens Landeshauptstadt umfassend diskutiert.

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
www.urologenportal.de

 

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Steuermechanismus für Gefäßwachstum entdeckt

15.06.2009

An Beispielen wie Schlaganfall oder Herzkranzgefäßerkrankungen kann man leicht erkennen, wie wichtig die Transportfunktion von Blutgefäßen für unsere Gesundheit ist. Forscher suchen daher seit Jahrzehnten nach Möglichkeiten, die Neubildung von Gefäßen und damit auch die Reparatur von Organschäden gezielt anzuregen. Umgekehrt gibt es aber auch unerwünschte Effekte durch die Bildung neuer Blutgefäße, die beispielsweise die Ausbreitung von Krebserkrankungen fördern oder bei Diabetikern zum Verlust des Sehvermögens führen können. Die Therapie verschiedener Krankheiten erfordert also ein Verfahren mit dem Neuverzweigungen im Gefäßnetzwerk je nach Bedarf stimuliert oder blockiert werden können.

Forschern des münsteraner Max-Planck-Instituts ist es nun erstmals gelungen, einen „An- und Ausschalter“ des Gefäßwachstums zu identifizieren. Der „Schalter“ ist ein Rezeptor mit dem Namen ‚Notch’, der auf der Oberfläche der Endothelzellen der Gefäße sitzt. An diesen Rezeptor können verschiedene Oberflächenproteine andocken, die den „Schalter" entweder auf „Ein“ oder auf „Aus“ stellen. Ist die Zelle „eingeschaltet“, ist sie für den Wachstumsfaktor VEGF empfänglich, der den „Befehl“ zur Zellteilung und damit zum Wachstum einer neuen Ader führt. Die einzelnen Komponenten dieses biochemischen Mechanismus waren bereits bekannt: den Notch-Rezeptor (Schalter), das Oberflächenprotein Delta-like 4, kurz Dll4 (Aus), und den Wachstumsfaktor VEGF (Befehl zur Zellteilung) kannten die Forscher bereits aus früheren Experimenten. Auch das Protein ‚Jagged1’, das den „Schalter“ auf die Position „Ein“ bewegt, war bekannt. Es handelt sich dabei ebenfalls um ein Oberflächenprotein, das auf der Außenseite der Zellen sitzt und in Kontakt zu Notch-Rezeptoren benachbarter Zellen treten kann. „Wir haben jetzt erstmals verstanden, wie diese einzelnen Komponenten zusammen wirken. Dass das Protein Jagged1 in dem Zusammenhang als „Einschalter“ wirkt, ist eine völlig neue Erkenntnis. In anstehenden Versuchen an Mäusen wollen wir lernen, das Gefäßwachstum, ähnlich wie es in Zukunft einmal Medikamente beim Menschen leisten könnten, aktiv zu steuern“, erklärt Professor Dr. Ralf H. Adams, Leiter des Forschungsprojektes.

Weitere Informationen:
www.mpi-muenster.mpg.de/pr/doc/PM_MPI_Jagged1_Jun11.pdf
Further Reading:
Benedito R, ..., Adams RH et al.: The Notch ligands Dll4 and Jagged1 have opposing effects on angiogenesis. Cell 2009, doi:10.1016/j.cell.2009.03.025

 

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4. Deutscher Urologinnen Workshop

03.06.2009

Auch in der "klassischen Männerdomäne" Urologie spiegelt sich ein Trend zur "Feminisierung" und zu genderspezifischem Engagement wieder. Aktuelles Beispiel ist der 4. Deutsche Urologinnen Workshop am 12. und 13. Juni 2009 in Berlin.

Nach Statistiken der Bundesärztekammer waren 2008 in Deutschland 5040 Fachärzte für Urologie tätig, darunter 572 Urologinnen. Von diesen sind 236 niedergelassene Ärztinnen. "Im Vergleich zu einem Frauen dominierten Fachbereich wie der Gynäkologie ist der Frauenanteil von derzeit 11,3 Prozent in unserem Fachbereich zwar immer noch gering, dennoch haben wir in den letzten zehn Jahren deutlich aufgeholt", sagt die Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Professor Dr. Sabine Kliesch.

Karriereplanung für Urologinnen ist eines der Themen auf dem Programm des 4. Deutschen Urologinnen Workshops. "Bei den wissenschaftlichen Inhalten ist der gesamte Bereich der Urologie berücksichtigt worden, da das Gesamtfach für uns relevant ist. Aber natürlich gibt es einen spezifischen Themenbereich rund um die verschiedenen Karrierewege für Klinikerinnen und niedergelassene Urologinnen", so Mitorganisatorin Professor Kliesch.

Weitere Informationen:
www.urologenportal.de

 

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Basis für Proteinchips gelegt

02.06.2009

Auf Biochips sitzen mehrere Tausend Testfelder dicht nebeneinander auf kleinster Fläche. Sie ermöglichen schnelle Analysen von Stoffen, etwa Diagnosen von Allergenen im Blut. Für DNA-Tests sind diese Biochips bereits weit verbreitet. Dazu sind auf den Chips tausende von DNA-Abschnitten befestigt, mit denen zugefügte Proben-DNA wechselwirken. Forscher wünschen sich auch Biochips, auf denen Proteine verankert sind. Doch genau die Verankerung der Proteine war bislang das Problem: die dreidimensionale Stuktur der Eiweißmoleküle, über die sie mit anderen Molekülen wechselwirken und so biologische Vorgänge steuern, wurde durch bisherige Immobilisierungsverfahren verändert oder zerstört. Eine neuartige Technik, bei der die Proteine in eine Gelschicht eingebettet werden, löst nun das Denaturierungsproblem.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm haben ein Gel entwickelt, das auf die Oberfläche von Biochips aufgebracht werden kann. Die Gelschicht ist dabei nur etwa 100 bis 500 nm dick und besteht zum größten Teil aus Wasser. So wird den Proteinen vorgegaukelt, dass sie sich in Lösung befinden, auch wenn sie chemisch am Gel-Netzwerk angebunden sind. Die Eiweiße fühlen sich so quasi wie in ihrer natürlichen Umgebung und ihre strukturabhängige Funktionsfähigkeit bleibt auf dem Biochip erhalten.

Da die Hydrogelschichten sehr dünn sind, kommen von außen zugegebene Stoffe schnell zu den Proteinen, die sich in und auf dieser Schicht befinden. Beispielsweise können Mediziner Blut oder Urin auf den Chip geben und so im Screeningverfahren Krankheiten diagnostizieren.

Weitere Informationen:
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/06/Mediendienst062009Thema5.jsp

 

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Virus kann Prostatakrebs bekämpfen

29.05.2009

Einer Veröffentlichung von Dr. Yasufumi Kaneda von der Osaka University in Japan im International Journal of Cancer zufolge treibt das Sendai-Virus Prostatakarzinomzellen in den Tod, indem es in den Zellen die Apoptose einleitet. Die Forscher testeten die Auswirkungen von inaktiven Sendai-Virus-Partikeln, die auch Hemagglutinating Virus of Japan Envelope (HVJ-E) genannt werden und die Eigenschaft haben, mit Zellen zu fusionieren.

Dies tun sie auch mit den Prostatakarzinomzellen und unterdrückten dabei das Zellenwachstum sowohl bei hormonrefraktären als auch bei normalen Prostatakrebszellen. Bei Mäusen versuchten die Forscher dann, den HVJ-E-Virus direkt in die Zellen zu applizieren. Bei allen Mäusen konnte der Virus ein Zellsterben des Tumors herbeiführen. Diese neue Virustherapie sei sowohl bei metastasierenden Tumoren als auch beim hormonrefraktärem Postatakarzinom eine zukünftige Behandlungsoption,  wo ansonsten nur wenig Therapiemöglichkeiten bestehen.

Further Reading:
Kawaguchi Y, Miyamoto Y, Inoue T, Kaneda Y: Efficient eradication of hormone-resistant human prostate cancers by inactivated Sendai virus particle. Int J Cancer 2009;124:2478-87

 

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Pille gegen Ejaculatio praecox

25.05.2009

Die Janssen-Cilag GmbH gibt bekannt, dass Priligy® (Dapoxetin) für die bedarfsorientierte Behandlung der Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguß) bei Männern zwischen 18 und 64 Jahren die Marktzulassung in Deutschland erhalten hat. Diese Zulassung folgte dem positiven Votum im Rahmen des dezentralen Marktzulassungsverfahrens in sieben europäischen Ländern: Schweden, Österreich, Finnland, Deutschland, Spanien, Italien und Portugal.

Das Medikament des deutschen Pharmaunternehmens ist ein Nebenprodukt der Depressionsforschung. Ursprünglich sollte es gemütsaufhellend wirken, indem es die Wirkdauer des Botenstoffes Serotonin im Gehirn verlängert. Gegen Depressionen erfüllte es aber die Erwartungen nicht in ausreichendem Maße. Dafür fiel bei Tests der unbeabsichtigte positive Effekt auf das sexuelle Durchhaltevermögen des Mannes auf.

Ejakulationsprobleme haben neben psychologischen häufig auch organische Ursachen. So kann es im Gehirn Probleme mit zwei Sorten von Serotonin-Rezeptoren geben: solchen, die den Samenerguss einleiten, und solchen, die ihn verzögern. Die Forscher vermuten, dass der Botenstoff bei Einnahme des Medikaments die zweite Sorte stärker stimuliert. Dabei wirkt Dapoxetin als selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es wirkt schnell und kurzzeitig und ist damit für die Einnahme im Bedarfsfall vorgesehen, d.h. ein bis drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr. Dapoxetin ist somit nicht für die tägliche Dauertherapie geeignet.

Priligy® wurde in fünf randomisierten, Plazebo-kontrollierten klinischen Phase-III-Studien an mehr als 6.000 Männern mit Ejaculatio praecox sowie deren Partnerinnen getestet. Dabei handelt es sich um das bisher größte und umfangreichste klinische Studienprogramm für ein Medikament zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation. "Dass bisher keine zugelassene orale Therapie zur Behandlung der Ejaculatio praecox verfügbar war, führte sowohl bei der Diagnose als auch der Behandlung dieser gängigen Funktionsstörung zu einem erheblichen Defizit”, so Professor Dr. Hartmut Porst vom Privatinstitut für Urologie und Andrologie in Hamburg und gewählter Präsident der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin (ESSM). “Ärzte können Männern nun erstmals ein Arzneimittel anbieten, das speziell für vorzeitige Ejakulation entwickelt, und dessen Wirksamkeit nachgewiesen wurde”.

Untersuchungen zufolge leiden etwa 20 Prozent aller Männer an der sexuellen Fehlfunktion, bei der es noch vor oder während der ersten Minute des Geschlechtsverkehrs zum Samenerguss kommt. Das rezeptpflichtige Medikament verlängert diese Zeit um das Drei- bis Vierfache. Eine Luststeigerung bewirkt das Mittel allerdings nicht.

Weitere Informationen:
www.presseportal.de/pm/16998/1393429/janssen_cilag_gmbh/rs

 

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WHO-Studie zur "Pille für den Mann"

20.05.2009

Das Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) am Universitätsklinikum Münster (UKM) ist offizielles Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO und eines der klinischen Zentren einer Studie zur Entwicklung der "Pille für den Mann". Die "Pille" ist dabei allerdings eine Spritze, mit der dem Mann das Hormon Testosteron alle zwei Monate injiziert wird. Durch die Testosteron-Gaben sollen physiologisch normale Hormonspielel im Blut erzeugt werden, die die Eigenproduktion von Testosteron im Hoden und damit auch die Spermienproduktion unterdrücken. "Bereits nach drei Monaten ist die Spermienproduktion komplett vorbei. Weil die Männer dann keine Spermien mehr haben, ist die Sicherheit der Wirkung deutlich höher als bei der Pille für die Frau, zudem wir ständig Kontrollen der Wirksamkeit durchführen", erklärt Prof. Dr. Michael Zitzmann vom CeRA.

Die UKM-Einrichtung ist seit über 20 Jahren das einzige WHO-Kollaborationszentrum in Europa, das sich mit der Erforschung der männlichen Gesundheit und Fruchtbarkeit beschäftigt. Die aktuelle Studie wird dabei allerdings auch an anderen Standorten in Europa durchgeführt. Auch nach Beginn der Studie besteht noch die Möglichkeit für Paare, daran teilzunehmen, so Zitzmann. Ziel ist es, 50 Paare in die Studie aufzunehmen. "Es sind hauptsächlich Paare, die bereits ein oder zwei Kinder haben und nun entweder eine Babypause einlegen wollen oder keine Kinder mehr wünschen, die sich für die Studie interessieren", so Zitzmann, der die Studie als Endokrinologe und Androloge leitet. Er hat dabei eines festgestellt: "Wir haben viele Anfragen direkt von Frauen erhalten, die sich sehr für die Studie interessieren. Aber selbstverständlich müssen beide Partner mit einer Teilnahme einverstanden sein."

Weitere Informationen:
Michael.Zitzmann(at)ukmuenster.de

 

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Veilchenduft stoppt Prostatakrebs: Hormonmetaboliten blockieren Vermehrung von Krebszellen der Prostata

18.05.2009

Ein Protein mit bislang unbekannter Funktion, das in Prostatakrebszellen massenhaft hergestellt wird, haben Bochumer Biologen um Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt jetzt als Riechrezeptor für Veilchenduft "enttarnt". Zwar kommt in der Prostata der Blumenduft nicht vor, dafür aber ein sehr ähnlich aufgebautes Molekül als Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Weitere Untersuchungen ergaben, dass dieses Steroidhormon ebenfalls den Riechrezeptor aktivieren kann und der Zelle auf einem neu entdeckten Signalweg das Kommando gibt, die Zellteilung zu stoppen. "Das heißt praktisch, dass man mit Veilchenduft das Prostatakrebswachstum anhalten kann", spitzt Prof. Hatt die Ergebnisse zu. Weitere Tests sollen zeigen, ob die Erkenntnisse therapeutisch anwendbar sind.

Nachdem sie bereits Riechrezeptoren für Maiglöckchenduft in menschlichen Spermien nachgewiesen hatten, stießen die Bochumer Forscher jetzt auf einen weiteren dieser Rezeptoren, der auch außerhalb der Nase vorkommt: den Rezeptor für Veilchenduft in Prostatazellen. Um seine Funktion zu ergründen, statteten sie zunächst Nierenzellen mit dem genetischen Bauplan für das Rezeptorprotein aus und konfrontierten sie mit einer komplexen Mischung von Duftstoffen, um festzustellen, welcher von ihnen an den Rezeptor andockt und ihn aktiviert. Die Zellantwort - eine vermehrte Calcium-Ausschüttung - konnten sie mittels Calcium-sensitiven Farbstoffen beobachten. Ergebnis: Der Rezeptor hOR 51 E2 reagierte auf beta-Ionon, den klassischen Veilchenduft, und auf Steroidhormone (z.B. Dihydro-Testosteron), die in ihrer Molekülstruktur Ähnlichkeit mit dem Veilchenduft-Molekül haben. Tests mit Prostatazellen bestätigten die Ergebnisse: auch sie konnten die Substanzen "riechen". Die Forscher machten auch die Gegenprobe, indem sie in die Prostatazellen eine Gensequenz einschleusten, die die Rezeptorherstellung unterbindet. Diese Zellen reagierten nicht mehr auf den Duft oder das Steroidhormon.

"Die Frage war dann natürlich: Welche Funktion hat der Rezeptor in der Prostatazelle? Und welchen Signalweg löst er aus?", erklärt Prof. Hatt. Die Forscher stießen auf eine ältere Studie, die ein Protein unbekannter Struktur beschrieb, das vor allem in Prostatakrebszellen verstärkt gebildet wird. Bei näherem Hinsehen entpuppte es sich als genau der Veilchenduftrezeptor, den die Bochumer Wissenschaftler untersuchten. Aus der Urologischen Klinik Herne der Ruhr-Universität (Prof. Dr. Joachim Noldus) besorgten sie sich daher aus Operationsmaterial Prostatakarzinomzellen für weitere Untersuchungen. Die Zellantwort auf Veilchenduft oder das Steroidhormon war erwartungsgemäß hoch, da der Rezeptor in den Krebszellen in  besonders großen Mengen vorkommt. Das interessanteste aber war die Wirkung des Veilchenduftes bzw. des Steroidhormons auf die Proliferation der Zellen: das Zellwachstum nahm signifikant ab und sank gegen Null.

Weitere Tests zeigten, dass der Signalweg ein völlig anderer ist als bei Riechzellen. Das Rezeptorsignal wird in den

Prostatakarzinomzellen direkt an den Zellkern übermittelt, der dann dafür sorgt, dass die Zellteilungsrate reduziert wird. Untersuchungen an Mäusen sollen jetzt zeigen, ob das, was in Zellkulturen entdeckt wurde, auch im Organismus funktioniert. "Dann wird man die Erkenntnis irgendwann vielleicht therapeutisch gegen Prostatakrebs einsetzen können", hofft Prof. Hatt.

Further Reading:
http://www.jbc.org/cgi/doi/10.1074/jbc.M109.012096
Weitere Informationen:
Dr. Eva Neuhaus, Lehrstuhl für Zellphysiolgie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Tel.: 0234/32-24315
E-Mail: Eva.Neuhaus(at)rub.de

 

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Weich und hoch belastbar wie biologisches Gewebe: Neues Biomaterial aus DNA-umhüllten Kohlenstoffnanoröhrchen

18.05.2009

Für moderne Implantate und die Zucht künstlicher Gewebe und Organe werden Materialien mit möglichst naturnahen Eigenschaften benötigt. Das Gewebe unseres Körpers zeigt jedoch eine Eigenschaftskombination, die nur sehr schwer in synthetischen Materialien nachgeahmt werden kann: Es ist gleichzeitig weich und sehr belastbar. Ein australisch-koreanisches Forscherteam hat nun ein neuartiges, hochporöses schwammartiges Material entwickelt, das in seinen mechanischen Eigenschaften dem von biologischem Weichteilgewebe sehr nahe kommt. Der Trick: das neue Material besteht es aus einem robusten Netzwerk aus DNA-Strängen und Kohlenstoffnanoröhrchen.

Weichteilgewebe wie Sehnen, Muskeln, Arterien, Haut und andere Organe erhalten ihre mechanische Stütze durch die extrazelluläre Matrix, einem Netz proteinbasierter Nanofasern. Verschiedene Protein-Morphologien führen dabei zu Geweben mit einer ganzen Bandbreite von Steifigkeiten. Als Implantate oder als Gerüste für die Gewebezüchtung braucht man poröse, weiche Materialien - die meist aber sehr fragil sind. Da viele biologische Gewebe regelmäßig starken mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, ist es zudem wichtig, dass das Implantatmaterial eine vergleichbare Elastizität ausweist, um Entzündungen zu vermeiden. Gleichzeitig muss das Material sehr fest und belastbar sein, sonst kann es versagen.

Das neue Konzept nutzt DNA-Stränge als Matrix, die die gerüstbildenden Kohlenstoffnanoröhrchen in Anwesenheit einer ionischen Flüssigkeit regelrecht einwickeln und zu einem Gel vernetzen. Dieses Gel kann man spinnen: Nicht anders als beim Nassspinnen von Seide oder Kunstfasern für Textilien lassen sich hauchfeine Fäden erzeugen, wenn man das Gel in ein spezielles Bad eindüst. Die getrockneten Fäden haben eine poröse schwammartige Struktur und bestehen aus einem Netzwerk ineinander verschränkter ca. 50 nm dünner Nanofasern. Einweichen in einer Calciumchloridlösung vernetzt die DNA weiter, die Fäden werden wesentlich dichter und fester miteinander verbunden.

Diese schwammartigen Fasern ähneln den Kollagenfasernetzen der biologischen extrazellulären Matrix. Sie lassen sich zudem knoten, flechten und zu textilartigen Strukturen verweben. So entstehen Materialien, die so elastisch sind wie die weichsten natürlichen Gewebe, gleichzeitig verleihen ihnen die robusten DNA-Kontaktstellen eine hohe Belastbarkeit.

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

 

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3D-Atlas der Niere erstellt

15.05.2009

Nierenerkrankungen sollen künftig früher erkannt und besser behandelt werden. Dazu haben Forscher aus neun europäischen Ländern unter Federführung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in den vergangenen viereinhalb Jahren einen dreidimensionalen virtuellen "Atlas der Niere" erstellt. Er bündelt die neuesten Erkenntnisse über die Entwicklung der Niere und die Entstehung von Nierenerkrankungen. Er war Teil des Forschungsprojekts "European Renal Genome Project" (EuReGene), das die Europäische Union (EU) mit über 10 Millionen Euro gefördert hat. Der Atlas wurde zum Abschluss dieses Projekts auf einem zweitägigen Symposium vom 15. und 16. Mai im MDC vorgestellt.

In Europa gibt es etwa 4,5 Millionen Nierenkranke. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, deren Erkrankung häufig die Folge von Bluthochdruck und Diabetes ist, aber auch Kinder, die vielfach bereits mit einer Nierenschädigung zur Welt kommen. Insbesondere die Zunahme von Diabetes Typ 2 lässt die Zahl der Nierenkranken steigen. Chronische Nierenerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Etwa 20 Prozent der Patienten sterben daran.

Der jetzt vorgestellte Atlas enthält neben anatomischen Daten vor allem Informationen zu Genen, die bei Nierenerkrankungen eine entscheidende Rolle spielen. Er richtet sich sowohl an Grundlagenforscher und Kliniker als auch an die breite Bevölkerung.

Der Atlas baut auf verschiedenen Genomprojekten auf. Beteiligt daran waren Pathologen, Entwicklungs- und Molekularbiologen sowie Genetiker aus insgesamt 14 Forschungsgruppen von außeruniversitären Einrichtungen, Universitäten und sechs Universitätskliniken. Der Nierenatlas wird nach Ansicht von Projektkoordinator Prof. Thomas Willnow (MDC) auch große Bedeutung für die Erforschung von Stoffwechselstörungen haben, die zu Nierenschäden führen, wie etwa Diabetes.
Der Nierenatlas wird jetzt weitergeführt mit dem Projekt EUNEFRON, das sich speziell mit Nierenerkrankungen im Kindesalter befasst.

Weitere Informationen:
www.euregene.org
www.euregene.org/euregene/pages/public_science_info_d.htm
www.bundesverband-niere.de
www.eunefron.org

 

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Früherkennungsverfahren beim Prostatakarzinom in Gießen

14.05.2009

Die Deutsche Krebshilfe fördert ein Forschungsprojekt zur Untersuchung des Prostatakarzinoms, das kooperativ vom Institut für Genetik und von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wird, mit 133.000 Euro. Als Projektleiter fungieren Dr. Undraga Schagdarsurengin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Genetik und Prof. Dr. Klaus Steger, Leiter des Forschungslabors der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie.

Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen molekularbiologische Untersuchungen zur Genetik und Epigenetik des Prostatakarzinoms durchgeführt werden. Die beiden Projektleiter erhoffen sich von den Ergebnissen ihrer Untersuchungen - nicht zuletzt auch durch den interdisziplinären Ansatz - neue Erkenntnisse über die Entstehung des Prostatakarzinoms, die künftig für die Entwicklung verbesserter klinischer Diagnoseverfahren genutzt werden können.

Weitere Informationen:
Klaus.Steger(at)chiru.med.uni-giessen.de

 

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Diagnostik und Therapie von Krebszellen mit "Vier-in-Einem-Wirkstoff"

08.05.2009

Koreanische Forscher haben die Basis für einen vierfach aktiven Wirkstoff entwickelt, der Tumorzellen aufspüren, gezielt lahm legen und dabei makroskopisch wie mikroskopisch sichtbar machen kann. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, handelt es sich um magnetische Eisenoxid-Nanopartikel, an denen ein Fluoreszenzfarbstoff, RNA-Schnipsel sowie ein spezielles Peptid angeknüpft sind. Das Peptid soll die Krebszellen spezifisch erkennen, die RNA-Schnipsel sollen spezielle Gene der Krebszellen stumm schalten und die Zellen damit abtöten. Die Magnetpartikel dienen als Kontrastmittel für die Kernspintomographie, der Fluoreszenzfarbstoff ermöglicht eine mikroskopische Bildgebung der Zielzellen.

Die mRNA ist ein guter Angriffsprunkt, um die Synthese von Proteinen, z.B. auch solchen, die für das Wachstum von Tumoren wichtig sind, zu stoppen. Dazu werden siRNAs (small interfering RNAs) in die Zelle eingeschleust, kurze doppelsträngige RNA-Schnipsel, die an spezifisch an die Ziel-mRNA binden. In der Zelle bindet ein spezieller Protein-Komplex an die siRNA, der die mRNA aufwindet und spaltet. In dieser ungeschützten Form wird sie von der Zelle rasch abgebaut.

An Nanopartikel gebunden lassen sich die siRNAs leichter in Zellen einschleusen. Damit gezielt Krebszellen angesteuert werden, tragen die Partikel ein kurzes, sog. RGD-Peptid, das ihnen den Weg weist: RGD bindet stark an ein Integrin, ein Membranprotein, das in metastasierenden Tumorzellen in wesentlich höherer Menge verankert ist als bei gesundem Gewebe. Die Integrine mit den RDG-bestückten Nanopartikeln werden von der Zelle mitsamt ihrer Fracht aktiv ins Innere hereingeholt
(rezeptorvermittelte Endocytose).

Die Magnetpartikel dienen nicht nur als Hilfsmittel für den Transport, sondern gleichzeitig als Kontrastmittel für die Kernspintomographie. So wird sichtbar, wo sich Tumore befinden, ob sich die Partikel darin anreichern und wie eine Therapie voranschreitet. Ist eine höhere Auflösung gefragt, kommen die Fluoreszenfarbstoffmoleküle ins Spiel. In histologischen Schnitten von Gewebeproben lässt sich damit sichtbar machen, wie die Magnetpartikel von einzelnen Zellen aufgenommen werden und in welchen Zellkompartimenten sie sich anreichern.

Weitere Informationen:
http://chem.yonsei.ac.kr/

 

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Auch Proteine induzieren pluripotente Stammzellen - von iPS- zu piPS-Zellen

24.04.2009

Stammzellforscher aus Kalifornien und Münster generierten mit einer neuen Methode sog. Protein-induzierte pluripotente Stammzellen (piPS-cells) aus jungen Hautzellen der Maus.  Dabei verzichteten die Wissenschaftler ganz auf gentechnische Modifikationen des Erbguts der Zellen. Die vorliegende, rein biochemische Methode zur Reprogrammierung von Körperzellen bietet dadurch einen weiteren wichtigen Fortschritt bei der Erzeugung krebsunanfälliger Stammzellkulturen, die in der Medizin der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen könnten.

Wissenschaftlern am kalifornischen Scripps Research Institute ist es gelungen, embryonale Maus-Fibroblasten, also Frühstadien von Hautzellen, im Reagenzglas mit einem Protein-Cocktail zu versorgen, der ein Umschalten verschiedener Gene in der Erbinformation der Hautzelle zur Folge hat. Diese Umschaltung bildet die Grundlage für die Reprogrammierung der Hautzellen, die sich dann zu Alleskönner-Zellen zurück verwandeln und wieder über universelle Fähigkeiten verfügen. Das Team um Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster konnte die Pluripotenz der am kalifornischen Scripps Research Institute erzeugten Zellen eindeutig nachweisen. Die Münsteraner Wissenschaftler stellten ihren Kollegen in den USA zunächst die Maus-Fibroblasten zur Verfügung, um später die dort reprogrammierten Zellen auf ihre Alleskönner-Qualitäten zu testen. Die erzeugten Zellen wiesen tatsächlich die typischen Eigenschaften pluripotenter Stammzellen auf. "Die Versuche zeigen eindrucksvoll, dass die Integration von Genen mittels viraler Genfähren bei Mauszellen nicht zwingend notwendig ist." erläutert Schöler. Die Gabe der entsprechenden Proteine in Kombination mit einem 'small molecule' zum erleichterten Andocken der Proteine an die DNA sei ausreichend, um die Reprogrammierung zu initiieren.

Erst Anfang Februar hatte Schöler eine Reprogrammierung von Hautzellen zu iPS-cells mit nur einem eingeschleusten Gen (Oct4) demonstrieren können (siehe auch unsere Meldung vom 06.02.2009). Bis dato war in den international etablierten Methoden ein Gentransfer von 4 Genen (Oct4, Sox2, Klf4 und cMyc) notwendig. Bei den genetischen Eingriffen kann es allerdings zu einer Inaktivierung anderer Gene oder sogar zu einer Entartung der Zelle kommen. Die Zugabe von Proteinen dagegen stellt nach heutigen Kenntnissen kein Risiko für das Erbgut dar. Um die Proteine in die Mauszellen zu schleusen, nutzen die US-amerikanischen Forscher ein kurzes Verbindungsprotein (Peptid), das an die Proteine gebunden wird und den Transfer durch die Zellmembranen ermöglicht. Die Proteine haben im Plasma der Zelle eine nur kurze Überlebenszeit. Deshalb muss die Behandlung mit dem Protein-Cocktail über mehrere Tage wiederholt vorgenommen werden. Erst dann entstehen die gewünschten Stammzellkolonien.

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS- und piPS-cells) können sich zu jedem denkbaren Zelltyp, wie etwa einer Nervenzelle, einer Muskelzelle oder einer Leberzelle, entwickeln. Solche Zellen könnten in zukünftigen Therapien verschiedenster Krankheiten eine entscheidende Rolle spielen.  Zellersatztherapien bilden aber nur einen Bereich des Potentials von Stammzellen. Einen weiteren bedeutenden Einsatzbereich sieht die Wissenschaft in der Analyse von Krankheitsentwicklungen und der Optimierung personenspezifischer Medikationen.

"Die heute vorgelegten Ergebnisse stammen aus Tests an Mauszellen. Der nächste Schritt ist natürlich die Übertragung auf menschliche Zellen. Das ist etwas, was uns in Münster ab sofort beschäftigen wird", kommentiert Schöler, der sich bereits auf die für Anfang 2010 geplante Erweiterung der Stammzellforschung durch zusätzliche Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen und der Max-Planck-Gesellschaft freut.

Further Reading:
www.cell.com/cell-stem-cell/fulltext/S1934-5909(09)00159-3

 

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SCAI: Protein unterdrückt Metastasierung von Tumorzellen

07.04.2009

Heidelberger Wissenschaftler entdeckten ein neues Protein, das bei besonders aggressiven Krebszellen ausgeschaltet ist. Fehlt den Krebszellen dieses Protein, so können sie leichter in gesundes Körpergewebe eindringen, der erste Schritt zur Ausbildung von Metastasen. Wurde das SCAI-(suppressor of cancer cell invasion)-Protein im Labor gezielt in seiner Funktion gestört, so bewegten sich die Krebszellen in so genannten dreidimensionalen Matrixsystemen, die Gewebeeigenschaften des menschlichen Körpers nachahmen, viel effektiver.

Tumorzellen sind außerordentlich beweglich und "geschickt", wenn es darum geht, in gesundes Gewebe einzudringen und Metastasen zu bilden: Sie passen sich der jeweiligen Beschaffenheit des Gewebes an, indem sie ihre Form ständig verändern und sich mit Hilfe spezieller Oberflächenstrukturen (Rezeptoren) bei ihrer Bewegung flexibel an umliegendes Gewebe anheften. Ein solcher Rezeptor ist das ß1-Integrin, der in vielen Tumoren gehäuft gebildet wird. Die Heidelberger Forscher fanden heraus, dass SCAI die Bildung und Funktion von ß1-Integrin kontolliert. Gibt es zu wenig SCAI, dann ist ß1-Integrin überaktiv und die Krebszelle kann schneller in umliegendes Gewebe eindringen, ein entscheidender Schritt hin zu starker Tumorausbreitung und der möglichen Bildung von Metastasen."

Der neue Faktor kann ein interessanter Kandidat für die Erforschung neuer Mechanismen zur Krebsbekämpfung sein. Möglich wäre es, einen Wirkstoff zu entwickeln, der die genetische Ausschaltung des Signalfaktors in Krebszellen verhindert.

Further Reading:
Brandt DT, Baarlink C, Kitzing TM, Kremmer E, Ivaska J, Nollau P, Grosse R: SCAI acts as a suppressor of cancer cell invasion through the transcriptional control of ß1-integrin. Nature Cell Biology 2009. DOI:10.1038/ncb1862

 

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Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. nimmt Stellung zu PSA-Studien

26.03.2009

Mit über 58 000 Neuerkrankungen in Deutschland ist das Prostatakarzinom der häufigste bösartige Tumor beim Mann. Obwohl überwiegend ältere Männer betroffen sind und die Erkrankung selten rasch zum Tode führt, sterben jedes Jahr in Deutschland über 11000 Patienten an diesem Tumor. Durch die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) mittels eines einfachen Bluttestes können Frühformen Jahre vor ihrem klinischen Auftreten festgestellt und in diesen Frühstadien meistens geheilt werden.

In einer sehr großen europäischen randomisierten Studie mit 182 000 Teilnehmern konnte jetzt gezeigt werden, dass durch PSA-gestütztes Screening gesunder Männer im Alter von 55-69 Jahre die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu versterben, signifikant um 20 Prozent gesenkt wird. In Wirklichkeit ist der Unterschied wahrscheinlich sogar höher, da in der Kontrollgruppe wegen der mittlerweile großen Verbreitung des PSA-Tests nicht alle Patienten tatsächlich nicht getestet wurden. Analysiert man die Patienten nur nach Ihrem wirklichen Screeningverhalten, so ist der Vorteil für das Screening 28 Prozent. Dieses Phänomen ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass eine gleichzeitig publizierte deutlich kleinere amerikanische Studie keinen Sterblichkeitsunterschied nachweisen konnte. Hier war aufgrund der Popularität des PSA-Testes in den Vereinigten Staaten der Anteil getesteter Patienten in der Kontrollgruppe wesentlich höher. Der mögliche Erfolg der Früherkennungsmaßnahme war somit überhaupt nicht nachweisbar.

Zur Vermeidung eines prostatakarzinombedingten Todesfalles waren in der europäischen Studie 1410 Männer erforderlich, die sich der PSA-Testung unterzogen. Bei 48 Männern musste das Prostatakarzinom behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern. Diese Zahlen sind durchaus vergleichbar mit denen der etablierten Früherkennungsverfahren beim Brust- oder Darmkrebs. Dennoch ist die hohe Rate an Patienten, die für ein gerettetes Leben behandelt werden müssen, Grund, weitere Forschungsanstrengungen zu unternehmen. Es ist erforderlich, die wirklich gefährlichen Tumoren zu identifizieren. Dazu muss einerseits verstärkt nach biologischen Parametern zur Aggressivität gesucht werden und andererseits muss die Lebenserwartung der betroffenen Patienten möglichst genau abzuschätzen sein.

Männer, die für eine Früherkennungsuntersuchung in Frage kommen, sollten von ihren betreuenden Ärzten über die Ergebnisse der randomisierten Screeningstudien informiert werden. Wichtig ist eine ausgewogene Aufklärung über die Möglichkeiten (Vermeidung von Prostatakarzinom-Todesfällen) und die Probleme (Diagnose von Fällen ohne klinische Bedeutung und mögliche Nebenwirkungen der Therapie) des Prostatakarzinomscreenings. Die weitere Beobachtung der in den Studien tersuchten Männer wird hierzu in den kommenden Jahren wichtige neue Informationen liefern.

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
pressestelle(at)wahlers-pr.de

 

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Neue effiziente DNA-Sequenzierungs-Methode entwickelt

23.03.2009

Einen neuen Weg zur Sequenzierung von DNA gehen Stuart Lindsay und sein Team von der Arizona State University in Tempe. Dabei messen sie die Stärke der Wasserstoffbrückenbindung zwischen DNA-Basenpaaren mit Hilfe von Elektronenströmen.

Die Methode basiert auf dem Prinzip des Rastertunnelmikroskops, bei dem eine elektrisch leitende Spitze sehr nah an die zu untersuchende Oberfläche herangebracht wird, ohne sie jedoch zu berühren. Beim Anlegen einer Spannung können Elektronen die kleine Distanz zwischen Spitze und Oberfläche überwinden, obwohl sie nach klassischer physikalischer Sicht nicht dazu in der Lage wären - der so genannte Tunneleffekt. Die Forscher beluden die Metallspitze nun mit einer bestimmten DNA-Base, die mit ihrer komplementären Base in der zu untersuchenden Probe Wasserstoffbrücken ausbilden kann, wie es normalerweise im DNA-Strang passiert. Um die Stärke der Wasserstoffbrücken zu messen, entfernten die Wissenschaftler die Spitze langsam von der Probe - je fester die Bindung, umso länger fließt noch ein Strom. Anhand der Stromstärke und der Distanz, in der er noch floss, konnten alle DNA-Basen eindeutig identifiziert werden.

Dieses Verfahren könnte sowohl die Kosten als auch den Zeitaufwand einer DNA-Sequenzierung deutlich reduzieren, so die Forscher. Bei bisherigen chemischen Methoden werden die DNA-Stränge in viele kleine Stücke zerlegt und jeweils einzelne Basen gelesen. Computergestützt werden die Teile dann wieder zusammengesetzt.

Further Reading:
Chang S, He J, Kibel A, Lee M, Sankey O, Zhang P, Lindsay S: Tunnelling readout of hydrogen-bonding-based recognition. Nature Nanotechnology

 

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Eisen treibt Tumorzellen in den Tod

10.03.2009

Tumorzellen und gesunde Zellen unterscheiden sich erheblich in ihrer Stoffwechselleistung. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum machten sich diesen Unterschied zunutze: Durch die Freisetzung von zellulärem Eisen konnten sie gezielt Tumorzellen in den Tod treiben.

Das schnelle Wachstum von Krebszellen und ihre häufigen Teilungen haben ihren Preis: Krebszellen haben einen deutlich höheren Energiebedarf als gesunde Zellen. Ihr auf Hochtouren laufender Stoffwechsel benötigt große Mengen an Spurenelementen, insbesondere an Eisen. Jedoch führt ein hoher Eisenspiegel in der Zelle zur Produktion von extrem schädlichen freien Radikalen. Um sich davor zu schützen, inaktiviert die Zelle das freie Eisen durch die Bindung an so genannte Eisenspeicherproteine.

In Zusammenarbeit mit Ärzten der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Mannheim untersuchten Dr. Karsten Gülow und Professor Dr. Peter Krammer, Leiter der Abteilung Immungenetik im Deutschen Krebsforschungszentrum, das Sézary-Syndrom, eine besonders aggressive Form des kutanen T-Zell-Lymphoms. Die meisten bisher verfügbaren Behandlungen können gegen diese tödlich verlaufende Krebserkrankung wenig ausrichten.

Gülow und Kollegen gelang es mit einem molekularbiologischen Trick, in den Lymphomzellen die Produktion eines der Eisenspeicherproteine zu blockieren. Dadurch steigt der Gehalt von freiem, ungebundenem Eisen in der Zelle. Das Eisen kurbelt die Bildung von freien Sauerstoffradikalen an, die oxidativen Stress auslösen und damit die Krebszellen schädigen und in den Tod treiben. Gesunde Zellen mit ihrem niedrigeren Eisenspiegel dagegen überstehen die Behandlung unbeschadet.

Die DKFZ-Forscher haben bereits Hinweise dafür gefunden, dass der Eiseneffekt auch bei anderen Lymphomen wirksam ist. Sie prüfen nun, ob sich die gezielte Eisenfreisetzung für die Entwicklung einer neuartigen Form der Krebstherapie eignet.

Weitere Informationen:
www.dkfz.de

 

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Zentrales Sekretariat für Bio-Netzwerk

28.02.2009

Biologisches Material für die Forschung aufbereiten und der Wissenschaft zugänglich machen - das ist weltweit Aufgabe von Kulturensammlungen. Viele dieser traditionellen Sammlungen sind durch Qualitätsmanagement in den letzten Jahren auf dem Weg, sich zu sogenannten "biologischen Ressourcen-Centern" (BRC) zu entwickeln.

Um Daten und Informationen aus diesen Zentren besser zu verknüpfen, wurde nun der Grundstein für ein internationales Bio-Netzwerk gelegt, mit zentralem Sitz in Braunschweig: das GBRCN (Global Biological Resource Center Network).

Die wissenschaftliche Infrastruktur GBRCN wird eine koordinierte Plattform bieten, mit deren Hilfe Sammlungen zu einem Qualitätsniveau geführt werden können, das den zukünftigen Anforderungen moderner Forschung Rechnung trägt, in einer Form wie es von einzelnen Sammlungen nicht geleistet werden könnte. Im Interesse von Wissenschaft, Industrie, Behörden und Regierungen werden Qualität und Zugänglichkeit von Ressourcen international vergleichbar gemacht.

Weitere Informationen:
Dr. Dagmar Fritze
GBRCN Demonstration Project Secretariat
Tel.: 0531-596 2135

 

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Empfehlungen des Gesundheitsforschungsrats zu Klinischen Studien mit Medizinprodukten online

25.02.2009

Medizintechnik ist ein dynamisches und hochinnovatives Forschungs- und Entwicklungsfeld. Deutsche Medizintechnikunternehmen erzielen rund ein Drittel ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind. Die deutsche Industrie hat mit ihren Medizinprodukten weltweit eine herausragende Position. Nach den USA ist sie der zweitgrößte Exporteur medizintechnischer Produkte.

Die Anforderungen, die innovative medizintechnische Produkte zu erfüllen haben, steigen jedoch. Aus Sicht des Gesundheitsforschungsrats werden sowohl für die Inverkehrbringung von Medizinprodukten als auch zur Erlangung der Erstattungsfähigkeit durch die gesetzlichen Krankenkassen zukünftig in größerem Umfang klinische Studien erforderlich werden. Zugleich werden die Qualitätsansprüche vor allem an Studien zur Evaluierung des medizinischen Nutzens steigen.

Um auf die verschiedenen Aspekte und sich abzeichnenden Probleme in Zukunft angemessen reagieren zu können, empfiehlt der Gesundheitsforschungsrat dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Klinische Studien mit Medizinprodukten".  Die Arbeitsgruppe soll untersuchen, wie die Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Medizintechnik in Deutschland für die wachsenden Anforderungen an klinische Studien mit Medizinprodukten aufgestellt sind und welche übergeordneten Aktivitäten ggf. zur Problemlösung beitragen könnten. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen einen Beitrag dazu liefern, dass die Medizintechnik in Deutschland ihre Spitzenstellung in diesem Markt halten und sogar noch ausbauen kann.

Kontakt:
Geschäftsstelle des Gesundheitsforschungsrats
Frau PD Dr. med. Anne Lücke
E-Mail: anne.luecke(at)dlr.de

 

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Zellulärer Transporter an der Stilllegung von Genen beteiligt - Importin lotst Schaltermolekül zum Einsatzort

20.02.2009

Die gezielte Ausschaltung bestimmter Gene ist für die Genregulation - und auch für die Entstehung von Krebs - von zentraler Bedeutung: Kleine nicht-kodierende Ribonukleinsäuren (miRNAs) gehen mit sogenannten Argonaut-Proteinen einen Komplex ein und sorgen dafür, dass Erbinformation "stillgelegt" oder sogar abgebaut wird. Wie dieser zelluläre Schalter gesteuert wird, war bisher weitgehend unbekannt. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biochemie gelang es nun, das Protein Importin 8 als zentralen Faktor zu identifizieren, der dem Schaltermolekül hilft, sein Ziel zu erkennen.

Ribonukleinsäuren (RNAs) transportieren in Form von messenger-RNAs (mRNAs) die in der DNA enthaltene Erbinformation zu den Proteinfabriken der Zelle und sorgen so dafür, dass unsere genetische Information in Proteine umgesetzt wird. Aber sie haben auch wichtige regulatorische Funktionen: Kleine nicht-kodierende Ribonukleinsäuren (miRNAs) beeinflussen die Stabilität der mRNA und können Gene ausschalten, indem sie deren Übersetzung in Proteine hemmen. Damit spielen sie für die Genregulation eine wichtige Rolle und bestimmen mit, welche Proteine in welcher Zelle produziert werden. Fehler in der Genregulation können unter anderem zur Entstehung von Krebs und neurodegenerativen Krankheiten führen. Deshalb sind miRNAs wichtige Objekte der Grundlagenforschung und könnten in Zukunft auch für die Therapie von Krankheiten wichtig werden.

Allerdings schaffen miRNAs es nicht allein, Gene stillzulegen, sondern sie benötigen weitere Proteine als Helfer: Eine zentrale Rolle spielen hierbei sogenannte Argonaut-Proteine, für den Menschen ist vor allem das Protein Ago2 wichtig. Es bildet mit miRNAs einen Komplex, der an die RNA bindet und so verhindert, dass deren genetische Information abgelesen wird - entweder, indem "nur" das Ablesen blockiert wird, oder indem die mRNA zerschnitten und abgebaut wird. "Über die Regulierung dieses Komplexes ist allerdings noch nicht viel bekannt", erklärt Gunter Meister, der Leiter der Forschungsgruppe RNA-Biologie am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Bisher konnte lediglich ein negativer Faktor identifiziert werden, der das Stilllegen von Genen verhindert: In diesem Fall besetzt ein bestimmtes Molekül die Bindungsstelle des Ago-miRNA-Komplexes an der mRNA, sodass der Komplex nicht mehr dort andocken kann. Meisters Team hat nun den ersten positiven Effekt entdeckt, d.h. den Wissenschaftlern gelang es, ein Protein zu identifizieren, das vorhanden sein muss, damit die mRNA blockiert werden kann: Das Protein Importin 8.

Importin 8 interagiert in der Zelle mit Ago und miRNA und ist notwendig, damit der Ago-miRNA-Komplex seine Bindungsstelle an der mRNA erreicht: Es wirkt quasi als Wegweiser, der den Komplex im Zytoplasma an die richtige Stelle lotst und so ein effizientes und spezifisches Ausschalten der Gene ermöglicht.

Die Wissenschaftler fanden sogar noch eine zweite Wirkungsweise von Importin 8, die die Genregulierung beeinflussen könnte: Importine sind Moleküle, die als zelluläre Transporter andere Proteine in den Zellkern befördern. "Dass unser Fund zu den Importinen gehört, legte die Vermutung nahe, dass auch Transportprozesse bei der Ausschaltung von Genen eine Rolle spielen könnten", berichtet Meister. Tatsächlich konnten die Forscher nachweisen, dass Importin 8 am Transport des Ago-miRNA-Komplexes in den Zellkern beteiligt ist. Dies ist interessant, weil seit Jahren kontrovers diskutiert wird, ob es kleine nicht-kodierende RNAs auch im Kern gibt.

Further Reading:
Weinmann et al.: Importin Is a Gene Silencing Factor that Targets Argonaute Proteins to Distinct mRNAs; Cell. 2009, Feb 6;136(3):496-507

 

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Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. dämpft die Erwartungen zu Sarkosin

19.02.2009

Angesichts von 49.000 Männern, die jedes Jahr in Deutschland an Prostatakrebs erkranken, weckt die Entdeckung von Sarkosin im Urin von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs große Hoffnungen, dieser Tumormarker könne in Zukunft als wichtiges diagnostisches Instrument von klinischer Bedeutung sein und neue Behandlungsstrategien gegen den Krebs ermöglichen.

Deutsche Urologen warnen allerdings vor zu hohen Erwartungen, nicht zuletzt aufgrund der geringen untersuchten Fallzahl. "Es handelt sich zweifellos um ein aufstrebendes Forschungsgebiet, das auch zukünftig noch weitere interessante Ergebnisse aufwerfen wird", sagt Professor Bernd Wullich, Leiter des Ressorts Forschung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. Für den Einsatz in der Routinediagnostik des Prostatakarzinoms sei es aber sicher noch zu früh, gibt auch Professor Axel Semjonow, DGU-Experte auf dem Gebiet der Prostatakrebs-Marker zu bedenken. Und auch der DGU-Generalsekretär, Professor Michael Stöckle mahnt vor übereilten Hoffnungen: "Der Biomarker Sarkosin hat ein hohes wissenschaftliches Zukunftspotential, es sieht aber eher so aus, als würde er die Patientenbehandlung allenfalls limitiert beeinflussen".

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
info(at)wahlers-pr.de

 

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Neuer Urintest für fortgeschrittenen Prostatakrebs

13.02.2009

Amerikanische Forscher haben die Grund-lage für einen neuen Urintest bei Prostatakrebs entwickelt. Sie entdeckten im Urin einen Indikator für den Tumor, das Sarkosin. Der Biomarker ermögliche einfachere Diagnoseverfahren und bessere Behandlungsmethoden, berichten die Wissenschaftler am KrebsZentrum der Universität Michigan in Ann Arbor im britischen Fachjournal "Nature".

Die Forscher um den Mediziner Arul Chinnaiyan hatten Urin-Proben von Prostatakrebs-Patienten und tumorfreien Menschen verglichen. Sarkosin konnte in 79 Prozent der Patientenproben mit streuenden Prostatakrebs nachgewiesen werden und in 42 Prozent der Patientenproben mit frühen Tumorstadien. Bei tumorfreien Patienen fand sich kein Sarkosin. In der Studie sei Sarkosin ein besserer Indikator für fortgeschrittenen Krebs gewesen als der herkömmliche PSA-Test, berichten die Forscher.

Fügten die Mediziner Sarkosin im Labor zu gutartigen Prostatazellen, so wurden diese zur Metastasenbildung angeregt. Bremsten sie die Entstehung von Sarkosin in Prostata-Krebszellen, so wurden diese weniger aggressiv. Die Forscher schließen daraus, dass Sarkosin bei Prostatakrebs eine direkte Rolle spielt. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 49.000 Männer an einem Prostatakarzinom. Derzeitige Biomarker für Prostatakrebs seien nicht exakt genug, sagte Sudhir Srivastava vom Nationalen Krebsforschungsinstitut (NIH) der USA. "Daher sind exaktere Indikatoren für Krebs von großem Interesse." Sarkosin könne ein hervorragender Indikator sein.

Sarkosin kann möglicherweise in Zukunft als wichtiges diagnostisches Instrument, zusätzlich zum Serum-PSA-Spiegel, von klinischer Bedeutung sein. Darüberhinaus könnten über Sarkosin neue Behandlungsstrategien gegen bösartigen Prostatakrebs entwickelt werden.

Further Reading:
Sreekumar A, (…), Chinnaiyan AM: Metabolomic profiles delineate potential role for sarcosine in prostate cancer progression. Nature. 2009 Feb 12; 457(7231): 799-800

 

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Bessere Tumorversorgung mindert Bösartigkeit - Neuartige Tumor-Therapie?

12.02.2009

Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, wie der Sauerstoffgehalt in Tumorgeweben mit dem Ausbau jener Blutgefäße zusammenhängt, mit denen die Krebszellen sich selbst versorgen.

Die Wissenschaftler hatten gentechnisch veränderte Mäuse mit Tumoren untersucht. Die Krebszellen beginnen bei Sauerstoffmangel in ihrer Umgebung üblicherweise Wachstumsfaktoren auszu-schütten, die Blutgefäße zur Versorgung in ihre Richtung wachsen lassen. Wie die Forscher erkannten, sind die Wände dieser rekrutierten Gefäße aber oft missgebildet und löchrig, weil ihre Epithelzellen keine dichte, fest abschließende Hüllschicht bilden können. Die Sauerstoffversorgung der Tumoren sei wegen solcher Mängel der neuen Gefäße für die Krebszellen ineffizient, was die Tumoren unter Stress setzt. Erst diese hypoxischen, lokal schlechten Bedingungen führten dann häufig zu einem metastasierenden Ausweichen der Krebszellen mit fatalen Folgen für Patienten.

Das Forscherteam erkannte zudem, dass die Gefäßwände in Tumornähe nicht deformiert sind, wenn die so genannten PHD2-Sauerstoffsensoren der Zellen teilweise abgeschaltet werden. Die dann entstehenden Gefäße mit normal dichten Wänden versorgen die Tumoren besser mit Sauerstoff. Damit sei der Stress für die entarteten Zellen und damit das Risiko reduziert, aus ihrer Position auszubrechen und Metastasen zu bilden. Zudem verhindern die mit der üblich dichten Epithelzell-Phalanx belegten Wände der undeformierten Gefäße Wanderungen von Tumoren in die Blutbahn deutlich stärker. In der Summe seien die Tumoren zwar gut versorgt, aber deshalb auch deutlich weniger aggressiv und bösartig.

Die Daten machen eine völlig neue Tumorbekämpfungsstrategie denkbar, die das Gegenteil der seit Langem angestrebten "aushungernden" Antikrebstherapie mit Angioinhibinen darstellt: Statt zu versuchen Tumoren vollständig vom Blutkreislauf abzuschneiden, könnte durch eine Manipulation der Sauerstoffsensoren die Versorgung sogar gezielt verbessert werden.

Further Reading:
Mazzone M et al.: Heterozygous deficiency of PHD2 restores tumor oxygenation and inhibits metastasis via endothelial normalization. Cell. 2009 136(5)

 

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Stammzellen-Wecker Interferon

11.02.2009

Der Immunbotenstoff Interferon alpha erweckt schlafende Blutstammzellen im Knochenmark zur Aktivität und macht sie dadurch für die Wirkung vieler Medikamente angreifbar. Dies veröffentlichten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Kollegen aus Lausanne in der Zeitschrift „Nature“.

Auch Tumorstammzellen, so vermuten die Forscher, lassen sich so zur Teilung anregen und damit für die Behandlung mit Krebsmedikamenten sensibilisieren.

Die Wissenschaftler vom DKFZ zeigten damit zum ersten Mal, dass Interferon alpha die Funktion von Stammzellen direkt beeinflussen kann. Die Forscher begeistert an diesem Ergebnis besonders die Aussicht, dass der neu entdeckte Wirkmechanismus möglicherweise die Krebsbehandlung verbessern kann: Interferon alpha könne nicht nur Blutstammzellen, sondern ebenso Tumorstammzellen aus dem Schlafzustand wecken und damit ihre oft beobachtete Resistenz gegen viele Krebsmedikamente brechen.

Weitere Informationen:
www.dkfz.de

 

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Pluripotente Stammzellen mit Hilfe eines einzigen Gens

06.02.2009

Es ist der nächste Streich aus dem Labor des Stammzellforschers Prof. Dr. Hans Schöler. Ihm und seinen Kollegen vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster ist es gelungen, adulte Stammzellen durch das Einschleusen nur noch eines einzelnen Gens zu „Alleskönner-Zellen“ umzuprogrammieren.

Erst vor einem halben Jahr hatte Schöler die Zahl der benötigten Gene von vier auf zwei gesenkt. Jetzt beschreiben er und seine Kollegen im Fachmagazin "Cell", dass sie zur Reprogrammierung nur noch das Gen Oct4 benötigen. Von den Fähigkeiten her sind die entstehenden pluripotenten Stammzellen (iPS cells) embryonalen Stammzellen vergleichbar. Aus ihnen lassen sich alle beliebigen Körperzellen züchten.

Das nordrhein-westfälische Innovationsministerium und die Max-Planck-Gesellschaft stellen als Reaktion auf die neuen Forschungsergebnisse eine weitere Stärkung der renommierten Stammzellforschung am Standort Münster in Aussicht. Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart und der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Herbert Jäckle, zeigten sich offen für Pläne eines Brückenschlags von der Grundlagenforschung zur klinischen Forschung. Innovationsminister Pinkwart versprach Rückenwind vom Land für die Arbeit des Ausnahmewissenschaftlers: "Wir setzen alles dran, dass Schöler mit Volldampf seine Erkenntnisse weiter verfolgen und für menschliche Therapiezwecke nutzen kann." Er betonte zugleich, man dürfe nicht vergessen, dass Heilungserfolge nicht von heute auf morgen erzielt werden können und weiterhin intensive Grundlagenforschung notwendig machen.

Further Reading:
Kim JB, (...), Schöler H: Oct4-induced pluripotency in adult neural stem cells. Cell. 2009 Feb 6; 136(3): 411-9

 

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Tumorstammzellen - Ursache von Krebs?

04.02.2009

Im Verständnis der Krebserkrankungen findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Neue Erkenntnisse legen nahe, dass ein Tumor nicht wie bisher angenommen funktionell homogen sondern hierarchisch aufgebaut ist. Das bedeutet, dass einige wenige Krebszellen mit Stammzelleigenschaften, aus denen die differenzierten Tumorzellen hervorgehen, die Basis des Tumors bilden. Tumorstammzellen führen eine asymmetrische Zellteilung durch, wodurch sie sich selbst unbegrenzt erneuern und gleichzeitig Tochterzellen hervorbringen können, die über Vorläuferstadien zu spezialisierten Zellen differenzieren. Diese Eigenschaften haben die Tumorstammzellen mit dem bereits länger untersuchten Zelltyp der Stammzellen gemeinsam. Die Erforschung von Tumorstammzellen steht jedoch noch am Anfang.

Molekularbiologische Studien untersuchen und vergleichen aktuell Signalwege von Tumorzellen, Gewebsstammzellen und embryonalen Stammzellen. Dieser Vergleich ist notwendig, um gerichtete Therapien zu entwickeln, die ausschließlich Tumorstammzellen und nicht die Stammzellen regenerativer Organe wie Knochenmark, Darm oder Haut treffen, zu entwickeln. Das Verständnis der molekularen Signalwege von Tumorstammzellen wird erheblichen Einfluss auf die Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Krebserkrankungen und deren assoziierte Begleiterkrankungen haben und zur Überwindung von vielen der Probleme der bisherigen Krebstherapien führen.

Weitere Informationen:
www.molgen.mpg.de/molemb/www.sanst.de

 

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Diabetes-Heilung nach kombinierter Transplantation

03.02.2009

Diabetiker profitieren langfristig von der gemeinsamen Transplantation von Niere und Bauchspeicheldrüse. Die kombinierte Organübertragung ist bereits fünf Jahre nach der Transplantation einer einzelnen Spenderniere überlegen; die Überlebenszeit der Empfänger und des verpflanzten Organs ist bei der kombinierten Transplantation bedeutend länger. Offensichtlich hat die "Heilung" des Diabetes durch die Transplantation eines insulin-produziirenden Pankreas erhebliche Vorteile. Die Transplantation einer Niere nach Lebendspende durch einen Angehörigen oder Freund hat wiederum eine bessere Prognose als nach der Spende durch einen Verstorbenen. Beide sind jedoch der kombinierten Transplantation unterlegen.Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten die Daten von einigen tausendTransplantationen und fanden nur unmittelbar nach dem Eingriff leichte Nachteile für die Kombination. "Die größere Operation birgt ein leicht erhöhtes Risiko", erklärt Dr. Christian Morath, Oberarzt in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Jedoch bedeute die kombinierteTransplantation, dass der Diabetes ebenfalls "geheilt" sei, der Patient im Idealfall kein Insulin mehr benötige. Dadurch werden langfristig schwere Schäden an Herz und Niere verhindert. Die Patienten bekommen seltener einen Herzinfarkt und müssen nicht mehr an die Dialyse. Insgesamt ist das Risiko zu sterben für kombiniert Transplantierte verglichen mit Patienten, die allein eine Spenderniere erhielten, jenseits des zehnten Jahres nach der Transplantation fast halbiert.

Weitere Informationen:
www.ctstransplant.org
www.nierenzentrum-heidelberg.co

 

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Sind metallorganische Verbindungen die neuen Zytostatika?

13.01.2009

Trotz beachtlicher Fortschritte in der modernen Chemotherapie herrscht nach wie vor ein großer Bedarf an innovativen Antitumorwirkstoffen. Ein neuer Ansatz ist die Modulierung der pharmakologischen Eigenschaften etablierter Wirkstoffe durch metallorganische Fragmente. Wie ein Team von Wissenschaftlern aus Berlin, Bochum, Innsbruck und Leiden in der Zeitschrift "Angewandte Chemie" berichtet, zeigen beispielsweise Cobalt-Aspririn-Komplexe (Co-ASS) ein interessantes Potenzial als Zytostatika.Die meisten der heute verwendeten Arzneistoffe sind rein organische Verbindungen. Stimuliert durch den enormen Erfolg der anorganischen Verbindung Cisplatin in der Tumortherapie ist das Interesse an Metallkomplexen gestiegen.

Metallkomplexe können in Zellen Reaktionen eingehen, die mit konventionellen organischen Substanzen nicht realisierbar sind. In Experimenten mit Zebrafischembryos konnte nachgewiesen werden, dass Co-ASS nicht nur das Zellwachstum, sondern im Gegensatz zu Aspirin auch die Angiogenese hemmt. Co-ASS erhöht zudem die Caspase-Aktivität, so dass die Apoptose in den Zellen gefördert wird.

Weitere Informationen:
http://userpage.fu-berlin.de/~ottingo

 

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Zwiegespalten auf böser Mission: EpCAM-Untereinheit fördert Krebswachstum

11.01.2009

Krebszellen stammen von normalen Körperzellen ab und sind deshalb vom Immunsystem wie auch der Medizin so schwer zu bekämpfen. Einige Unterschiede - die als therapeutische Angriffspunkte dienen könnten - gibt es aber. So wird etwa das Transmembranprotein EpCAM, kurz für "Epithelial Cell Adhesion Molecule", besonders häufig und in stark erhöhter Zahl von Tumorzellen produziert.

Stamm- und Vorläuferzellen sind undifferenzierte Zellen, die sich in alle Zelltypen des Körpers entwickeln können. Sie tragen in ihrer Membran in hoher Molekülzahl das Protein EpCAM. Sobald aus den Stammzellen differenzierte Gewebezellen werden, stellen die Zellen die Expression von EpCAM weitestgehed ein. Es scheint aber, dass manche Zellen diese strikte Regulierung umgehen können. Denn auch Krebszellen und ihre Vorläufer produzieren häufig EpCAM in hoher Zahl. Dazu gehören unter anderem die Karzinome, die rund 80 Prozent aller bösartigen Tumoren ausmachen. Es konnte gezeigt werden, dass EpCAM auch eine wichtige Rolle für das Krebswachstum spielt. Das Protein aktiviert unter anderem das Gen c-myc, was dann zur Zellproliferation führt. In der vorliegenden Arbeit konnten die Forscher die molekulare Basis für EpCAM-vermittelte Effekte umfassend aufklären. So zeigte sich, dass das Transmembranprotein durch zwei Enzyme in zwei Teile gespalten wird. Der außerhalb der Zelle befindliche Anteil EpEX löst sich ab. Der in der Zelle freigesetzte Teil EpICD wandert über mehrere Schritte - und mit Hilfe von Faktoren des sogenannten Wnt-Signalwegs - in den Zellkern und reguliert dort die Transkription von c-myc und anderen Genen.

Further Reading:
Maetzel D, …, Gires O: Nuclear signalling by tumour-
associated antigen EpCAM. Nature Cell Biology

 

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Pbx1 abhängige Effekte auf die Nebennierentumorgenese

08.01.2009

Tumoren der Nebenniere werden häufig als Zufallsbefund im Rahmen einer abdominellen Bildgebung diagnostiziert oder fallen durch Beschwerden als Folge einer übermäßigen Hormonproduktion auf. Bei manchen dieser Patienten besteht als Grunderkrankung ein bösartiges Nebennierenrinden-Karzinom. Die therapeutischen Möglichkeiten für Patienten mit dieser insgesamt seltenen Diagnose ist - trotz wissenschaftlicher und klinischer Erfolge der vergangenen Jahre - weiterhin sehr eingeschränkt. Einer der Gründe für die schlechte Prognose dieser Tumorerkrankung liegt in den nur ansatzweise verstandenen molekularen Ursachen der Nebennierentumorgenese, was den Einsatz gezielter - und damit effektiver - Therapien gegen das Tumorwachstum erschwert.

Die Regulation des Nebennierenwachstums während der Organentwicklung und im erwachsenen Organismus ist von der Anwesenheit bestimmter Transkriptionsfaktoren abhängig, die als molekulare Schalter untergeordnete Zellprogramme aufrufen. Ausgehend von der phänotypischen und molekularen Charakterisierung spezifisch genetisch veränderter Mäuse konnte Pbx1 als essentieller Transkriptionsfaktor für normales Nebennierenwachstum und -funktion etabliert werden. Darüberhinaus gibt es Hinweise, dass ein Pbx1 - abhängiger Einfluss auf die Nebennierentumorgenese besteht. Pbx1 war ursprünglich als auslösender Faktor für die Entwicklung verschiedene kindlicher Leukämien beschrieben worden.

Weitere Informationen:
www.sanst.de

 

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